Allgemeine Berichte | 18.06.2025

Einblicke in Mendigs Unterwelt

Vom Basaltabbau zur Braukunst

Der Historische Verein hat das bei seiner zweiten Exkursion Mendig besucht. Foto: privat

Andernach. Bei hochsommerlichen Temperaturen von 33 Grad beginnt die Erkundungstour des Historischen Vereins mit einem deutlichen Temperaturwechsel. Ausgerüstet mit Helm und Jacke führt der Weg eine schmale, steile Treppe hinab – 150 Stufen in die Tiefe. Je weiter es hinabgeht, desto kühler wird es, bis schließlich im „Lavadom“ eine konstante Temperatur von sechs Grad erreicht ist. Trotz vorhandener Beleuchtung herrscht dort eine düstere, feuchte Atmosphäre. Das stetige Tropfen von der Decke stammt von Regenwasser, das rund 14 Tage benötigt, um durch die Schichten aus Bims und Schlacke des einst größten Basaltlavabergwerks der Welt zu sickern.

Frau Mertz, die durch die unterirdischen Gänge führt, erläutert anschaulich die Geschichte und Bedeutung des Ortes. Das verzweigte Stollensystem erstreckt sich über eine Fläche von rund 390 Fußballfeldern. Einige Bereiche sind bislang unentdeckt. In den Wintermonaten bieten die Stollen bis zu 30.000 Fledermäusen – darunter 14 verschiedene Arten – ein sicheres Quartier.

Bereits in der frühen Neuzeit wurde hier unter Tage Basalt gewonnen, insbesondere zur Herstellung von Reib- und Mühlsteinen. Um an das erkaltete Lavagestein eines etwa 200.000 Jahre alten Vulkanausbruchs zu gelangen, mussten die Arbeiter eine bis zu 30 Meter dicke Bimsschicht durchdringen. Die Bedingungen im Stollen waren hart und gefährlich – feucht, dunkel und konstant kühl. Einstürzende Decken stellten eine permanente Bedrohung dar. Elektrisches Licht hielt erst Ende des 19. Jahrhunderts Einzug. Die Arbeitswoche umfasste sechs Tage, meist von morgens bis abends im Halbdunkel. Die daraus resultierenden Vitamin-D-Mängel führten häufig zu einem kleinwüchsigen Körperbau und einer niedrigen Lebenserwartung von durchschnittlich 40 Jahren.

Als der Mühlsteinhandel durch die Erfindung der Stahlwalzen zum Erliegen kam, entdeckten Brauereien im 18. und 19. Jahrhundert die gleichbleibend kühlen Stollen als ideale Lagerstätten. Zeitweise waren etwa 28 Brauereien in der Region ansässig. Mit dem Aufkommen moderner Kühltechnik durch Carl von Linde um 1870 verlagerten die meisten ihre Produktion. Lediglich eine blieb: die ehemalige Wölkerbrauerei, die heute als Vulkanbrauerei erfolgreich weitergeführt wird.

Heute hat sich das historische Bergwerk zu einem vielseitig genutzten Ort entwickelt. Neben der musealen Nutzung gibt es eine Bühne für Livemusik, eine kleine Galerie mit Wandmalereien sowie ein stimmungsvolles Trauzimmer. Auch die Filmindustrie hat das unterirdische Ambiente mehrfach genutzt – für Märchen-, Grusel- und Katastrophenfilme.

Zurück im Tageslicht besuchte die Gruppe die Museumslay, um dort das Göpelwerk, eine Schmiede, einen Arbeitsunterstand und verschiedene Basaltkunstwerke zu besichtigen. Den Abschluss bildete eine Lesung im Café Caldera. Jasna Mittler, Autorin aus Berlin und Tochter des verstorbenen Mendiger Steinbildhauers Peter Mittler, las Auszüge aus ihrem Roman „Blauauge“. Das Werk verwebt auf mehreren historischen Ebenen die Geschichte einer Bildhauertochter, eines seltenen Edelsteins und des französischen Mineralogen René-Just Haüy zu einer vielschichtigen Erzählung.

Eine eindrucksvolle und abwechslungsreiche Exkursion fand damit ihren Abschluss. Die nächste Fahrt führt am 27. September ins Mayener Grubenfeld.

Der Historische Verein hat das bei seiner zweiten Exkursion Mendig besucht. Foto: privat

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