Von Staatsoberhäuptern bis zu Altstadtoriginalen: 75 Jahre Goldenes Buch der Stadt Koblenz
Unterschriften, die Geschichte schrieben
Koblenz. Seit drei Vierteljahrhundert dient es als eindrucksvoller Zeuge der Besuche von hochrangigen Persönlichkeiten in Koblenz: das Goldene Buch der Stadt. In diesem exquisiten Gästebuch haben sowohl weltberühmte Staatsoberhäupter, Royals und Künstler als auch lokale Sportler und charakteristische Figuren der Altstadt ihre Unterschriften hinterlassen.
Wenn man die Samtkassette öffnet, die im Historischen Rathaus am Willi-Hörter-Platz aufbewahrt wird, bietet sich ein Anblick von bemerkenswerter Handwerkskunst. Das Goldene Buch, in edles weißes Schweinsleder gebunden, trägt stolz das Wappen von Koblenz - mit rotem Balkenkreuz und Krone. Darüber hinaus sind auf dem Einband vergoldete, viereckige Verzierungen zu sehen. Das Buch selbst ist ein hervorragendes Beispiel für lokale Handwerkskunst, hergestellt von der Buchbinderei Th. Retzlaff, die 1850 gegründet wurde und nach dem Zweiten Weltkrieg von der Stadt beauftragt wurde, ein neues Gästebuch zu erstellen.
Erster offizieller Eintrag bei der Rittersturzkonferenz
Das Goldene Buch wurde erstmals bei einem historisch bedeutenden Ereignis eingesetzt, der sogenannten Rittersturzkonferenz. Vom 8. bis 10. Juli 1948 tagten die Ministerpräsidenten der westdeutschen Länder sowie die kommissarische Oberbürgermeisterin von Berlin im Berghotel „Rittersturz“. Bei diesem Treffen diskutierten sie unter anderem über die Konstituierung eines westdeutschen Parlamentes, die Grenzen der Bundesländer und das Besatzungsstatut der Alliierten. Die auf dieser Konferenz verabschiedeten „Koblenzer Beschlüsse“ bildeten letztlich den Wegweiser hin zum heutigen Grundgesetz.
Josef Schnorbach, der damalige Oberbürgermeister von Koblenz, war sich dieser besonderen Bedeutung der Konferenz bewusst. Ein Zeitungsartikel von damals zitiert ihn mit den Worten, dass er die Teilnehmer der Konferenz bat, sich in das neue Goldene Buch der Stadt Koblenz einzutragen. Die Ehre der ersten offiziellen Unterschrift im neuen Gästebuch der Stadt wurde Luise Schröder zuteil, die von 1947 bis 1948 kommissarische Oberbürgermeisterin von Berlin war. Ihr folgten alle Ministerpräsidenten und weitere Delegationsteilnehmer. Bis heute sind dem ersten Eintrag von 1948 insgesamt 76 weitere gefolgt.
Beeindruckende Liste von Unterzeichnern
Die Liste der Unterzeichner ist beeindruckend und vielseitig: Der ehemalige US-Präsident George Bush, der in Koblenz geborene französische Ex-Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing, diverse Bundespräsidenten und Bundeskanzler wie Richard von Weizsäcker, Johannes Rau, Helmut Schmidt oder Helmut Kohl sowie zahlreiche internationale und nationale Politiker. Aber auch Künstler, darunter André Rieu, Jose Carreras, Sportler wie Steve Ovett, der 1980 im Stadion Oberwerth einen Weltrekordlauf über 1500 Meter absolvierte, und Koblenzer Persönlichkeiten wie Katharina Schaaf, Thomas Anders, Rudi Gutendorf, Peter Joppich und Manfred Gniffke haben ihre Unterschrift in dem Buch hinterlassen. Selbst das belgische Königspaar Königin Mathilde und König Phillippe sind in diesem illustren Kreis vertreten. Der jüngste Eintrag im Goldenen Buch der Stadt Koblenz stammt vom 1. Mai 2023, als Bundeskanzler Olaf Scholz anlässlich seines Besuchs am Tag der Arbeit seine Unterschrift hinterließ.
Wer sich im Goldenen Buch der Stadt Koblenz eintragen darf, ist nicht in einer Regelung oder Satzung festgelegt. Diese Entscheidung lag bisher in der Regel bei den jeweiligen Oberbürgermeistern. Dass es nur 77 Einträge im Goldenen Buch der Stadt Koblenz gibt, ist auf die Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs zurückzuführen.
Im April bzw. Mai 1934 hatte die Stadt ursprünglich ein „Ehrenbuch“ bei einem Koblenzer Buchbinder in Auftrag gegeben. Aufgrund von Schwierigkeiten und Verzögerungen wurden Angebote in Wiesbaden und Leipzig eingeholt. Am 26. Juni 1934 erhielt ein hessisches Unternehmen einen entsprechenden Auftrag. Bezüglich der Heftung des Papiers wurde vorgesehen, nach dem Titelblatt eine leere Seite einzufügen, die später mit der Unterschrift von Adolf Hitler versehen werden sollte. Das ursprüngliche „Ehrenbuch“ sollte eigentlich nach der Einweihung der „Adolf-Hitler-Brücke“, der heutigen Europabrücke, am 22. April 1934 gebunden werden. Hitler war jedoch bei der Einweihung nicht anwesend.
Das von den Gebrüdern Petmecky aus Wiesbaden gebundene erste Goldene Buch der Stadt Koblenz wurde rechtzeitig zur Saarkundgebung auf dem Ehrenbreitstein am 25./26. August 1934 fertiggestellt, bei der Hitler am 26. August eine Rede hielt. Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Goldene Buch zusammen mit anderen Dokumenten der Stadtverwaltung auf die Festung Ehrenbreitstein ausgelagert. Dort ging es verloren und ist seitdem nicht wieder aufgetaucht. Es wird angenommen, dass das Buch bei einem Bombenangriff zerstört wurde. BA
Eine der prominentesten Unterschriften im Goldenen Buch der Stadt Koblenz leistete am 31. Mai 1989 der amerikanische Präsident George Bush senior (3.v.re.). Er trug sich am Deutschen Eck gemeinsam mit Ehefrau Barbara (5.v.re.), Bundeskanzler Helmut Kohl (re.), dessen Ehefrau Hannelore (4.v.re.) unter den Augen des Koblenzer Oberbürgermeisters Willi Hörter (li.) in das Gästebuch ein. Foto: Thomas Frey Foto: FREY-Pressebild
Foto: Stadt Koblenz/Andreas Egenolf
Der ehemalige französische Staatspräsident Valéry Giscard d’Estaing ist im Goldenen Buch seiner Geburtsstadt Koblenz gleich zwei Mal verewigt. Hier ist er bei seinem zweiten Eintrag während der Verleihung der Ehrenbürgerwürde an ihn im Oktober 2006 zu sehen. Foto: Stadt Koblenz/Thomas Knaak Foto: Stadt Koblenz/Thomas Knaak
