Jeuschelabend in der Kulturwerkstatt Remagen
Uralte Fotos beim Jeuschelabend
Oliver Schmitz kramte in der Bilder-, das Publikum in der Gedächtniskiste
Remagen. Tja, da waren die Veranstalter aber selber überrascht, der Saal in der „Kulturwerkstatt“ konnte das Publikum kaum fassen. „Mundpropaganda“, meinte Moderator Oliver Schmitz, denn die, die zum „Jeuscheln“ gekommen waren, war nicht die „facebook-Generation“. Die Remagener Bürger, die aus alter Zeit etwas zu erzählen hatten und sich für ihre Heimatstadt interessieren, hatten sich auf der Veranstaltung der Volkshochschule eingefunden. Begleitet von Wolfgang Proft und Herbert Pakusa hatte „Stadtführer Oli“ aber auch erneut tief in die Bilderkiste gegriffen. Passend zur Jahreszahl, der Fertigstellung der Remagener Ludendorffbrücke 1916 hatte er eben das Thema „Brücke von Remagen“ als Eingangsthema gewählt. Bilder von der amerikanischen Einheit, die im Ersten Weltkrieg in Kripp stationiert waren, ließen schon lautes Erstaunen durch den Raum dringen. Berittene Soldaten beim Überschreiten des Rheines hatte auch noch nicht jeder der Remagener gesehen. Mannigfaltig hat Oliver Schmitz mittlerweile Kontakte nach den USA aufgebaut, um sich solch alte Schätzchen für sein privates Archiv zu sichern.
„Brücke von Remagen“ war Thema
Die Macher des „Friedensmuseums Brücke von Remagen“, Hans Peter Kürten und Kurt Kleemann, wären von diesen Aufnahmen sicherlich ebenfalls begeistert – falls sie sie nicht kennen. Die Brücke lässt aber immer wieder Spielraum für Erinnerungen. „Da bin ich als Kind noch rüber jejangen“, erklang es. „Och, da simmer doch immer zum Freien rüwwer“, so die Antwort. Die Erpeler und die Remagener Bürger waren in Zeiten der Brücke, die am 17. März 1945 unter ihrem Gewicht, der, der Militärmaschinen und der Folgen der Beschädigungen einbrach, eng verbandelt. Heute trennt der Rhein die Menschen rechts und links des Stromes. Das Maibaumaufstellen war ein weiteres Thema, das Oli Schmitz ansprach. Dazu hatte er ein Bild hervorgekramt, das die Mannschaft der „Overstetsje“ in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zeigte. Auf dem Drususplatz stand damals das Traditionswahrzeichen. Oh, wer mochte da wohl abgebildet sein? Manche Remagener Physiognomien sind unverwechselbar und ein Leugnen der Familienzugehörigkeit schier nicht möglich. „Klar is dat ming Opa“, hörte man dann auch. Vom Maibaumaufstellen ging es weiter vom Hölzchen aufs Stöckchen. Vor der Gaststätte „Old Inn“ stand 1975 auch so ein Baum – Spekulationen: für wen wohl. Da stand aber auch ein „Fleischwurstautomat“ - ob da der frisch panierte Aufnehmer seinerzeit rein gehörte – eher nicht. Was da früher so in der „Eierbar“ los gewesen ist, erfuhr das erfreute Publikum auch. Und beim „Putsch“ im Anker. Von den legendären „Ankerschnittchen“ wusste Elisabeth Lechtenböhmer zu erzählen, und warum der Ankerwirt Putsch hieß, darüber klärte sie die Remagener endlich auf. Seit dem Ersten Weltkrieg war das schon so. Seitdem die Amerikaner im Anker waren, für sie war der Wirt als Metzger eben der „Butcher“. Und so wurde der „Putsch“ ins Leben gerufen. Leben herrschte auch im Cafe „Rügen“ und selbstverständlich im Hotel Fürstenberg und im Kellerloch, und, und, und. „Der Abend lebt vom Erzählen der Gäste“, sagt dann auch Oli Schmitz und freut sich über die rege Teilnahme. Dann bekam das Gedicht von Willi Becker noch viel Applaus und ganz besonders das kleine Filmchen von Achim Gottschalk. Der Profi im Digital-Geschäft hat die Brücke visuell wieder auferstehen lassen, da fährt dann ein roter Regional-Express in den Tunnel hinein – Staunen machte sich breit. Am 12. Juni lädt Oli Schmitz in den Tunnel nach Erpel ein. Am 15. September ist der nächste Jeuschelabend in der „Kulturwerkstatt“. Ein paar Tage vor dem Weinfest heißt das Thema dann: „Leben und arbeiten in Remagen“. Wen wird es wundern, wenn dann der Wein ein großes Thema des Abends wird.
AB
Die Jungmänner beim Aufstellen des Maibaumes vor dem legendären „Old Inn“ in Remagen.
Zum genauen Fokussieren der Personen diente mangels Zeigestock eben ein Regenschirm.
