Allgemeine Berichte | 25.07.2014

Wettbewerb feiert 50-jähriges bestehen

„Unser Dorf hat Zukunft“

18 Gemeinden und Ortsteile haben mitgemacht und Landrat Jürgen Pföhler verlieh die Urkunden

Landrat Pföhler ehrt die Sieger.  FIX

Kreis Ahrweiler. Großer Bahnhof kürzlich in der Sporthalle des Peter-Joerres-Gymnasiums: Viele Ehrengäste waren gekommen, um die Siegergemeinden auf Kreisebene beim Wettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ zu küren. Aber auch jene Gemeinden waren eingeladen, die sich in den vergangenen Jahren am landesweiten Wettbewerb beteiligt hatten. Denn in diesem Jahr wurde der Wettbewerb bereits zum 50. Mal ausgetragen. Die Sieger waren in der Hauptklasse Schuld vor Heppingen und Schelborn. Schuld wird somit im September am Landesentscheid teilnehmen. In der Sonderklasse siegte Königsfeld vor Löhndorf und Insul. In dieser Klasse wird Insul am Landesentscheid teilnehmen. Groß war der Auftrieb der Gratulanten mit Bundestagsabgeordneten Mechthild Heil, den Landtagsabgeordneten Horst Gies und Guido Ernst, Ahrweinkönigin Viktoria Kugel und fast allen Haupt- und vielen Orts-Bürgermeistern. Sieger, Schuld in der Haupt- und Königsfeld in der Sonderklasse sowie die Platzierten wurden zu diesem Anlass mit Prämien und Urkunden geehrt. Doch zuvor galt es, einen Blick in die Geschichte von „Unser Dorf hat Zukunft“ zu werfen.

