Andernacher Realschüler besuchten das ehemalige Schlachtfeld von Verdun, auf dem im Ersten Weltkrieg Hunderttausende Soldaten starben
„Viele Tote waren kaum älter als wir“
Andernach. Wie grauenhaft Krieg sein kann und weshalb Frieden für die Menschheit unverzichtbar ist – das lässt sich an kaum einem anderen Ort eindringlicher nachvollziehen als in Verdun. Die französische Stadt an der Maas, in der eine der blutigsten Schlachten des Ersten Weltkriegs tobte, war Ziel einer Studienfahrt der St. Thomas Realschule plus Andernach. Die Jugendstiftung der Sparkasse Mayen-Koblenz hatte die Exkursion dank einer großzügigen Spende ermöglicht. Knapp 280 Kilometer sind es von Andernach nach Verdun im Nordosten Frankreichs. Um vormittags hin- und abends wieder zurückzufahren, „saßen wir gut acht Stunden im Bus“, erzählen Nele und Noah aus der Klasse 9b. Eine zugegeben ziemlich lange Fahrtzeit für einen Tagesausflug. Doch Geschichtslehrer Till Taxis, der die Tour zusammen mit seiner Kollegin Kathrin Angermann organisierte, ist dankbar, dass diese überhaupt zustande kommen konnte. „Ohne die großzügige Unterstützung der Sparkasse Mayen-Koblenz wäre die Fahrt nicht möglich gewesen“, hebt der Pädagoge hervor.
Mit Pierre Lenhard, einem Mitarbeiter des Touristenbüros von Verdun, der die knapp 50 Andernacher Schülerinnen und Schüler aus Klassenstufe neun über das Gelände führte, auf dem von Februar bis Dezember 1916 eine der brutalsten und sinnlosesten Schlachten des Ersten Weltkriegs mit mehr als 300.000 Todesopfern tobte, verbindet ihn eine langjährige Freundschaft. Bei mittlerweile mehr als 20 Verdun-Fahrten, die Taxis seit Ende der neunziger Jahre mit Schulkassen durchführte, habe fast immer sein französischer Bekannter „seinen“ Gruppen die Gedenkstätte nähergebracht.
An diesem Donnerstag zeigt Lenhard den jungen Gästen aus Deutschland unter anderem, wo sich bis zu deren Zerstörung die beiden Dörfer Vaux und Fleury befunden hatten. Zumindest in Teilen noch erhalten: das ehemalige Fort Douaumont, das deutsche Soldaten zwischenzeitlich besetzten, ehe französische Truppen es endgültig zurückeroberten.
Leben und Sterben in Schützengräben
„Krieg ist generell das Letzte“, findet der 16-jährige Noah. Aber wenn man dann noch lerne, was für unnötigen Gründe zum Ersten Weltkrieg führten, sei das schon krass. Nele sieht das ähnlich. Wie grausam das Leben und Sterben in den Schützengräben gewesen sein muss, davon habe sie vor allem beim Rundgang durch das Museum einen Eindruck bekommen. Wie viele ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler hätte sie gerne mehr Zeit darin verbracht als die dafür anberaumte Stunde.
Letzter Programmpunkt, bevor sich die Reisegruppe aus der Bäckerjungenstadt am späten Nachmittag auf den Nachhauseweg machte: Eine Besichtigung des so genannten Beinhauses, in dem die Knochen von mehr als 130 000 nicht identifizierten französischen und deutschen Soldaten aufbewahrt sind, sowie des angrenzenden Soldatenfriedhofs. Die beiden Orte hinterließen einen besonders tiefen Eindruck bei den jungen Besuchern. „Viele der toten Soldaten waren nur ein paar Jahre älter als wir“, betont der 16-jährige Noah. „Die Jüngsten waren in unserem Alter.“
Wer an Europa zweifle oder je gezweifelt habe, zitiert Realschullehrer Taxis einen Satz des ehemaligen Präsidenten der Europäischen Union, Jean Claude Juncker, der solle Soldatenfriedhöfe besuchen. Dass sich dies „auf jeden Fall“ lohne, davon sind auch die beiden Neuntklässler Nele und Noah nach ihrem Verdun-Besuch überzeugt.
