Theatergruppe Remagen feierte zehnten Geburtstag
Umjubelte Jubiläumsgala
Publikum amüsierte sich bestens bei Sketchen und der Hommage an Woody Allen
Remagen. Eine in viel Rot gehüllte Kulturwerkstatt, gute Weine, hochamüsante Sketche, ein immer wieder hellauf lachendes Publikum und ein bestens aufgelegtes Theater-Ensemble kennzeichneten die Jubiläumsgala, zu der die Theatergruppe Remagen in den Saal des alten Jugendheims, die Kulturwerkstatt, eingeladen hatte. Mit dieser Jubiläumsgala feierte die Theatergruppe Remagen um Vorsitzenden Sebastian Schmickler das zehnjährige Bestehen der Theatergruppe, die anlässlich ihres Jubiläums den Gründungsort, die Kulturwerkstatt, für ihre Jubiläumsgala ausgewählt hatte. In viel Rot gehüllt, hatte die voll besetzte Kulturwerkstatt etwas von dem Charme eines Varietés.
Die Gäste saßen an sehr schön dekorierten Tischgruppen und dazu gab es natürlich auch gute Weine. Und was die Theatergruppe dann ablieferte, war eines vor allem, unterhaltsam und durchweg kurzweilig.
Immer wieder lachte das Publikum schon im ersten Teil der Aufführung mit einer Reihe köstlichster Sketche hellauf. Vorsitzender und Regisseur Sebastian Schmickler verlieh zunächst in der Kulisse seiner Freude über das ausverkaufte Haus Ausdruck, bevor er alle Laienschauspieler, darunter ebenso „Neulinge“ wie „alte Hasen“ dem Publikum vorstellte. Den Einstieg gaben Sebastian Schmickler und seine Ehefrau Melanie Schmickler. Und da ging es von Tischmanieren bis hin zur wenig stilvollen Kleidung. Frau meckerte, was das Zeug hielt, und Mann versuchte, sich zu verteidigen. „Wenn ich dir nicht ständig auf die Füße trete, dann würde ich dich irgendwann in einem Bärenfell vor einer Höhle finden“, trieb Frau es auf die Spitze und schimpfte anschließend über die Kleidung: „Mode überlässt du besser den Teenies, du Neandertaler“. Neandertaler selbst stimmte dann zwar der Shoppingtour zum Zwecke seiner Aufmöblierung zu, merkte aber an: „Und gleich geht’s weiter mit der Forderung nach einem neuen Schrank für die neue Mode. Und diese Aufforderung folgte auf dem Fuße.
Das Ende einer Shoppingtour
Der Gipfel kam danach mit einem Thema, womit alle Männer in den Wahnsinn getrieben werden: Mit der Frage: „Fällt dir an mir nichts auf?“, wenn die Frauen von einer Shoppingtour zurückkehren. Und mit genau der Frage kamen die Freundinnen Helga und Rita (Mareike Setzinger und Melanie Schmickler) von einer ausgedehnten Shoppingtour nach Hause. Die Männer (André Kauk und Martin Briel), der eine hatte bereits den anderen zu sich zitiert, um die Frage zu klären, was denn nun an ihren Frauen anders sei, wurden regelrecht in den Wahnsinn getrieben.
„Nur gemeinsam schaffen wir das. Unsere Frauen knüpfen den Erhalt der Ehe an diese Frage“, so die Männer. Beide versicherten sich gegenseitig, dass ihnen nichts an ihren Frauen aufgefallen sei. Selbst die Flipcharts hinter dem Rücken der Frauen bringen sie nicht weiter.
Die Situation droht zu eskalieren. Helmut meint dann nur noch: „Frauen sind Aliens“. Ein eingehender Anruf und die Frage nach den „Strähnchen“ klärt, was sich denn nun so ungeheuer Wertvolles an ihren Frauen getan habe. Sofort springen die Männer darauf an und versichern ihren Frauen, dass sie mit den „Strähnchen“ zehn Jahre jünger aussehen. Aber nur, bis klar wird, dass diese Verjüngungsmaßnahme 500 Euro gekostet hat. „Da bekomme ich ja einen neuen kompletten Satz Winterreifen für. Und die sehen dann auch noch besser aus als dieser Scheiß“, war dann von einem Mann zu hören.
Trösten ist schwer
Absolut köstlich auch der Sketch „Tröstung“.
Mario, alias Christian Schuldt, sitzt mit seiner Ehefrau Cordula, alias Janine Thimm, zuhause. Cordula ist OP-Schwester und hat Bereitschaftsdienst. Und dann kommt Freundin Franziska und heult, was das Zeug hält, denn ihr Ehemann hat sie verlassen: zum 17. Mal. Und das nur, weil sie gemeckert hat, weil der Joghurtbecher nicht in den grauen Restmüll kommt. Dann muss Cordula in den OP. Mario ist mit Franziska nun allein, holt Tempos, Wärmflasche und mehr. Doch irgendwann reißt ihm der Geduldsfaden, besonders angesichts des ersten gemeinsamen freien Wochenendes von ihm und seiner Cordula. Als dann noch zwei weitere heulende Bojen auftauchen, ist Mario am Ende und der chaotische Schluss des Sketches markiert.
Mordsangst
Krimimäßig kam der letzte Sketch daher. Ein Mann sitzt in einem Café und zwei Frauen kommen hinzu. Sie erzählen absolut genüsslich von einem zu begehenden Mord, und das in allen schockierenden Einzelheiten. Immer bedrohter fühlt sich der Mann, bis schließlich der Kellner ihn aufklärt, dass die beiden Frauen ihm nicht ans Fell wollen, sondern Krimiautorinnen sind.
Hommage an Woody Allen
Nach einer Pause lag das Spiel an den beiden Gründungsmitgliedern Kevin Kurth, als der Tod, und Sebastian Schmickler, als Kleiderfabrikant Nac Ackermann, in einer Hommage an Woody Allen. Nachdem der „Tod“ das Zimmer des Kleiderfabrikanten erklommen hat, versucht er, Nac Ackermann davon zu überzeugen, dass er auf die Reise mit ins Jenseits kommen soll.
Doch der will absolut nicht. Es entsteht ein Rededuell, gespickt von schwarzem Humor und Sarkasmus, und ein Mensch-ärgere-dich-nicht-Spiel kommt zum Einsatz, um eine Entscheidung herbei zu führen. Letztlich verliert der Tod das Spiel, und der Kleiderfabrikant behält sein Leben und muss nicht mit einem Benziner ins Jenseits reisen. Das Publikum applaudiert ohne Unterlass und genießt nach über zwei Stunden bester Unterhaltung den gemütlichen Ausklang der Jubiläumsgala. Die Laiendarsteller Sebastian Schmickler, Melanie Schmickler, Kevin Kurth, Janine Thimm, Martin Briel, Mareike Setziger, André Kauk und Christian Schuldt können sich wirklich über einen großartigen Abend und viel Applaus für ihre glänzenden Leistungen freuen. AB
Melanie und Sebastian Schmickler bei der Frage um Tischmanieren und Mode..
