Zur 600-jährigen Geschichte des Nassau-Sporkenburger Hofs

Vom Märkerhof zur Städtischen Bühne

23.05.2017 - 12:36

Lahnstein. Als im Mai vor 20 Jahren im Nassau-Sporkenburger Hof die Städtische Bühne eröffnet wurde, gingen fünf Jahre der Sanierung, des Umbaus und der Erweiterung zu Ende. Über 5 Millionen DM kosteten die vom Land geförderten Sanierungs- und Modernisierungsmaßnahmen. Der dreigeschossige gotische Steinbau aus dem 14. Jahrhundert, der seit 1980 unter Denkmalschutz steht, konnte durch die grundlegende Erneuerung als ein wichtiges regionales Kulturerbe vor dem Verfall gerettet werden.

Das Gebäude ist eines von sieben Märkerhöfen, die heute noch in Niederlahnstein stehen. Die Märker waren zumeist als Burgmannen der Burgen Lahneck und Stolzenfels verpflichtet, die sie in Kriegszeiten zu verteidigen hatten. In ruhigen Zeiten wohnten sie auf ihren Höfen in Niederlahnstein. Die urkundlichen Überlieferungen belegen, dass ein Herr Johann Mohr von der Walde im 14. Jahrhundert, verheiratet mit einer Petersin von Lahnstein, als Besitzer des Märkerhofs genannt wird.

Die Glanzzeit des Gebäudes begann jedoch 1527, als der Hof für 500 Gold Florentiner Gulden an den Amtmann von Wellmich, Quirin von Nassau, überging. Er und seine Nachkommen vermehrten den Besitz durch den Zukauf zweier Nachbarhäuser und das benachbarte Hofgut, das der Abtei in Altenberg gehörte. Der ganze Besitz war von einer wehrhaften Mauer umgeben, wie sie auch für die anderen Niederlahnsteiner Märkerhöfe, in Ermangelung einer Stadtmauer, nachzuweisen ist. Das herrschaftliche, burgartige Wohnhaus mit vorgesetztem, achteckigem Treppenturm, erhielt unter Quirin von Nassau seine heutige Gestalt einschließlich dem, beim Umbau rekonstruierten, hohen Satteldach. Das Wappen der Nassau-Sporkenburger, ein goldener Löwe mit sieben silbernen Kugeln, am Eingangsportal des Turmes zeugt noch heute vom Stolz seiner Besitzer. Die Nassauer Grafen aus Nassau an der Lahn führten im Wappen den gleichen Löwen, jedoch umgeben mit Schindeln. Die mit ihnen verwandte Seitenlinie der Nassau-Sporkenburger benannte sich nach ihrer Stammburg, der heutigen Ruine Sporkenburg zwischen Bad Ems und Arzbach.

Letzte Besitzerin aus dem Geschlecht der Nassauer war Elisabeth, die Nichte des Domkapitulars Heinrich von Nassau-Sporkenburg, deren Hochzeit 1591 in ihrem Haus in Niederlahnstein gefeiert wurde. 1606 kamen die Herren von Metternich durch Erbschaft in den Besitz des Hofes. Am 4. April 1617 stieg hier im Nassauer Hof Kurfürst Lothar von Metternich, Landesherr und Erzbischof von Trier, mit großem Gefolge ab. Demnach fand der Empfang des hohen Gastes in dem Saal statt, der im 1. Stock des Hauses lag und über die Wendeltreppe zugänglich war.

Im 18. Jahrhundert waren nacheinander Besitzer des Nassauer Hofs die Freifrau von Waldbott-Bornheim, die Familie von Hohenfeld sowie die Freiherrn von Schütz, die das Anwesen im Jahre 1822 an Wilhelm Haas verkauften. Die Stadt Lahnstein erwarb das Gebäude von den letzten Besitzern, der Familie Bollinger.

In den Jahren 1992 bis 1997 wurde das Anwesen vollkommen restauriert. Der ganze innere Bereich musste wegen der schlechten Bausubstanz entkernt werden. Dann wurde ein Korsett aus statischen Wänden und Decken erstellt, das die Außenmauern zusammenhält. Auch für den Dachstuhl wurde eine Konstruktion gewählt, die das Gebäude und die Giebelwände abstützt. Die Fotos zeigen das Gebäude vor und während der Sanierung.


Die „Städtischen Bühnen Lahnstein“ sind seit 20 Jahren im Gebäude


Seit knapp zwanzig Jahren beheimatet der Nassau-Sporkenburger Hof nun mit der „Städtischen Bühne Lahnstein“ das Theater der Stadt Lahnstein. Dieses ist im Jahr 1998 aus dem „Kinder- und Jugendtheater der Stadt Lahnstein“ hervorgegangen, das seinen Spielort seit dem Jahr 1992 im Jugend- und Kulturzentrum in der Wilhelmstraße hatte. Mit der Fertigstellung des mit Landesmitteln restaurierten ehemaligen Märkerhofes „Nassau-Sporkenburger Hof“ im Jahr 1998 zog das Theater in dieses neue Gebäude und stellte seinen Spielplan auf ein Erwachsenenpublikum um, wobei aber weiterhin Kinder- und Jugendtheaterstücke Bestandteil des Programms waren und sind.

Das Theater wird seitdem geleitet von den beiden Intendanten, Friedhelm Hahn und Ulrike Krapp. Das Stammhaus fasst ca. 100 Zuschauer; hier werden vornehmlich Schauspiel und kleinere Musikproduktionen gezeigt, im Treppenturm auch Ausstellungen.

Für die größeren Musicalproduktionen steht das große Haus (Stadthalle) mit rund 450 Plätzen zur Verfügung. Ebenso bespielt wird bei den ältesten rheinland-pfälzischen Freilichtspielen, den Lahnsteiner Burgspielen, eine Open-Air Bühne.

Das Theater der Stadt Lahnstein ist Mitglied des Deutschen Bühnenvereins und hat seit 2013 ein festes Ensemble, das in der Regel aus vier bis sechs Schauspieler/innen besteht. Für die größeren Produktionen, meist Musicals, werden zusätzlich Darsteller verpflichtet.

Der Spielplan umfasst zurzeit die zwei Sparten Schauspiel und Musical/Musiktheater. Pro Spieljahr gibt es etwa acht bis zehn Inszenierungen und rund 200 Aufführungen. Der Publikumsbesuch liegt jährlich bei rund 20.000 Zuschauern.

Pressemitteilung der

Stadt Lahnstein

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