Drittes Tierschutzfestival freute sich über zahlreiche Besucher
Unsere Mitgeschöpfe im Fokus
Koblenz. Unglaublich, was eine gute Hand voll Menschen auf die Beine stellen kann: Bereits zum dritten Mal in Folge fand das „Tierschutzfestival Mittelrhein“ am Deutschen Eck in Koblenz statt. Und wieder war es Initiatorin Nadine Pietzko, die das gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten Florian Rave, Schwester Yvonne Pietzko und nur wenigen weiteren Mitstreitern möglich gemacht hat. Organisation, Aufbau, Koordination - alles liegt in wenigen Händen, ein Kraftakt, aber wo es genügend Herzblut und Leidenschaft für eine gute Sache gibt, geht alles. Über 40 kleine und große Tierschutzvereine und -initiativen stellten auch dieses Mal ihre wertvolle Arbeit vor. Klassische Tierschutzvereine und Tierheime waren ebenso dabei, wie kleinere Initiativen, denen beispielsweise das Wohl von Reptilien, Hirschkäfern, Fledermäusen und Wellensittlichen am Herzen liegt. Einige Gnadenhöfe stellten sich vor, die in der Region meist im Stillen unermüdlich Gutes tun: „Genau das ist unser Bestreben“, sagt Nadine Pietro, „mit diesem Festival wollen wir zeigen, wie viele wunderbare Projekte es in unserer Region bereits gibt und vor allem: wie viele tolle Menschen dahinter stecken.“
Kennenlernen der Initiativen war ein Ziel dieser Sache
Dass die Initiativen sich gegenseitig kennenlernen und bestenfalls vernetzen, ist ebenfalls Sinn der Sache: „Grundsätzlich haben ja alle dieselben Ziele: Aufklärung über die Bedürfnisse einzelner Tierarten, nicht zuletzt, um deren Lebensbedingungen zu verbessern und natürlich ganz grundsätzlich: der Tierschutz“, weiß Nadine Pietzko und legt großen Wert darauf, Menschen undogmatisch und nicht missionarisch dort abzuholen, wo sie stehen: „Es muss niemand Angst haben, dass wir ihm die Wurst vom Brot nehmen“, so die junge Mutter, „Veränderung ist erst dann möglich, wenn ein Bewusstsein für eine Sache gewachsen ist. Diesen Prozess wollen wir auf sanfte Art und Weise unterstützen.“ Dass auch viele Tierschutz-Initiativen Nachwuchssorgen haben, bedauert Nadine Pietzko sehr: „Einige Vereine mussten uns aufgrund von Personalmangel absagen, das ist sehr schade. Gerade für kleine Gnadenhof-Projekte stellt sich ganz einfach die Frage, ob sie hier bei uns dabei sind oder in der Zeit ihre Tiere versorgen und pflegen.“ Sie hoffe inständig, dass sich die Lage bald ändere und mehr Menschen Lust bekommen, sich aktiv für den Tierschutz einzusetzen. Erstmals dabei waren in diesem Jahr die Initiativen „Wildtierschutz Deutschland“ und „Aktionsbündnis Fuchs“, die Hand in Hand operieren. „Der Fuchs ist hierzulande besonders arm dran“, sagt Stefanie vom Aktionsbündnis Fuchs. Stefanie hat, ebenso wie ihre Mitstreiter, in der Vergangenheit gravierende Erfahrungen mit Hobby-Jägern machen müssen, ist mehrfach verfolgt und bedroht worden und möchte daher nicht ihren vollen Namen veröffentlicht sehen. In sogenannten Schliefenanlagen, in die lebende Füchse bereits zu „Trainingszwecken“ eingesetzt würden, richteten Hobby-Jäger Hunde ab, um sie anschließend in Fuchsbauten zu schicken: „Dort beißen die Hunde die Fuchswelpen entweder gleich tot oder treiben sie aus dem Bau und den Jägern vor die Flinte“, berichtet Stefanie. Das schlechte Image des Fuchses würde ganz bewusst gepflegt, um das Vorgehen zu rechtfertigen: „Nur wenige Menschen wissen, dass es hierzulande seit vielen Jahren überhaupt keine Tollwut mehr gibt und die Fälle, in denen der gefürchtete Fuchsbandwurm einen Menschen ereilt, sind extrem selten“, sagt die Tierschützerin.
