Familie Malente auf Abschiedstournee - Gastspiel im Schlosstheater
Vielen Dank für die Blumen!
Neuwied. Jetzt heißt es im Schlosstheater Neuwied Abschied nehmen. Abschied? Es ist ein kleiner Abschied von guten Freunden, die ihr Publikum viele Jahre aufs beste unterhalten haben: Die Familie Malente. Diese Kunstfamilie, initiiert und im Kern bestehend aus den beiden Vollblutkomikern Knut Vanmarcke und Dirk Voßberg - Vanmarcke alias Peter und Vico Malente wird nach mehr als 15 Jahren Tourneereisen im Herbst 2019 sesshaft, und zwar in Bonn.
Dies erfuhren die Zuschauer bei der Aufführung der „Ersten großen Abschiedstournee“ am Ende der Vorstellung, und damit begann er auch, dieser höchst vergnügliche Theaterabend im Haus der Landesbühne in Neuwied: Mit dem Ende. Da das Publikum die Heimreise jedoch noch nicht antreten wollte, wurde die Revue neu gestartet - mit einem Feuerwerk von Schlagern aus den sechziger und siebziger Jahren des letzten Jahrhunderts, mit rasanten Licht- und Kostümwechseln. Ein aufgeklappter Koffer diente als Wechselpunkt der Szenen und Darsteller, die sich die sprichwörtliche Klinke in die Hand gaben und Pointen im Akkord „raushauten“ - witzig, ein wenig ironisch und stets mit einem Augenzwinkern, auch mal gegen sich selbst gerichtet. Hier traf man auf Karl Lagerfeld, Vicky Leandros, Otto und Udo Lindenberg und nicht zu vergessen: Howard Carpendale. All diese Idole vergangener (und moderner?) Zeiten wurden meisterhaft parodiert von den beiden Künstlern, aber auch die dritte im Bunde und auf der Bühne konnte sich sehen lassen. Stephanie Lamm parodierte als Fräulein Wunder“ ganz köstlich die Zeit „Als Mama und Papa noch nach Italien in Urlaub fuhren. Wir saßen hinten und waren nicht angeschnallt und Mama rauchte Lord extra“. Besonders brillant ihr Auftritt als „Spatz von Avignon“ Mireille Mathieu, mit dem Lied „Hinter den Kulissen von Paris“, ein köstlicher Auftritt!
Nach der Pause wurde es dann ein wenig besinnlich und auch persönlich. Das kannte man so nicht aus den vergangenen Shows, aber es war dem Anlass angemessen, auch einmal einen Blick hinter die Fassade zu werfen. Hier findet der Zuschauer zwei liebenswerte Menschen, die nicht nur miteinander arbeiten, sondern auch zusammen leben und eine Ehe führen. „Was kommt dann, wenn einer nicht mehr singt?“
Die Antwort blieb offen, schließlich sind noch beide auf der Bühne und zauberten weiter Gags am laufenden Band. Die Vorlage dazu gaben die Hitparaden der 70er Jahre „Licht aus, Spot an“, allem voran Howard Carpendale mit „Tür an Tür mit Alice“ - beantwortet vom Publikum mit einem gut gelaunten „Who the fuck is Alice?“. Es folgten in rasantem Tempo Heino, Cindy und Bert und einige andere. Der Abend mit alten Schlagern wäre sicher ein wenig fad gewesen, denn schließlich kennt man sie alle. Unvergesslich machten ihn erst die Interpreten, die ohne Punkt und Komma immer weiter agierten und sangen und die kleinen Schwächen der Originale meisterhaft auf die Schippe nahmen. Rätselhaft bleibt dem Zuschauer allerdings, wann sie jeweils die Kostüme wechselten - vielleicht doch Magie?
Noch bis zum 16. Juni kann man diese sehenswerte komödiantische Revue der Extraklasse in Neuwied besuchen. Informationen und Karten gibt es unter www.schlosstheater-neuwied.de.
Danach gibt es erst einmal eine Pause, aber ein kleiner Lichtblick bleibt: Bevor die Familie Malente ihr Spiegelzelt in Bonn endgültig bezieht, wird es ein Wiedersehen geben: Versprochen ist ein Gastspiel im Mai mit der ersten Bonner Produktion: „Aber bitte mit Sahne“.-he-