Entwicklung des Wettbewerbs

Der erste Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ auf Bundes- und Kreisebene fand 1961 statt. Er stieß auf wenig Begeisterung bei den Bürgern. Viele Dörfer hatten keine ausgebauten Straßen, ganz zu schweigen von einer Kanalisation. Für Kunst und Ästhetik gab es wenig Zeit und Geld. Dekorativer Blumenschmuck in Kübeln reichte aus, um zu siegen. Vier Dörfer gingen an den Start - darunter Waldorf, Oberbreisig, Plittersdorf, Mayschoß. Mitte der 1970er Jahre: Allmählich entwickelte sich Kritik am nicht mehr zeitgemäßen Wettbewerb. Die Landwirtschaft verlor an Bedeutung. Ein wesentlicher Faktor: Die A 61 wurde 1975 fertiggestellt und brachte wirtschaftliche Veränderungen mit sich. In den 1980er Jahren tauchte der Begriff „Dorferneuerung“ vermehrt auf. Fachplaner erstellten die ersten Konzepte. Auch Experten belächelten die Dörferkonkurrenz als Blumenschmuck-Wettbewerb. In alten Aufzeichnungen von Bewertungskommissionen findet sich tatsächlich als positiv hervorgehobene Urteilsbegründung: „der private und öffentliche Raum wird stets sauber gehalten und ein üppiger Geranienschmuck ziert die Fenster“. Die Verantwortlichen des Wettbewerbs kritisierten, dass nun zu theoretisch, vom Planungstisch aus Dorfentwicklung betrieben wurde. Doch Mitte der 1990er Jahre wurden die Wettbewerbskriterien gemeinsam erneuert. Ab 1997 hieß der Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden - Unser Dorf hat Zukunft“. Die Kriterien: ganzheitliche, nachhaltige Dorfentwicklung. Bewertung: äußeres Erscheinungsbild, wirtschaftliche Entwicklung, kulturelles Leben, bauliche Entwicklung. Die Ziele setzen größeres Bürger-Engagement und professionelles Projektmanagement voraus. 2007 verkürzte sich der Titel auf „Unser Dorf hat Zukunft“. Heute befassen sich viele Dörfer und die Kommission mit Themen wie Leerstände, demografischer Wandel, Energiewende, Telearbeitsplätze, sanfter Tourismus und Kultur. Landrat Jürgen Pföhler lobte die Entwicklung des Wettbewerbes und ging auf die Besonderheiten im Kreis Ahrweiler ein. So gebe es im Kreis Prämien von insgesamt rund 16 000 Euro pro Wettbewerb. Diese Summe zahlt der Kreis als freiwillige Leistung. Landrat Pföhler erinnerte außerdem an die parallel stattfindenden kreiseigenen Wettbewerbe für Vereine sowie den von ihm ins Leben gerufenen für Jugend und Familien. Seit 2005 werden auch Sonderpreise vergeben. Die Kreiskommission entscheidet pro Wettbewerb neu, in welchen Themenfeldern diese Preise vergeben werden. Im Jahr 2014 lautete der Schwerpunkt beispielsweise „kulturelle Vielfalt im Kreis Ahrweiler“. Diese Wettbewerbe sind deshalb so wichtig, weil sie eine Plattform bieten, ehrenamtliche Leistungen darzustellen. Im Kreis Ahrweiler leben mehr als zwei Drittel der Bürger in Dörfern, daher ist eine kontinuierliche Stärkung des ländlichen Raumes unverzichtbar. „Diese können wir jedoch nicht per Gesetz verordnen. Starke ländliche Regionen können wir nur erreichen, in dem wir Menschen mit Herz und Tatkraft für ihre Heimat motivieren, fördern und anerkennen. Der Wettbewerb ist eine Form dieser Anerkennung“, betonte Landrat Jürgen Pföhler. Auch der diesjährige Wettbewerb mit seiner hohen Beteiligung zeige, wie attraktiv sich das Leben in den Dörfern gestalte. „Mit Ihrem Einsatz, Ihren Visionen, Ihren Talenten schaffen Sie einen gesunden Mix in sozialer, wirtschaftlicher, kultureller und gestalterischer Hinsicht. Unsere Dörfer haben Zukunft“, so Landrat Pföhler. In diesem Jahr haben sich 18 Gemeinden/Stadtteile/Ortsteile der Bewertung durch die Kreiskommission gestellt. Aus diesen Orten sind 23 Vereine, Initiativen und Jugendgruppen angetreten, um die gezeigten Leistungen für die Dorfgemeinschaften und die Allgemeinheit honoriert zu bekommen. An acht Reisetagen hat die Kreiskommission die schwierige Aufgabe wahrgenommen, eine objektive Bewertung der vielen hervorragenden Aktivitäten und Maßnahmen aus den Dörfern vorzunehmen. Vor dem Hintergrund der großen Anzahl an hochwertigen Maßnahmen und dem Ideenreichtum der Vereine, der Initiativen, aber auch Kinder und Jugendlichen, ist der Kommission die Entscheidung nicht leicht gefallen. „Ich bin beeindruckt, welche großartigen Initiativen in unseren Gemeinden ins Leben gerufen werden und welch großes Engagement unsere Bürgerinnen und Bürger zum Wohle ihrer Orte zeigen“, betonte Pföhler.

