Die Säkularisation im Rheinland
Verlust und Privatisierung des Religiösen
Spannender Vortrag beim Verein Zehnthaus e.V.
Swisttal-Odendorf. Die Aufhebung kirchlicher Institutionen und die Enteignung von Kirchengut während der napoleonischen Säkularisation prägt die Geschichte des Rheinlands bis auf den heutigen Tag. Mit dieser grundlegenden These begann Dr. Norbert Kühn, der langjährige Leiter des Fachbereichs Kultur des Landschaftsverbandes Rheinland, am 9. Oktober seinen Vortrag im Odendorfer Zehnthaus.
Die Säkularisation, hob er hervor, war demnach nicht nur Endpunkt des Alten Reichs, sondern gleichzeitig auch Aufbruch in etwas Neues und Ungewisses. Zunächst ging mit ihr aber die Zerstörung geistiger, geistlicher und wirtschaftlicher Gefüge einher. Das Zerschneiden jahrhundertealter Entwicklungslinien bedeutete in erster Linie Verlust, vor allem auch für die einfachen Menschen. Denn neben ihren geistlichen Aufgaben hatten die Klöster, wie Kühn anschaulich verdeutlichte, mit ihrer Arbeit in Land- und Forstwirtschaft und ebenso in Wissenschaft, Bildung, Schulwesen und Kunst Enormes für die Gesellschaft geleistet.
Säkularisationen habe es, so der Referent, im Laufe der Geschichte wiederholt gegeben, auch im Mittelalter, während der Reformation und im Dreißigjährigen Krieg. Aus der staatlichen Aneignung von Kirchengut in der napoleonischen Zeit habe sich allerdings ein Prozess der staatlichen Zurückdrängung und Privatisierung des Religiösen entwickelt, der bis in unsere Zeit wirke und dessen Folgen in vielfacher Weise auch heute erkennbar seien. Er verwies einerseits auf aktuelle Forderungen, der Staat solle sich konkret in innerkirchliche Fragen einmischen, und andererseits auf die Auffassung, die Kirche möge doch als soziale Institution dort einspringen, wo der Staat Leistungen nicht mehr erbringen kann oder will. Vor diesem Hintergrund werfe die napoleonische Enteignung, auch heute eine Vielzahl lohnender Fragestellungen auf.
In der angeregten Diskussion ging Norbert Kühn auf alle Punkte des sehr interessierten Publikums ausführlich und kenntnisreich ein.
Pressemitteilung
Verein Zehnthaus e.V.
