15. Mendiger Mundartabend
Urgestein Irmgard Müller widmete ihren Vortrag der eigenen Großmutter
Die Prinzengarde präsentierte in der Laacher-See-Halle wieder einmal ein spektakuläres Programm
Mendig. In der Laacher See-Halle wurde am vergangenen Samstag ausschließlich Mennijer Platt gesprochen. Anlass war der 15. Mendiger Mundartabend, zu dem die Prinzengarde eingeladen hatte. Wie immer konnten die Veranstalter auch diesmal wieder viele Mendiger Freunde aktivieren, denen der Erhalt der Mendiger Mundart ganz besonders am Herzen liegt. Außerdem haben viele von ihnen die inzwischen schon traditionelle Veranstaltung mit unvergesslichen Vorträgen bereichert.
Nachdem Stefan Schneider und Tim Herrmann in ihrer Eigenschaft als Moderatoren die Besucher in der voll besetzten Halle willkommen geheißen hatten, gedachten sie gemeinsam mit allen Anwesenden der Mendiger Persönlichkeiten Emil Stahl, der am 21. Februar im Alter von 78 Jahren verstarb, und Magdalena Kasper, die am 31. August im Alter von 94 Jahren gestorben ist.
Sodann stimmte der achtjährige Tom Herrmann, der wegen einer Fußverletzung an Krücken auf die Bühne kam, gemeinsam mit Nicolas Junglas und Felix Schneider an der Hammondorgel mit dem „Heimatlied von Obermennesch“ auf einen sowohl für die Akteure als auch für die Zuschauer unvergesslichen Abend ein.
Während Walter Weiler aus Rieden das bestens aufgelegte Publikum mit kurzweiligen „Vezälchä (Geschichten) aus der Wiertschaft“ zum Schmunzeln brachte, bewies die musikalisch höchst begabte Gruppe SAMT (Sebastian Schlich, Achim Grün, Marco Weiler und Thomas Mintenig) mit ihren Liedern „Dehäm“, „Mein Mennesch“ und „Wäil me ähn Familisch säin“ ein sensibles Gespür für den heimatlichen Dialekt. Jutta Syré-Gross erinnerte mit ihrem pfiffigen Vortrag „Owe un Unnen – Jeschichte von zwei Lausebengel“ so manchen Zuhörer an die lustigen Streiche von Max und Moritz. Hans-Peter Kranz überzeugte dagegen zunächst mit den beiden Liedvorträgen „Ich versteh kein Huhdeutsch“ und „Ehrenbürger“. Als er jedoch das Lied vom „Funkemariechen“ anstimmte und Mike Jochem als tanzendes Funkemariechen von einem jungen, schüchternen Mann (Jürgen Reimann) angeschmachtet wurde, hätte die Stimmung im Saal nicht besser sein können. Nachdem dann auch noch Alexander Müller (als Elferräter) sowie Dominik Färber, Edgar Girolstein und Christian Kossmann als Prinzengardisten das „Stippeföttchentänzchen“ mit dem Funkemariechen wagten, beschloss der schüchterne Junge, sich bei der Prinzengarde zu bewerben, um seinem „Funkemariechen“ näherzukommen. Doch obwohl er am Schluss als geübter Tänzer von den Möhnen (Tim Herrmann und Joachim Groß) umgarnt wurde, träumt er weiter von seinem Funkemariechen: „Mariechen dau fähls mir su, dau fähls mir suu.“ Nachdem der nicht enden wollende Applaus des völlig aus dem Häuschen geratenen Publikums verhallt war, las Lothar Spitzley die bekannte Loriot-Geschichte vom ersten Advent vor, sprach das Vereinsgebet und hatte auch mit seiner herrlichen Geschichte vom „Honichkocheherz“ die Lacher auf seiner Seite. Gekrönt wurden die herzerfrischenden Vorträge von dem sowohl musikalisch als auch schauspielerisch höchst ambitionierten Christoph Kranz (Bariton), der mit den Liedern „De Badewann“ und „Lääwerwursch“ die Herzen des Publikums, das er nicht lange zum Mitsingen der Refrains auffordern musste, eroberte.
Ihren humorvollen Vortrag „Mein Uma“ widmete das Mennijer Urgestein Irmgard Müller der eigenen Großmutter „Witwe Anton Bous“, von der sie viel gelernt hat. Zum Beispiel, wie sie ein Einmachglas öffnete, deren Dichtungsgummi porös geworden war. „Nau kom der Uma ihr lewst Köchejerät zom Änsatz: dat of de Hausdürtrepp jeschleffene Köchemesser.“ Zum Brüllen komisch waren auch die Geschichten von dem abhanden gekommenen Gebiss der Oma, die zunächst fest davon überzeugt war, dass dieses von der Nachbarin gestohlen wurde oder von der ersten Begegnung ihrer Oma mit einem Tempotaschentuch beziehungsweise von der Reinigung der bereits benutzten Leinentaschentücher („Wenn mein Uma e Sackdoch jefunnen hat, hat se den Pott of de Herd jestalt, dot kahl Wassä un Imi drän und hat dat Sackdoch jekocht un jeröhrt, bes et bee neu aussoch“).
