Die Polizeidirektion Neuwied informiert
Verkehrsunfallbilanz 2016
Gesamtzahl der Verkehrsunfälle in der Fläche nochmals angestiegen und damit erstmals in diesem Jahrtausend über 10.000!
Neuwied. Im Jahr 2016 ereigneten sich im Zuständigkeitsbereich der Polizeidirektion Neuwied, der die Landkreise Neuwied und Altenkirchen umfasst, insgesamt 10.046 Verkehrsunfälle. Damit ist die Gesamtzahl gegenüber dem Vorjahr nochmals um 161 Verkehrsunfälle angestiegen und erreicht erstmals in diesem Jahrtausend einen Wert über 10.000. Dieser ergibt sich größtenteils durch starke Anstiege im Bereich der Polizeiinspektion Neuwied (+ 131/4,8 Prozent) und der Polizeiwache Wissen (+ 62/12,3 Prozent), ergänzt durch geringe Steigerungen in den Bereichen Linz und Betzdorf. Einzig die Polizeiinspektion Straßenhaus kann einen leichten Rückgang der Unfallzahlen vermelden (- 79/3,7 Prozent).
Verkehrsunfälle mit Personenschäden: Die Verkehrsunfälle mit Personenschaden sind im Vergleich zum Vorjahr um 31 Unfälle beziehungsweise 2,7 Prozent auf 1.113 Unfälle zurückgegangen. Dies entspricht einem Anteil von 11,1 Prozent aller Unfälle und einem anteilsmäßigen Rückgang von 0,5 Prozent im Jahr 2016. 13 Menschen verloren bei Verkehrsunfällen ihr Leben, im Vorjahr acht; 268 Personen wurden schwer, im Vorjahr 280 und 1.196, im Vorjahr 1.209, leicht verletzt. Damit hat sich die Zahl der Verletzten um 20 Personen beziehungsweise 1,3 Prozent von 1.497 auf 1.477 trotz deutlich gestiegener Gesamtunfallzahl abermals leicht reduziert!
Verkehrsunfälle mit unerlaubtem Entfernen von der Unfallstelle: Die Zahl der Verkehrsunfälle mit unerlaubtem Entfernen vom Unfallort stieg um 114 auf 1.961 Unfälle an und liegt damit auf dem Höchststand der vergangenen fünf Jahre. Sie entspricht einem Anteil von 19,5 Prozent aller Verkehrsunfälle, mit anderen Worten: fast jeder fünfte Unfallbeteiligte entfernt sich unerlaubt vom Unfallort! Dem steht eine um 1,9 Prozent gestiegene Aufklärungsquote von 42,7 Prozent gegenüber, was 838 ermittelten Unfallflüchtigen entspricht. In diesem Bereich ist die Polizei bei ihren Ermittlungen regelmäßig auf Zeugenhinweise aus der Bevölkerung – insbesondere bei sogenannten Bagatellunfällen beim Ein- und Ausparken mit oftmals geringen Anhaltspunkten zur Täterermittlung – angewiesen.
Risikogruppen
Verkehrsunfälle mit Kinderbeteiligung: Im Berichtszeitraum ereigneten sich 116 Verkehrsunfälle mit Kinderbeteiligung bis 14 Jahre, damit ist ein Anstieg um elf Fälle im Vergleich zum Vorjahr zu konstatieren. Tödliche Unfallfolgen für Kinder waren nicht zu verzeichnen, 17 Kinder wurden schwer (+ drei) und 97 leicht verletzt (+ drei). Somit ist die Gesamtzahl der verletzten Kinder im Vergleich zum Vorjahr um fünf auf 114 gestiegen.
Was die Art der Verkehrsbeteiligung betrifft, waren mehr als die Hälfte - 51,8 Prozent - der verunglückten Kinder passiv, das heißt, als Mitfahrer in Fahrzeugen, an Verkehrsunfällen beteiligt und hatten damit keine Möglichkeit, sich dem Unfallgeschehen zu entziehen. Hier sind daher weitere Anstrengungen der Polizei im Hinblick auf die Kontrolle der Insassensicherung durch die Eltern erforderlich!
Die Kinder selbst werden dank intensiver Verkehrssicherheitsarbeit der Polizei in Schulen und Kindergärten gut für die Teilnahme am Straßenverkehr geschult und für Gefahren sensibilisiert. Dies erklärt auch die seit Jahren kontinuierlich sehr niedrige Anzahl der Kinderunfälle mit Personenschaden, die sich auf dem Schulweg ereignen. So kam es 2016 zu insgesamt nur drei Schulwegunfällen mit Verletzten, wobei fünf Kinder leicht verletzt wurden. Hierbei waren die Kinder, alle im Alter von sechs bis neun Jahren, wiederum in drei Fällen als Mitfahrer in einem Fahrzeug unterwegs, nur in einem Fall als Fußgänger und in einem weiteren Fall mit einem Tretroller.
Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Senioren - ab 65 Jahre: Im Jahr 2016 ereigneten sich 2.055 Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Senioren, nochmals 218 Unfälle mehr als im Vorjahr; eine Steigerung von 11.9 Prozent. Damit werden in dieser Risikogruppe seit Aufnahme in die Betrachtung stetig steigende Unfallzahlen registriert.
In Folge dieser Unfälle kamen 2016 zwei Personen über 65 Jahre zu Tode (- eins), 56 Senioren wurden schwer (+ zwölf) und 107 leicht verletzt, womit der ursprüngliche Höchstwert von 2014 mit 161 Personenschäden nochmals leicht auf 165 Personenschäden gestiegen ist. Insgesamt sind Senioren an 20,4 Prozent (+ 1,8) aller Verkehrsunfälle im Bereich der Polizeidirektion Neuwied beteiligt und im Falle ihrer Beteiligung zu 62,4 Prozent Hauptunfallverursacher.
Verkehrsunfälle unter Beteiligung junger Fahrer - 15 bis 24 Jahre alt: Im Jahr 2016 waren an insgesamt 2.651 (+ 112) Verkehrsunfällen Verkehrsteilnehmer im Alter von 15 bis 24 Jahren beteiligt, das entspricht einem Anteil von 26,4 Prozent aller Unfälle, bei nur rund 11,7 Prozent Bevölkerungsanteil. Dabei handelt es sich in 444 (- drei) Fällen um Unfälle mit Personenschaden, von denen die jungen Fahrer in 310 Fällen – also in etwa 70 Prozent der Fälle – die Hauptunfallverursacher waren! Die Gesamtzahl der Verletzten liegt damit leicht unter dem Fünf-Jahres-Mittelwert.
Verkehrsunfälle mit Personenschaden unter Beteiligung von motorisierten Zweiradfahrern: Im Jahr 2016 ereigneten sich insgesamt 302 Verkehrsunfälle unter Beteiligung motorisierter Zweiradfahrer, wovon es sich bei fast zwei Dritteln - 66 Prozent - der Fälle, 192 Unfälle um Personenschadensunfälle handelte. Damit ist sowohl hinsichtlich der Gesamtunfallzahl (- 54) als auch hinsichtlich der Personenschadensunfälle (- 43) ein erheblicher Rückgang gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Mit 199 (- 36) verletzten Zweiradfahrern ist die Verletztenzahl ebenso deutlich gesunken.
Allerdings ist – wie bereits in den Jahren zuvor – weiterhin signifikant, dass die motorisierten Zweiradfahrer in der überwiegenden Zahl der Unfälle, 179 Unfälle, also knapp 60 Prozent, die Hauptunfallverursacher waren; 37,5 Prozent der Zweiradunfälle mit Verletzten - 72 von 192 - sogenannte „Alleinunfälle“ sind, das heißt ohne Einwirkung weiterer Unfallbeteiligter passieren und dass nicht angepasste Geschwindigkeit die weit überwiegende Unfallursache ist.
Unfallursachen
Alkoholunfälle: Die Anzahl der Alkoholunfälle beläuft sich im Jahr 2016 auf 134. Bei 50 dieser 134 Unfälle kam es zu Personenschäden, dabei wurden drei Personen tödlich verletzt, 16 Personen schwer verletzt und 37 Personen leicht verletzt (- acht). Es bleibt somit festzustellen, dass der Anteil der Personenschäden bei Alkoholunfällen mit rund 37 Prozent im Vergleich zum Anteil der Personenschadensunfälle in Bezug auf die Gesamtunfallzahl, der bei 11,1 Prozent liegt, mehr als dreimal so hoch ist!
Im Rahmen anlassbezogener Kontrollmaßnahmen wurden zusätzlich 200 Straf- (- 23) und 65 Ordnungswidrigkeitenanzeigen (- 40) wegen des Fahrens unter Alkoholeinfluss - ohne Unfallzusammenhang - erstattet. Eine Ordnungswidrigkeit liegt hier im Bereich von 0,5 bis 1,09 Promille ohne Ausfallerscheinungen vor, ab 1,1 Promille sowie bei einer Alkoholisierung unter Hinzutreten von Ausfallerscheinungen liegt grundsätzlich der Verdacht des Straftatbestandes der Trunkenheit im Verkehr vor.
