Allgemeine Berichte | 12.09.2016

Veteranentreffen in Rengsdorf

Viel PS, viel Hubraum und glänzender Lack

Rockfreunde bieten bei zweitägiger Veranstaltung auch viel Rahmenprogramm, diesmal die Holzwirtschaft

Viel PS, viel Hubraum und glänzender Lack

Rengsdorf. Jörg Etzkorn und seine Frau Marion aus Löv an der Mosel sind mit ihren beiden Treckern Eicher Tiger II und Hund Jack nach Rengsdorf gekommen. Die beiden Zugmaschinen sind genau identisch. 1964 wurden sie gebaut. Jörg Etzkorn hat beide Fahrzeuge selbst restauriert. Von Beruf her kann er das nicht, er ist Fleischermeister. Die Motoren lässt er von Fachleuten aufarbeiten, davon versteht er zu wenig. Aber alle anderen Arbeiten führt er selbst aus, auch die Lackierungen. Abweichend vom Originalzustand ist jetzt einer der Traktoren mit einer Anhängerkupplung ausgestattet. Denn Rottweiler Jack soll ja nicht unbequem auf dem Beifahrersitz des Treckers mitfahren, sondern ihm wurde ein eigener Anhänger gebaut, in dem er komfortabel mitfährt. Der Anhänger ist klimatisiert, sodass dem Hund darin nie zu warm wird. Aber Herrchen Jörg lässt sowieso immer das Fenster offen, damit Jack beim Dahintuckern die schöne Landschaft genießen kann. Die Etzkorns kommen schon seit 14 Jahren zum Trecker- und Veteranentreffen nach Rengsdorf. Auch sonst besuchen sie viele Veranstaltungen mit den beiden Eicher. „Dieses Jahr sind wir nur wenig gefahren“, resümiert Jörg Etzkorn, „nur 2.000 Kilometer, vielleicht zweieinhalb. Sonst fahren wir so vier- bis fünftausend Kilometer auf Traktortreffen.“ Das Ehepaar fährt in der Regel vor- und nachmittags jeweils drei Stunden, dann werden Pausen gemacht oder übernachtet. Für die längsten Strecken sind sie dann drei Tage unterwegs. Einen Eicher Wotan I, Baujahr 1972, mit 80 PS fährt Bernd Simons aus Urbar. Werner Schwab und Iris Fuhrmann aus Rübenach sind ebenfalls mit einem Eicher gekommen. Zusammen mit den Etzkorns übernachten die vier auf dem Gelände des Veteranentreffens, dem Waldfestplatz in Rengsdorf. Geschlafen wird im mitgebrachten Wohnwagen. Ihr Eicher 30/72 ist noch in der Landwirtschaft voll im Einsatz für alle Feldarbeiten im Ackerbau. Sie alle loben an der Veranstaltung in Rengsdorf: „Es ist ein schönes kleines, feines familiäres Treffen.“ Volker Werner aus Bonefeld und Constanze Wehinger stehen vor ihrem Porsche 928 und werden von Schaulustigen umringt. Der zu seiner Zeit luxuriöse Sportwagen, Baujahr 1979, war schon zu seiner Zeit etwas ganz Besonderes. Heute ist er noch besonderer. Der Wagen hat 241 Pferdestärken und bezieht seine Kraft aus acht Zylindern. Volker Werner: „Das ist ein Wagen aus der ersten Baureihe. Ich besitze ihn seit zwei Jahren. Ich habe schon viel restauriert, aber es ist immer etwas daran zu machen. Im nächsten Winter wird der Motor gemacht.“ Den aktuellen Wert des Wagens schätzt Volker Werner auf 15.000 Euro. In dem Fall war der Kauf keine Wertanlage. Der Neupreis des Wagens vor über 30 Jahren lag bei 50.000 D-Mark. Aber ums Geld geht es dem Oldtimerfahrer dabei gar nicht. Die Frage, ob es Spaß macht den Wagen zu fahren, beantwortet er mit: „Sehr viel!“ Das Besondere an dem Wagen? „Der V-8-Motor! Der Hubraum, die Drehzahl und der Klang - das ist einfach genial!