Allgemeine Berichte | 21.01.2020

Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus am 27. Januar

Veranstaltungen

Eheleute Dr. Isidor und Erna Treidel mit ihrer geretteten Tochter Helga. Die Eltern wurden von Koblenz aus ins KZ Theresienstadt deportiert und von dort in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt Foto: Förderverein Mahnmal Koblenz

Koblenz. Vor 25 Jahren, 1995, hat der damalige Bundespräsident Roman Herzog den 27. Januar zum Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus erklärt. Seit 15 Jahren, seit 2005, ist dieser Tag aufgrund einer Resolution der Vereinten Nationen der internationale Gedenktag an die Opfer des Holocaust. Am 27. Januar 1945, also jetzt vor 75 Jahren, wurde das KZ Auschwitz befreit. Die Befreiung war vergleichsweise unspektakulär. An jenem Nachmittag betraten Soldaten der Roten Armee Auschwitz. Die Lager waren von den SS-Wachmannschaften verlassen. In Auschwitz-Birkenau (Auschwitz II) fand die Rote Armee die Leichen von 600 Gefangenen, die Stunden zuvor noch getötet worden waren. 7.650 kranke und erschöpfte Häftlinge wurden fürs erste gerettet.

Auschwitz ist der größte Friedhof in der Geschichte der Menschheit. Seriöse Schätzungen gehen davon aus, dass ca. 1,1 Millionen Menschen, vor allem Juden aus ganz Europa, dort „umkamen“. Über diese historischen Ereignisse hinaus, die sich jetzt zum 75. Mal jähren, ist „Auschwitz“ aber noch etwas anderes: Auschwitz ist im nationalen und auch internationalen Sprachgebrauch das Synonym für Unmenschlichkeit, Völkermord, Rassenwahn und Intoleranz.

Heute ist der 27. Januar ein „DenkTag“: Ein Tag zum Gedenken und Nachdenken über die Vergangenheit für die Orientierung in der Zukunft. Die beste „Immunisierung gegen neue Ansteckungsgefahren“ (Bundespräsident Richard von Weizsäcker) sind und bleiben die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus und die aktive Auseinandersetzung mit diesem dunkelsten Kapitel unserer Geschichte.

Das geschieht in diesem Jahr wieder bundesweit, auch in Rheinland-Pfalz und auch bei uns in Koblenz. Hier in Koblenz gedenken wir der Befreiung des KZ Auschwitz vor 75 Jahren und der Opfer des Holocaust. Das beginnt mit der Eröffnung der Ausstellung „Im Schatten von Auschwitz“. Diese Wanderausstellung der Bundeszentrale für politische Bildung und des Fotografen Mark Mühlhaus ist das fotografische Ergebnis einer Spurensuche an neun hier wenig unbekannten Orten – in Polen, Belarus und der Ukraine. Dort wurden Zehntausende und Hunderthausende Menschen umgebracht: Einheimische, vor allem Juden, russische Kriegsgefangene, aber auch Juden aus dem Deutschen Reich.

In Ergänzung dazu zeigt der Förderverein Mahnmal Koblenz Biografien von Menschen jüdischer Herkunft aus Koblenz und Umgebung, die an diesen Orten bzw. im Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau umgebracht wurden.

Die Ausstellung wird am Donnerstag, 23. Januar um 19 Uhr in der Citykirche am Jesuitenplatz vom Vorsitzenden des Fördervereins Dr. Jürgen Schumacher und mit einer Einführung des stellvertretenden Vorsitzenden Joachim Hennig eröffnet. Sie ist dort bis zum 17. Februar zu sehen.

Am Sonntag, 26. Januar referiert der Berliner Historiker Dr. Andrej Angrick über die Beseitigung der Spuren, die diese NS-Massenverbrechen an den Stätten der Vernichtung hinterlassen hatten. Diese „Aktion 1005“ wurde Anfang 1942 mit dem Auftrag begonnen, sämtliche Spuren der NS-Vernichtungspolitik im deutsch besetzten Europa restlos zu beseitigen. Der Vortrag von Dr. Andrej Angrick findet statt am Sonntag, 26. Januar um 11 Uhr im Historischen Rathaussaal am Jesuitenplatz.

Die Veranstaltungen am 27. Januar, dem Gedenktag selbst, beginnen um 17.30 Uhr mit der Statio am Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus auf dem Reichensperger Platz. Nach einer kurzen Einstimmung durch Schülerinnen und Schüler der Hans Zulliger-Schule wird Kulturdezernentin PD Dr. Margit Theis-Scholz die Namen von zwölf Juden aus Koblenz und Umgebung verlesen, der an diesem Tag besonders gedacht wird. Zugleich werden die Biografien von ihnen mit einer Rose am Mahnmal angebracht. Während dieser Zeit – und davor und danach – wird das Mahnmal wie viele andere Gedenkstätten bundesweit mit einem „Beleuchtungs-Flashmob“ angestrahlt.

Anschließend, gegen 18 Uhr, findet die Gedenkstunde mit christlich-jüdischem Gebet in der Citykirche statt. Es sprechen Frau Dr. Theis-Scholz und der Vorsitzende des Fördervereins Mahnmal Koblenz Dr. Jürgen Schumacher. Schülerinnen und Schüler des Bischöflichen Cusanus-Gymnasiums regen mit einer Sprechmotette zum Nachdenken und Erinnern an.

Alle Interessierte sind eingeladen. Der Eintritt zu allen Veranstaltungen ist frei. Näheres unter: www.mahnmalkoblenz.de. Pressemitteilung

Fördervereins Mahnmal

für die Opfer des

Nationalsozialismus in Koblenz e.V.

Eheleute Dr. Isidor und Erna Treidel mit ihrer geretteten Tochter Helga. Die Eltern wurden von Koblenz aus ins KZ Theresienstadt deportiert und von dort in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verschleppt Foto: Förderverein Mahnmal Koblenz

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