Mit einer Hommage an Mendig überzeugten Manuela Rheindorf und Felix Schneider gleich mit fünf Liedvorträgen. Mit ihrer bemerkenswerten Stimme intonierte sie „Hämat“, „Hei Dahäm“, „Unerm Mond von Mennesch“, „Stärne“ sowie „Ze Fooß noa Mennesch jon“ und erntete hierfür den verdienten Applaus des Publikums.
Ebenso wie das auf Mennijer Platt von Anne Kremer, Nicolas Junglas, Christian Kossmann und Alexander Müller hinreißend dargebotene Krippenspiel wurden auch die Vorträge von Gerd Bous „Roff un raaf“ und „Dat gestohlen Jesuskindche“ mit nicht enden wollendem Beifall gefeiert. Dass besonders bei seinen Vorträgen die Lachtränen kullerten, verwundert nicht – schließlich hat er die gleichen Gene wie seine Schwester Irmgard Müller und wird von den Mendigern ebenfalls für seinen knochentrockenen Humor verehrt. Als Mann der ersten Stunde war er bei jedem Mundartabend der Prinzengarde mit einem tollen Vortrag gegenwärtig.
Bevor die Prinzengarde den kurzweiligen und wieder einmal in jeder Beziehung gelungenen Abend mit dem Prinzengardelied beendete, erlebten die Zuschauer gleich zwei aus der Feder von Hans Astor stammende Vorträge, die an gezielt gesetzten Pointen absolut nichts zu wünschen übrig ließen. Zunächst gab sich der Autor Hans Astor höchstpersönlich die Ehre und berichtete von einer E-Mail, die ihm Stadtbürgermeister Hans Peter Ammel (Dutze Pitter) geschickt hatte. Anlass war die Niedermendiger Kirmes, für die der Bürgermeister gern ein „Mösche-flitschescheeßen“ (Möscheflitsche = Spatzenschleuder oder Zwille) ins Leben rufen wollte. Zunächst antwortete ihm Astor, dass man früher auf „Mösche“ nicht nur geschossen habe. „Dat woar ömmer enn Froch, be alt mer woar“. Kurz gesagt: „Während bei de kläne Pänz de Möscheflitsch henne aus der Boxetösch jebaumelt hat, hann de junge Mannsbilder ihre Möscheflitsch dezent inde Unnerbox verstoch.“ Genauer gesagt: „Troof der Panz met seiner Flitsch en Mösch, dann fel die rejungslos off de Strooß. Troof der Jüngling met seiner Flitsch en Mösch, dann fel die offjerächt en et Bett.“ Astor gibt dem Bürgermeister abschließend den Rat: „Maach ähnfach zwei Wettbewerbe: Ähnen für die klääne Pänz unn ähnen für die junge Mannsleut. Dau has esuu drei Probleme off ämohl vom Hals: De kläne Pänz hann ihre Spass, de junge Mannsleut och – unn de Fraaleut, die dürfen och äs metmaachen. Su hann se all äppes dovonn.“
Bei seinem Sketch „Jahr der Einheit“ inszenierte Astor, der als Pultredner den Mediator spielte, eine Sitzung mit Ratsherren „von Owe unn dennen von Unnen, die eigentlech watt ze son hann“, um die große Ratssitzung anlässlich der Gründung der Stadt Mendig im Jahr 1969 vorzubereiten. Mit von der Partie waren Stefan Schneider (Bürgermeister Klein aus Niedermendig), Mark Deckarm (Erster Beigeordneter Beckers aus Niedermendig), Andreas Gross (Bürgermeister Heuft Obermendig), Dirk Reutelsterz (Gemeinderat Reudelsterz) und Jörg Lempertz (Staatsbeamter des Landes Rheinland-Pfalz). Nachdem die Sitzung mit einer handfesten Keilerei endete, die Hans Astor mit den Worten „Jetzt wächst zusammen, was zusammen gehört“ kommentierte, setzten die Protagonisten den musikalischen Schlusspunkt mit „Hey lostech Mennijer Jüngelcher mir sein…“ Im Namen des aus gesundheitlichen Gründen verhinderten Ex-Kommandeurs Heinz Mittler überraschten die beiden ebenfalls ehemaligen Kommandeure Achim Grün und Edgar Girolstein an den amtierenden Kommandeur Tim Herrmann ein Fahnenband anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Prinzengarde Mendig im Jahr 2020. FRE
Als Hans-Peter Kranz das Lied vom „Funkemariechen“ anstimmte und die Prinzengardisten den musikalischen Vortrag mit zum Brüllen komischen schauspielerischen Darbietungen untermalten, hätte die Stimmung in der Laacher-See-Halle nicht besser sein können.
Gekonnt führten die beiden „Moderatoren“ Stefan Schneider und Tim Herrmann durch das Programm.
Jutta Syré-Gross erinnerte mit ihrem pfiffigen Vortrag „Owe un Unnen – Jeschichte von zwei Lausebengel“ an die lustigen Streiche von Max und Moritz.
Mit einer musikalischen Hommage an Mendig überzeugten Manuela Rheindorf und Felix Schneider.
Beim Mundartabend wurde ausschließlich Mennijer Platt gesprochen. Einer der Stars: Der achtjährige Tom Herrmann, der trotz Verletzung auf der Bühne stand.