“ Jens Neumann aus Köln hat ebenfalls ein ganz besonderes Fahrzeug mitgebracht. Er fährt einen seltenen Morgan Tree-Wheeler. Das ist ein dreirädriger englischer Sportwagen mit wenig Gewicht (500 Kilogramm) und dafür viel PS (82). In fünf Sekunden beschleunigt der offene Wagen von Null auf 100 km/h. Originär wurden diese kleinen Raketen von 1910 bis 1960 gebaut, Jens Neumann fährt eine Replika, Baujahr 2014. Der Wagen hat einen prominenten Vorbesitzer, den TV-Koch und Fernseh-Promi („Bares für Rares“) Horst Lichter. Der Morgan hat einen Marktwert von 40.000 Euro. Allerdings werden diese Wagen auf dem freien Markt so gut wie nicht gehandelt. Neumann: „In Deutschland ist so gut wie keinermehr zu kriegen, gebraucht schon gar nicht.“ In Köln hat ihm einmal ein Mann aus dem Rotlichtmilleu 50.000 Euro für seinen Morgan geboten. Neumann hat abgelehnt. Die Fahrt von Köln nach Rengsdorf beschreibt Neumann als toll: „Schön die Rheinpromendade entlang, das war schön zu fahren!“ Julian Jösch aus Weitersburg kam mit einem Lanz Bulldog auf den Waldfestplatz gefahren. Der sehr gut restaurierte Traktor, eine Verkehrsmaschine, ist Baujahr 1935, hat 35 PS und 10,3 Liter Hubraum. Der Einzylinder-Motor mit liegendem Kolben verleiht dem Gefährt ein sehr spezielles Aussehen. Zusätzlich haben ihm seine Besitzer ein Stoffdach, ähnlich dem eines Cabrios, aufgesetzt. Auch das Fahren mit dieser Maschine ist außergewöhnlich, sagt Julian Jösch: „Die Lenkung geht wesentlich schwerer und das Schalten auch. Die Kupplung hat eine große Riemenscheibe, auf der sitzt eine Bremse, die muss man mit dem Kupplungspedal abbremsen, sodass die Zahnräder ineinandergreifen. Sonst kracht es nur, wenn man schalten will.“ Angeboten wird dieses schöne Trecker- und Veteranentreffen von den Rockfreunden Rengsdorf. Deren Vorsitzender ist Christoph Krämer. Mit den Erlösen aus dem Oldi-Treffen finanziert der Verein sein jährliches Rockfestival. 45 Rockfreunde sind Mitglieder des Vereins, beim Festival können die Rengsdorfer „Rocker“ aber auf deutlich mehr Helfer zurückgreifen, sonst wäre eine solche Großveranstaltung gar nicht zu stemmen. Es war jetzt das 19. Treckertreffen in Rengsdorf. Früher hat es der Förderverein ausgerichtet, vor zwei Jahren haben die Rockfreunde die Durchführung übernommen. Am Essens- und Getränkeangebot wird bei keiner der Veranstaltungen gespart. Vor einiger Zeit hat sich der Verein einen Imbisswagen gebaut. Es gibt einen Spießbratengrill, Erbsensuppe aus der Gulaschkanone und - eine Neuheit 2016 - Elsässer Flammkuchen für die Oldtimerfahrer. Auch sonst lassen sich die Rockfreunde für dieses Treffen immer wieder etwas einfallen. Christoph Krämer: „Es gibt sehr viele Treckertreffen. Das führt zu einem Rückgang der Besucherzahlen. Deshalb haben wir gesagt, wir konzentrieren uns zusätzlich auch auf den Holz- und Forstbereich als Zusatz. Wir zeigen in diesem Jahr hier spezielle Seiltechniken für die Arbeit im Wald, bei besonderen Baumfällungen, das kann man auch selbst ausprobieren. Außerdem haben wir eine Ausstellung von alten Sägen. Und wir haben einen Kettensägenkünstler hier, der mit der Motorsäge tolle Kunstwerke und Skulpturen schnitzt.“ Das Highlight am Sonntag war eine Schauübung der Feuerwehr, die ihre monatliche Übung durchführte und dabei auch Interessierten das Mitmachen anbot. Wer wollte, konnte sich mit der Rettungsschere an einem alten Auto versuchen. Auch der Rengsdorfer Männergesangverein beteiligte sich mit einem Auftritt am Veteranentreffen und für die Kinder wurde am Sonntag eine Hüpfburg aufgebaut. Christoph Krämer schätzt, dass über das Wochenende verteilt an beiden Tagen circa 100 Teilnehmer mit ihren Fahrzeugen dabei waren.

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