„Es lässt uns nicht mehr los.“
Unerwartete Großspende für Hospizarbeit
Kreis Ahrweiler. Der Anruf aus Hessen ist unerwartet gekommen. Eine Spende für das stationäre Hospiz im Ahrtal kündigten Holger Kresse und Daniela Nöll aus Rüsselsheim bei der telefonischen Kontaktaufnahme mit Hospizleiterin Gabriele Ruggera an. Weil Ruggera, die auch Geschäftsführerin der Stationären ambulanten Palliativversorgung (SAPV) im Kreis Ahrweiler ist, jede noch so kleine Zuwendung für die Hospizbewegung im Kreis Ahrweiler willkommen heißt, lud sie die Spender kurzerhand zur Übergabe ins stationäre Hospiz am Bad Neuenahrer Dorotheenweg ein. „Über die Höhe der Spende hatten wir zuvor nicht gesprochen“, sagt Ruggera. Entsprechend erfreut war sie über die Spendensumme von stolzen 1125 Euro, die ihr die beiden überreichten.
„Damit hatte ich nicht gerechnet“, sagt Ruggera. Berührt hat sie aber auch, wie das Geld zusammengekommen gekommen ist. Das Engagement von Daniela Nöll und Holger Kresse beeindruckte: „Da haben sich Menschen privat organisiert, um die Flut-Betroffenen hier im Ahrtal zu unterstützen. Mit sehr hohem zeitlichen Einsatz werden da Feste organisiert und der Erlös an Privatpersonen und eben auch an das Hospiz gespendet.“
Daniela Nöll hat Freunde in Bad Neuenahr-Ahrweiler, weshalb sie schon kurz nach der Flutkatastrophe ins Ahrtal kam, um dort zu helfen. Sie kannte Holger Kresse, der wiederum Anfang 2022 beim Dreck-weg-Tag in seiner Heimatstadt erfolgreich um Spenden für Frauen und Kinder aus der Ukraine sammelte, wo der Krieg damals gerade begonnen hatte. „Ich habe ein großes Netzwerk und hatte nach drei Stunden schon 400 Euro zusammen“, sagt er. Was ihn mit Daniela Nöll vor allem verbunden habe: „Wir hatten beide das Gefühl, wir müssen was machen.“ Und sie machten. Sie organisierten unter anderem ein Kuchenfestival, für das alleine 140 Kuchen für den guten Zweck gespendet und verkauft wurden. Und fürs Burgrabenfest in Hassloch wurde ihnen sämtliches Grillgut und Getränke gesponsert. „Aus allen Ecken und Enden kam was“, sagt Kresse. „Bei jedem Event seien so mehr als 3000 Euro zusammenkommen. Ihr Konzepte: Jeweils ein Drittel ging an lokale Projekte, an die Ukraine-Hilfe und an Flutbetroffenen im Ahrtal. „Und wir wollten möglichst direkt an Betroffene spenden.“
Bei der ersten gemeinsamen Fahrt ins Ahrtal bedachten sie drei Familien mit jeweils 500 Euro und hatten auch noch Sachspenden dabei. „Seitdem lässt es uns nicht mehr los“, so Kresse. Die jüngste Aktion war ein Konzert in einem Brauhaus mit drei Bands, die den Benefizgedanken ebenfalls unterstützten. Aus dem Erlös rühren auch die 1125 Euro für das stationäre Hospiz im Ahrtal. Die Hospizbewegung ist ihm nicht fremd. „Seit ich nicht mehr zu Silvester böllere, unterstütze ich ein Hospiz in Wiesbaden“, sagt Kresse. Das erste Mal, dass er ein stationäres Hospiz besucht, war indes nun im Ahrtal.
Angesichts des Einsatzes der Spender für Flutbetroffene soll die Spendensumme nun der Trauer- und Traumabegleitung zugutekommen, die der Hospiz-Verein Rhein-Ahr gemeinsam mit Partnern installiert hat. Der Fokus der dort tätigen Fachleute gilt den Multiplikatoren vor Ort, etwa dem Personal von der Kita bis zur Senioreneinrichtung oder auch Vereinen, die mit vielen Flutbetroffenen und deren Sorgen und Befindlichkeiten konfrontiert sind und umgehen müssen. Der Hospiz-Verein Rhein-Ahr bietet aber auch Einzelgespräche an, um den Menschen im Kreis Ahrweiler, die bis heute unter den psychischen Folgen der Flutkatastrophe leiden, auf ihrem Weg aus der Krise zu helfen.
Infos: www.hospiz-rhein-ahr.de/trauer-und-trauma