Jäger können unkontrolliert und und lassen was sie wollen
Ganze Ordner voller Fotos, die generelle Jagdvergehen dokumentieren, haben die Mitglieder beider Initiativen inzwischen gesammelt. „Wir haben uns sehr intensiv mit der Thematik befasst, uns mit Fachliteratur und dem Jagdgesetz auseinandergesetzt und wir sind fassungslos über die Tatsache, dass Jäger im Prinzip vollkommen unkontrolliert tun und lassen, was sie wollen.“ Es gebe keine Instanz, die wirklich in der Lage und willens sei, das Treiben der Hobby-Schützen zu kontrollieren, „daher möchten wir die Menschen motivieren, ruhig mal die Wege zu verlassen und sich umzusehen“, sagt Stefanie. Das, was nicht erlaubt sei, geschehe selten direkt an Waldwegen. „Man sollte sich vorab natürlich mit dem Jagdrecht auseinandersetzten und wissen, was die Jäger dürfen und was nicht.“ Vor der Lektüre müsse sich niemand scheuen, „das, was Hobby-Jäger so stolz als ihr „grünes Abitur“ bezeichnen, können Sie heute innerhalb von 14 Tagen an deutschen Jagdschulen absolvieren“, beklagt die Tierschützerin.
Der Wolf ist in aller Munde
Stark frequentiert war auch der Info-Stand der Wolfsschützer, denn der Wolf ist derzeit in aller Munde. Seit 1991 setzt sich die „Gesellschaft zum Schutz der Wölfe e. V.“ für ein friedliches Miteinander von Wolf uns Mensch ein. Von den Abschuss-Vorhaben der Bundeslandwirtschaftsministerin hält man hier wenig: „Es kann gravierende Folgen haben, wenn Wölfe geschossen werden“, sagt Diplom-Biologe Dr. Frank G. Wörner. Es gebe Modelle, die ganz grob gesagt, belegten: Je mehr Exemplare einer Tierart man schieße, umso mehr produziere diese nach. „Im Fall des Wolfes gibt es außerdem genügend Beispiele, die zeigen, dass wenn Wölfe „reduziert“ werden, die Anzahl der Risse steigt.“ Es sei im Grunde genommen auch fast unmöglich, einen Wolf sicher „anzusprechen“, denn einen jungen Wolf, der vielleicht sieben bis acht Monate alt sei, könne man von einem Altwolf nicht mehr unterscheiden. „Und wenn sie einen alten Wolf wegschießen, hat der junge Wolf niemanden mehr, der ihn erzieht“, so der Experte, „diese Tiere ziehen dann los und probieren alles aus. Ein alter Wolf hat irgendwann einmal gelernt: Das ist ein Zaun, der ‚beißt‘! - und meidet Gehege von Nutztieren“, macht es Dr. Wörner fassbar, das seien Erfahrungswerte, die an Nachwuchs weitergegeben würden. Aus diesem Grund sei die Prävention von so großer Wichtigkeit, sobald ein Gebiet zum Wolfsgebiet erklärt werde: „Man muss umgehend anfangen, die Herden effektiv zu schützen.“ Für den Menschen gehe vom Wolf keine Gefahr aus, die Tiere seien ausgesprochen scheu, zudem gehöre der Mensch nicht zum Beuteschema der Tiere.
Bienen und weitere Insekten standen ebenfalls im Fokus
Neben den Belangen der großen heimischen Wildtiere standen auch die Kleinen im Fokus: Bienen, Käfer und viele weitere Insekten fanden viel Beachtung, denn ihre Lage ist bekanntlich prekär. Eine Bauanleitung für einen mehrstöckigen „Lebensturm“, in dem viele Insekten ein Zuhause finden können, wurde unzählige Male abfotografiert. Urgemütlich und gespickt mit toller Literatur für groß und klein war auch in diesem Jahr die Lese-Lounch des Festivals. Auf den Wiesen rundherum genossen die Besucher die Atmosphäre bei leckern vegetarischen Speisen, Kaffee und kühlen Getränken. Außerhalb des Geländes zeigten Aktivisten der Tierrechtsinitiative „ARIWA“ auf Bildschirmen grausame Bilder aus der Pelz- und Nutztierhaltung, die viel Beachtung fanden. Nadine Pietzko, die bewusst den sanften Weg der Aufklärung geht, zeigte sich beeindruckt: „Tatsächlich bleiben dort auch Eltern bewusst mit ihren Kindern stehen, um ihnen die Missstände zu zeigen.“ Im kommenden Jahr sollen die friedlich demonstrierenden Aktivisten von „ARIWA“ einen Platz auf dem Festival-Gelände bekommen.
Glücklich über den Erfolg der dritten Auflage ihres Tierschutzfestivals: v. l. Florian Rave, Nadine Pietzko und Yvonne Pietzko.
Eine wunderschön gestaltete Ausstellung zeigte, wie jeder im eigenen Zuhause auch ein wenig Tierschützer sein kann.