Allgemeine Berichte | 15.02.2017

Bundesweiter Vorlesewettbewerb in Rheinbach

Vom Zauber des Vorlesens

Gesine Engel gewinnt den Kreisentscheid - Johanna Kraus aus Berkum mit bei den Teilnehmerinnen

Alle Teilnehmer des ersten Blocks mit Johanna (3. v. re.) und der späteren Siegerin Gesine Engel (4. v. li.). privat

Rheinbach. Zum Bundesweiten Vorlesewettbewerb trafen sich 17 Schulsieger aus dem Rhein-Sieg-Kreis, darunter die Schulsiegerin der Gemeinschaftshauptschule Wachtberg, Johanna Kraus, am 6. Juni vor insgesamt mehr als 400 vorwiegend jungen Besuchern in der Rheinbacher Stadthalle. Siegerin wurde die Rheinbacherin Gesine Engel (SJG). „Kein Laut war zu hören, außer Mos Stimme, die Buchstaben und Wörter zum Leben erweckte.“ Der elfjährige Simon Lang, Schulsieger vom Städtischen Gymnasium Rheinbach, liest aus Cornelia Funkes Buch „Tintenherz“. Die dreiminütige Stelle aus dem erfolgreichsten Buch der deutschen Bestsellerautorin, das der magischen Kraft des Vorlesens ein zeitloses Vermächtnis schuf, ist perfekt ausgewählt. Auch die rund 250 Besucher, darunter Simons Klasse und die komplette Stufe fünf der Rheinbacher Gesamtschule, hören gebannt zu, weil Simon genau dieser Zauber gelingt. In der ehrwürdigen Stadthalle kann man eine Stecknadel fallen hören. Das Erreichen des „Halbfinales“, das Lesen des Fremdtextes, ist der verdiente Lohn. Als die Vorsitzende der Jury, WDR-Sprecherin Regina Münch, seinen Namen nennt, bricht tosender Jubel los. Johanna Kraus aus Wachtberg-Berkum erhält schon vor dem Lesen den ersten Applaus. Offenbar gefällt das von ihr gewählte Buch „Percy Jackson – Diebe im Olymp“ Jungen und Mädchen gleichermaßen. Ein Kreis-Vorlesewettbewerb, der nicht nur im kleinen Kreis stattfindet, das war das Ziel der drei lokalen Veranstalter, Buchhandlung Kayser, Öffentliche Bücherei St. Martin und Rheinbach liest e.V. Beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels holte man sich Grünes Licht für den Plan, die Mammutveranstaltung in zwei für Kinder „konsumierbare“ Teile zu splitten. Durch die gastgebende Rheinbacher Gesamtschule, die ihren Stufen fünf und sechs eine ganz spezielle Deutschstunde ermöglicht, wird auch das Ziel erreicht, die 17 Schulsieger aus Bad Honnef, Bornheim, Hennef, Königswinter, Meckenheim, Rheinbach und Wachtberg vor einer großen Zuhörerschaft lesen zu lassen und sie so mit dem „Vorlesevirus“ und der Leidenschaft für Bücher zu infizieren.

