Vortrag zur NS-Ordensburg Vogelsang in Morenhoven
Ursachen und Folgen sachlich erklärt
Swistal-Morenhoven. Im Kreaforum in Morenhoven bot der Veranstalter mit einem Vortrag zur NS-Ordensburg Vogelsang einen spannenden Abend. Organisator Klaus Grewe musste zum Bedauern vieler der rund 50 Zuhörer mitteilen, dass für die zum Vortrag passende Exkursion trotz der Erweiterung der Kartenanzahl auf zwei Gruppen keine Kapazitäten mehr zur Verfügung stünden.
In der Eifel zwischen Rurtalsperre, Heimbach und Schleiden liegt das Gebäudeensemble der NS-Ordensburg auf einem rund 100 Hektar großem Gelände. Nicht nur die „Burg“ als architektonischer Zeitzeuge der NS-Zeit ist zu besichtigen, sondern auch manch interessantes Exponat. So dokumentiert eine der Ausstellungen den wechselvollen Werdegang des Komplexes vom Baubeginn 1934 über den Start des Lehrbetriebs 1936 bis zur, durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges bedingten, einstweiligen Einstellung des Lehrbetriebs 1939. 1942 schon wurden die Gebäude wieder genutzt, dieses Mal als „Adolf-Hitler-Schule“, bis sie 1945 zuerst von der US-Armee, 1950 dann vom belgischen Militär als Truppenübungsplatz übernommen wurden. Erst im Jahr 2006 wurde Vogelsang für Besucher geöffnet. In der Folge gründete sich eine gemeinnützige GmbH, 2012 eröffnete ein Kulturkino, und im letzten Jahr öffnete das neue Forum mit der NS-Dokumentation und dem Nationalpark-Zentrum Eifel seine Tore. Darüber konnte sich der interessierte Besucher bereits durch das ausliegende Infoheft vor Beginn der Veranstaltung informieren.
Wer mit dem Thema bisher wenig Berührung hatte, hatte beim Kauf der Karten gleich die Gelegenheit, sich mit Hilfe zweier Buchansichtsexemplare aus dem Forschungszentrum Vogelsang ein konkreteres Bild zu machen. Während der Titel „Die NS-Ordensburg Vogelsang“ noch recht neutral klingt, schreckten die Lettern „Bestimmung: Herrenmensch – zwischen Faszination und Verbrechen“ den einen oder anderen im ersten Moment ab. Dies wurde durch den Vortrag von Stefan Wunsch in ein neutraleres Licht gerückt.
Zu Beginn erklärte der wissenschaftliche Leiter des Forschungsprojekts, dass man die Geschichte der Ordensburg und die Geschichten, die sich dort zugetragen haben, nicht glorifizieren wolle, aber dass man auch nicht mit Schrecken wegsehen wolle. Es soll gezielt dargestellt werden, wie und warum die NS-Ordensburgen Menschen hervorbrachten, die zum Teil abscheuliche Verbrechen begingen. Zu diesem Zweck zeigte er ein Bild mit jungen Uniformierten und stellte zusammen mit einigen Stimmen aus dem Publikum fest: „Dort sieht man ganz normale junge Männer, die eine gute Zeit haben.“ Wunsch räumte gleich eingangs mit der Frage auf: „Was hätte ich damals getan, wenn ich an der Stelle dieser Männer gewesen wäre?“ Diese Frage könne heutzutage niemand für sich beantworten, weil er nicht dabei gewesen sei und die Lebenswirklichkeit der Menschen zu dieser Zeit nicht geteilt habe.
Drill und Ideologie
Wer sich das damalige Programm dieser Lehreinrichtung ansieht, dem erschließt sich schnell, wie die späteren Taten der Zöglinge möglich wurden. Sport und militärischer Drill war die eine Seite der Ausbildung, ideologische Prägung durch Vortragsreihen, „Rassenlehre“, Riten und pathetische Feiern die andere Seite. Dass die jungen Männer damals auf diese Weise beinahe zwangsläufig in die Richtung ihrer späteren Taten erzogen wurden, war vor allem durch den Mangel an anderweitiger Information möglich. Wissenschaftlich und sensibel ist es Stefan Wunsch in seinem Vortrag gelungen, das schwierige Thema an die Zuhörer zu bringen.
Wer sich nach dem gelungenen Vortragsabend in der Krea Morenhoven die Burg und die Dokumentation selbst ansehen möchte, findet unter www.vogelsang-ip.de weitere Informationen. Die weiteren Vorträge oder Kabarettabende der Krea Morenhoven sind unter www.kreaforum.de einzusehen. Hier findet man auch Näheres zum anstehenden Abend mit dem Altmeister des Kabaretts, Werner Schneyder.
Buchansichtsexemplare lieferten zusätzlich Informationen.
Der wissenschaftliche Leiter des Projekts, Stefan Wunsch, vermittelte das Thema erfreulich sachlich.
