Historische Exkursion der Volkshochschule MeckenheimRheinbachSwisttal
VHS-Fahrt auf den Spuren der Ardennenoffensive im Winter 1944 - 45
Rheinbach. Auf Spurensuche führte eine historische Exkursion der Volkshochschule MeckenheimRheinbachSwisttal mit Wachtberg in das im Dezember 1944 heftig umkämpfte Waldgebiet der Ardennen. Dort waren bei der letzten großen Offensive von deutschen Truppen vor dem völligen Zusammenbruch in wenigen Wochen etwa 65.000 amerikanische und 90.000 deutsche Soldaten sowie viele Zivilisten getötet worden - bei den erbitterten Kämpfen, aber auch bei Kriegsverbrechen durch SS-Verbände.
Von Rheinbach aus ging es unter der sachkundigen Leitung des pensionierten Stabshauptmanns Peter Baus zunächst vorbei an der Trümmer-Bunkerlandschaft rund um das Forsthaus Hülloch. Von dort waren die deutschen Truppen schon zu Beginn des Frankreichfeldzuges (1940) organisiert worden - in 4 km Entfernung lag im Bad Münstereifeler Stadtteil Rodert Hitlers damaliges Führerhauptquartier „Felsennest“ -, und von hier aus wurde auch die Ardennenoffensive geleitet.
Malmedy-Massaker
Den hoch gelegenen mittelalterlichen Eifelort Kronenburg, eigentlicher Ausgangspunkt für die so genannte Kampfgruppe Peiper, einem SS-Panzerregiment, das sich nach stundenlangem heftigem Artilleriefeuer am Nachmittag des 16. Dezembers in Richtung Belgien in Bewegung setzte, erlebte die VHS-Gruppe noch im Morgennebel. Weiter führte die Fahrt auf den Spuren der mit schweren Panzern ausgestatteten Truppe als Teil der am rechten Flügel eingesetzten deutschen 6. SS-Panzerarmee über endlose, schmale Wege, die 1944 überwiegend Feldwege waren. Unterlegt mit zahlreichen historischen Erläuterungen, vermittelte die Exkursion einen Eindruck von den Umständen, unter denen die rund 200.000, zum Teil aus der zerfallenden Ostfront herausgelösten deutschen Soldaten auf Hitlers Befehl in die Schlacht geworfen wurden. Das von den Generälen für unrealistisch gehaltene militärische Ziel sollte die Trennung der britischen und amerikanischen Truppen sowie die Inbesitznahme von Antwerpen sein. Politisch sah Hitler die Chance auf einen Waffenstillstand mit den Alliierten, der es ihm ermöglichen sollte, an der Ostfront die Sowjetunion zu stoppen.
Über Losheimer Graben gelangte die VHS-Exkursion zur deutsch-belgischen Grenze, dann über Büllingen nach Baugnez. Zahlreiche Gedenksteine erinnern auf diesem Weg an die Ereignisse im Dezember 1944, unter denen die Erschießung von mehr als 80 kriegsgefangenen US-Soldaten bei Baugnez am 17. Dezember 1944 durch Angehörige der 1. SS-Panzerdivision, Leibstandarte Adolf Hitler, zu den unmenschlichsten (Malmedy-Massaker) gehört. Nach einem Totengedenken, das Peter Baus für die VHS-Gruppe an der würdigen US-Gedenkstätte sprach, besuchten die Teilnehmer das sehenswerte neue Museum „December 1944“, das auf der Mordwiese errichtet wurde.
„Erinnern für die Zukunft“
Weiter ging es bei schönstem Touristenwetter über die für ihre mittelalterliche Klosteranlage berühmte wallonische Kleinstadt Stavelot auf einer schwierigen, zum Teil serpentinenartigen Berg- und Talstrecke zum Fluss Amblève und ab Trois Ponts entlang der Amel bis zum hoch gelegenen Ort La Gleize. Dort erinnert ein 69-Tonnen Tigerpanzer vor einem weiteren eindrucksvollen „December 1944-Museum“ daran, dass der Vormarsch der Gruppe Peiper und letztlich die ganze Offensive am 20.12.1944 am Wetter und der erbitterten sowie militärisch überlegenen Kampfführung der Amerikaner scheiterte.
In La Gleize kam es im Übrigen zu weiteren Kriegsverbrechen an der Zivilbevölkerung, die - so Peter Baus - „heute von den Menschen hier vergeben, aber nicht vergessen sind“. Sehr nachdenklich gestaltete sich dann die Rückfahrt der VHS-Gruppe, nachdem sich an den Wasserfällen von Coo noch einmal die Schönheit der Landschaft zeigte, deren Menschen vor 70 Jahren Entsetzliches erleben mussten.
Peiper wurde, wie der Reiseleiter ausführte, nach dem Krieg von der US-Justiz zum Tode verurteilt, die Todesstrafe dann in „lebenslänglich“ umgewandelt. Mitte der 1950er Jahre kam er frei, ging später nach Frankreich, wo er in den 1970er Jahren unter ungeklärten Umständen ums Leben kam. An die Toten der Ardennenoffensive, von denen etliche in den Rheinbacher Lazaretten ihren Verwundungen erlegen waren, wie an alle Toten der Weltkriege wird regelmäßig an den hiesigen Gedenkstätten erinnert. Die Volkshochschule beabsichtigt, ihre historische Bildungs- und Erinnerungsarbeit im kommenden Jahr mit einer Exkursion zur Brücke von Remagen sowie nach Flandern fortzusetzen.