Moderator Julius Esser hat den immer wieder in Begeisterungsstürme ausbrechenden Saal und die Aufregung der lampenfiebergeplagten Kinder auf der Bühne gut im Griff. Der 26-jährige Student der Germanistik aus Brühl macht Kleinkunst und Kulturarbeit und hat schon seit seinem fünften Lebensjahr Bühnenerfahrung. Er findet die nötige Mischung zwischen Lockerheit und Disziplin, überbrückt die Beratungspausen für die Jury mit Bühnengesprächen und dem Sammeln von Witzen im Publikum. Die Jury selbst ist fachkundig besetzt. Neben Regina Münch bewerten dort der ehemalige Leiter der Volkshochschule, Karl Hempel, Andreas John, Meckenheim-Rheinbacher Buchhändler im Ruhestand, Literaturwissenschaftlerin Christel Engeland von der Buchhandlung Kayser und die Rheinbacher Büchereileiterin Daniela Hahn die Vorträge nach den Kriterien Textauswahl, Lesetechnik und Gestaltung. Die Büchereileiterinnen aus Bornheim und Hennef, Brigitte Nowak und Sabine Janke, komplettieren die Jury. Beim Lesen des jeweils zweiminütigen Fremdtextes („Stars“ von Salah Naoura) ist, neben Simon, Alina Kindt (Gesamtschule Hennef) und Laurena Lehrich (Europaschule Bornheim) auch eine andere Rheinbacherin dabei. Gesine Engel vom Sankt-Joseph-Gymnasium hat aus Michael Morpugos „Das verborgende Geheimnis vom Big Hill“ gelesen. In der ausgewählten Textstelle empört sich die gehbehinderte Jessy in der Schönschreibstunde gegenüber ihrer Lehrerin, die ihr das Erklimmen des sagenumwobenen Berges nicht zutraut und der Lüge bezichtigt. Das geht wohl auch der Jury unter die Haut. Ihr Schlusssatz „… das war das Beste.“ sollte ein gutes Omen sein. Gesine liegt beim Vormittagsblock A vorne und darf sich auf das Finale mit dem Führenden des Nachmittagsblocks B freuen. In Block B nach der Mittagspause hat Rabea Nikolaidis von der Rheinbacher Gesamtschule ein Heimspiel vor ihrer Stufe 6. Sie hat eine wunderbare Stelle aus „Wunder“ von Raquel J. Palacio vorbereitet, „in der Komik und Rührung so nah beieinander liegen“, wie sie erklärt und die sie mit wunderbarem Charme vorträgt. Schließlich ist es aber Rabea, die mit Lukas Pie aus Bad Honnef (Siebengebirgsgymnasium), Jonna Joy Profitlich (Jugenddorf-Christopherusschule Königswinter) und Lucy Luna Werry (Gymnasium Hennef) das Fremdtext-Halbfinale erreicht, natürlich unter riesigem Jubel ihrer Mitschüler. Ins Finale mit Gesine und dem äußerst witzigen Buch „Die Götter sind los“ gelangt aber Lukas. Es obliegt der Vorjahressiegerin beim Kreisentscheid, Katja Krancke (SJG Rheinbach), zu verkünden, wer am Ende haarscharf vorne liegt: Gesine. In Gegenwart von Bürgermeister Stefan Raetz erhält sie von Buchhändler Christoph Ahrweiler die begehrte Siegerurkunde und einen Buchpreis. Simon, der sich mit Rabea und Gesine in den Rheinbacher Leseclubs gemeinsam vorbereitet hatte, erklärt: „Ich war anfangs erst mal enttäuscht, aber jetzt freu ich mich, dass es mit Gesine eine von uns drei Rheinbacher Schülern geworden ist.“ Er habe durch seinen Auftritt und die jubelnde Unterstützung seiner Klassenkameraden und seines Lehrers Herrn Niemann viel Auftrieb bekommen und will weiter an seiner Vorlesefertigkeit arbeiten. Die Jury-Vorsitzende Regina Münch bringt genau diese Einstellung in ihrer Ansprache auf den Punkt: „Schön vorlesen zu können ist etwas Tolles und manchmal kann man das sogar zu seinem Beruf machen.“ Toll fanden die Kinder im Publikum auch die Powerpoint-Präsentation mit den riesigen Buchcovern im Bühnenhintergrund. „Geht morgen in die Buchhandlung Kayser und holt Euch eins!“, empfiehlt Julius Esser und behauptet augenzwinkernd, dass dies „natürlich keine Werbung“ sei. Für Gesine geht es beim Bundesweiten Vorlesewettbewerb, der nun schon zum 57. Mal vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels ausgerichtet wird, eine Runde weiter. Ab Mitte März darf sie sich mit den besten Vorleserinnen des Regierungsbezirks Köln messen. Bis dahin wird sie zuhause und im Leseclub der Öffentlichen Bücherei St. Martin sowie im Leseclub „Bücherwelten“ der Buchhandlung Kayser noch viele Bücher lesen, denn schließlich, so die Elfjährige, brauche sie ständig Nachschub:„Lesen gehört bei mir zum Tag so wie Schlafen und Essen.“ Infos zum Vorlesewettbewerb unter vorlesewettbewerb.de.

Vom Zauber des Vorlesens

Vor dem Lesen ließ sich Moderator Julius Esser von Johanna Kraus die ausgewählte Szene erklären.

Vor dem Lesen ließ sich Moderator Julius Esser von Johanna Kraus die ausgewählte Szene erklären.

Alle Teilnehmer des ersten Blocks mit Johanna (3. v. re.) und der späteren Siegerin Gesine Engel (4. v. li.). Fotos: privat

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