Die Sonderpreise

Auffällig seien in diesem Jahr die vielen verschiedenartigen kulturellen Highlights, die von den Bürgern in ihren Dörfern etabliert wurden, gewesen. Aus diesem Grunde gab es in diesem Jahr erstmalig eine Schwerpunkt-Setzung in den Sonderpreisen für die „kulturelle Vielfalt im Kreis Ahrweiler“, erklärte Jürgen Pföhler. Insgesamt sind allein für diese Sonderpreise 3.500 Euro an Kreisprämien zur Verfügung gestellt worden. Die inzwischen als Dauerbrenner zu betrachtenden Sonderwettbewerbe des Kreises für das Vereinsleben sowie der Wettbewerb „Jugend und Familien stärken“ und nun die zuvor genannten Sonderpreise zeigten, wie vielfältig das bürgerschaftliche Engagement in den Dörfern sei, so Pföhler. Ihn freute es, dass viele Aktivitäten und Maßnahmen von Kindern und Jugendlichen ausgingen und realisiert wurden. „Für mich ist es ein persönliches Anliegen, Kinder und Jugendliche in den Gestaltungsprozess einer Gemeinde zu integrieren. Mit dieser Wertschätzung werden junge Menschen motiviert und fühlen sich ihrem Dorf verbunden“, sagte Pföhler. Besonders erfreulich sei, dass die Kommission auch in diesem Jahr viele positive Beispiele im Rahmen einer modernen Dorfentwicklung feststellen konnte. Viele Maßnahmen trügen zu einer höheren Wohn- und Lebensqualität in den Gemeinden bei, so Pföhler. Als positive Beispiele führte der Kreischef die Sanierung und den Umbau der ehemaligen Niederzissener Synagoge zu einer Kultur- und Begegnungsstätte an, den Erweiterungsbau des Königsfelder Bürgerhauses, die Veranstaltung „Ahrfelsen in Flammen“ in Schuld, aber auch die detailgetreue Sanierung der Maria-Hilf-Kapelle in Heppingen oder die sanierten Fachwerkhäuser in Löhndorf. Schuld und Insul nehmen im September am Landesentscheid teil. Neben dem Kultur- und Heimatverein Niederzissen gewann der Verein „Open Klezmer Scales“ aus Insul ebenso 1000 Euro Prämie wie der Mayschosser Jugendtreff, der sich mit moderner Kunst im öffentlichen Raum einen Namen machte. Die „Königssee-Kids“ aus Oberdürenbach gewannen den Wettbewerb Jugend und Familie stärken. In der Hauptklasse gewann Schuld, dass die Dorferneuerung und damit eine moderne Dorfentwicklung als ganzheitliches Thema für sich definiert hat. Auf allen Gebieten der Dorferneuerung konnte die 730-Seelen-Gemeinde punkten. Ob Ortsbegrünung mit altem Baumbestand, sanierten Fachwerkhäusern, touristischen Angeboten wie der Geopfad, die vielen ehrenamtlichen Helferstunden bei der Umsetzung wertiger Infrastrukturmaßnahmen, wie die Bahnhofs- und Stefansbrücke, die Eventfläche am Bahndamm, das Schaffen einer Aufenthaltsfläche an der Ahr und nicht zuletzt die Entscheidung, auf eine behutsame Innenentwicklung zu setzen, zeigen, dass die Menschen in ihrem Ort ein Feingespür für eine zeitgemäße Dorferneuerung besitzen.

Die Sieger im Einzelnen:

Sonderklasse: 1. Königsfeld, 1200 Euro, VG Brohltal, 2. Löhndorf, 1000 Euro, Stadt Sinzig, 3. Insul, 700 Euro, VG Adenau, 4. Niederzissen, 700 Euro, Brohltal. Hauptklasse: 1. Schuld, 1200 Euro, VG Adenau, 2. Heppingen, 1000 Euro, Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, 3. Schelborn, 700 Euro, Ortsgemeinde Oberdürenbach, Brohltal. Vereine und Initiativen: 1. Dorfgemeinschaft „Ahrfelsen in Flammen“ Schuld, 1200 Euro, 2. Os Künnesfeld, Königsfeld, 1000 Euro, VG Brohltal, 3. Vereinsring Niederlützingen, 700 Euro, Ortsgemeinde Brohl-Lützing, VG Bad Breisig. Jugend und Familien stärken: 1. Königsseekids Oberdürenbach, 1200 Euro, VG Brohltal, 2. Junggesellenverein Sankt Sebastianus Walporzheim, 1000 Euro, Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler, 3. Freiwillige Feuerwehr Ringen, 700 Euro, Gemeinde Grafschaft und FC Spessart, 700 Euro, VG Brohltal.

„Kulturelle Vielfalt im Kreis Ahrweiler“

Alle drei Sonderpreise (je 1000 Euro) fallen unter den Themenschwerpunkt „Kulturelle Vielfalt im Kreis Ahrweiler“ und gehen an: Kultur- und Heimatverein Niederzissen für ein herausragendes und vielfältiges Kulturprogramm. Open Klezmer Scales Insul für den Einsatz für die „Weltmusik im Dorf“. Jugendtreff Mayschoß für die kontinuierliche Jugendarbeit zum Thema „Moderne Kunst im Dorf“. Den Anerkennungspreis (500 Euro) erhält der Jugendtreff Spessart für das digitale Porträt der Dorfbewohner als Mosaikbild im Wappenmotiv.

Die Bigband sorgte für angemessene musikalische Highlights.

Die Bigband sorgte für angemessene musikalische Highlights.

Landrat Pföhler ehrt die Sieger. Fotos: FIX

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