Drogenunfälle: Die Zahl der Verkehrsunfälle unter Drogeneinfluss hat sich im Vergleich zum Vorjahr von 28 auf 22 nochmals reduziert. Auch die Zahl der Verletzten hat sich von zuletzt noch neun auf nur noch sieben Verletzte in 2016 abermals leicht verringert, wobei niemand tödlich verletzt wurde, zwei Personen schwer (- zwei) und fünf Personen leicht verletzt wurden.
Im Rahmen anlassbezogener Kontrollmaßnahmen wurden zusätzlich 178 Anzeigen (- 38) wegen des Fahrens unter Drogeneinfluss ohne Unfallzusammenhang – also Fälle, in denen die Polizei verkehrsuntüchtige Fahrer stoppen konnte, bevor es zum Unfall kam – erstattet.
Geschwindigkeit und weitere Hauptunfallursachen: Bei den Hauptunfallursachen – so wie sie bei der Unfallaufnahme vor Ort erkennbar ermittelt werden können – liegt der unzureichende Sicherheitsabstand mit einem Anteil von 25,7 Prozent an erster Stelle, dicht gefolgt von fehlerhaftem Verhalten beim Wenden und Rückwärtsfahren mit 22,4 Prozent. Diese Ursachen dürften überwiegend für die vielen leichten Blechschäden verantwortlich zeichnen.
An dritter Stelle der Hauptunfallursachen folgt allerdings bereits die überhöhte beziehungsweise nicht angepasste Geschwindigkeit mit einem Anteil von elf Prozent und den zumeist aus diesen Unfällen resultierenden, schweren Unfallfolgen! So sind zehn der 13 tödlich Verletzten und 93 der 268 Schwerverletzten auf Unfälle durch Geschwindigkeitsfehlverhalten zurückzuführen. Die Anzahl der Geschwindigkeitsunfälle stieg von 1.067 um sieben Unfälle auf 1.074 Unfälle. Damit liegt die Zahl dieser Unfälle nach einem Tiefststand im Jahr 2014 für das vergangene Jahr deutlich über dem Mittel der vergangenen fünf Jahre mit 1.051 Geschwindigkeitsunfällen. Angesichts der gravierenden Unfallfolgen sind anlassbezogene Geschwindigkeitsüberwachungsmaßnahmen zu allen Tages- und Nachtzeiten – insbesondere außerorts, wo sich über 70 Prozent dieser schweren Personenschadensunfälle ereignen – weiterhin fest in der polizeilichen Verkehrssicherheitsarbeit verankert!
Maßnahmen: Die Verkehrssicherheitsarbeit der Polizeidirektion Neuwied ist nach wie vor auf zwei Säulen aufgebaut. Zum einen werden weiterhin Aufklärungs-, Schulungs- und Präventionsmaßnahmen für besonders gefährdete Zielgruppen - „junge Fahrer“, Zweiradfahrer - sowie sogenannte „verkehrsschwache Personen“ wie Kinder und Senioren durchgeführt. Hierzu zählen seit 2015 auch speziell auf Zuwanderer zugeschnittene Beschulungsmaßnahmen wie beispielsweise ein Fahrrad-Training, in welchem das Verkehrsverhalten mit Fahrrädern vermittelt wird.
Zum anderen wird natürlich auch die Überwachung der Hauptursachen für schwere Personenschadensunfälle – Geschwindigkeit und Fahruntüchtigkeit – orientiert an den unfallbelasteten Örtlichkeiten und zu unfallrelevanten Zeiten fortgeführt.
So wurden im Jahr 2016 im Bereich der Polizeidirektion Neuwied rund 1.180 Stunden in Radarkontrollen investiert. Dabei wurden an 213 Kontrollstellen insgesamt 191.629 Fahrzeuge gemessen, von denen 22.427 beanstandet wurden. Dies entspricht einer Beanstandungsquote von etwa 11,7 Prozent. Der Großteil der Fahrzeugführer - 20.064 - kam mit einer gebührenpflichtigen Verwarnung davon, gegen 2.193 Personen wurde ein Bußgeldverfahren eingeleitet und 170 Verkehrsteilnehmer wurden mit einem Fahrverbot belegt. Zusätzlich wurden 335 Stunden Lasermessungen – vielfach nach entsprechenden Bürgereingaben – durchgeführt, wobei nochmals 1.017 Verkehrsteilnehmer wegen Geschwindigkeitsverstößen beanstandet wurden. Insgesamt wurden so über 1.500 Stunden Geschwindigkeitsüberwachungsmaßnahmen durchgeführt. Pressemitteilung der
Polizeidirektion Neuwied
