Ahrweiler Bürgerschützen tagen erstmals nach 785 Tagen. Erster Gottesdienst in Sankt Laurentius nach der Flutkatastrophe
Von Corona, Flut und Helden des Alltags
Ahrweiler. Es war ein Dreiklang an Veranstaltungen und doch ein Zeichen der Geschlossenheit, durch das sich wie ein roter Faden Pandemie, sowie die Flut und ihre Folgen zogen. Die Ahrweiler Bürgerschützen ließen ihr gesellschaftliches Leben wieder erblühen. Dies in einer Kombination von Wortgottesdienst, Jahreshauptversammlung und anschließendem Abend der Gesellschaft. Denn weder die Generalversammlung noch Patronatsfeste der vergangen beiden Jahre hatten als Präsenzveranstaltungen durchgeführt werden können.
Die Premiere
Es war eine Art Premiere, die am Samstagabend in der Ahrweiler Pfarrkirche Sankt Laurentius über die Bühne ging: der erste Gottesdienst nach der Flutkatastrophe im Juli vergangen Jahres. Erst wenige Tage zuvor hatte der Sicherheitsbeauftragte des Bistums Trier dafür grünes Licht gegeben. Wie Dechant Jörg Meyrer vor dem Gottesdienst erläuterte, kann die Kirche genutzt werden, wenn aktuell keine Renovierungsarbeiten stattfinden. Zur Erinnerung: Gut 1,50 Meter hoch stand das kontaminierte mit Fäkalien und Öl Flutwasser in dem mehr als 750 Jahre alten Gotteshaus. Inzwischen ist zwar alles entkernt, doch Sankt Laurentius ist eine Baustelle. Der Boden ist herausgerissen, die der Putz der Wände sind mannshoch abgestemmt. Doch immer noch ist alles durch und durch nass. Dies obwohl den ganzen Winter über die Heizung auf Hochtouren lief und 1000 Euro pro Woche verschlang. Sondierungen in Wänden und Boden sollen Aufschluss geben, wie mit dem Trocknen weiter verfahren werden soll. „Nach ersten Schätzungen beläuft sich der Schaden auf rund 2,5 Millionen Euro, doch das wird nicht reichen“, sagte Meyrer vor den Schützen im Gotteshaus. Die Flut habe den größten Schaden seit dem Brand der Kirche im Jahr 1689 angerichtet. „Wir müssen noch viel Geld in die Hand nehmen, bis alles so ist, wie es einmal war“, so der Geistliche, der hofft, auch den Fronleichnamsgottesdient in der Kirche feiern zu können. „Wenn die Arbeiten es zulassen, denn laut Bistum geht die Renovierung vor.“ Für die Mittel dafür seien jedoch auch noch etliche Anträge zu stellen. Im Gottesdienst, bei dem Ex-Majestät Willi Busch die Schützenkerze entzündete, gedachten die Sankt Sebastianer um Hauptmann Jürgen Knieps auch der 134 Toten, die die Flut gefordert hatte. Und in die Fürbitten wurden alle von der Naturkatastrophe betroffenen eingeschlossen, damit „Verzweiflung Mut und Zuversicht weicht. Und mit Blick nach Osteuropa beteten die Schützen vor dem Bildnis ihres Schutzpatrons für den Frieden in der Welt.
Die Versammlung
Nach 785 Tagen der Corona-bedingter Abstinenz begrüßte Hauptmann Jürgen Knieps eine stattliche Anzahl der tagesaktuell 695 Schützenbrüder im Hans-Gies-Bürgerzentrum zur Hauptversammlung. Und machte deutlich, dass ein „Herzensanliegen“ sei, wieder in sozialer Gemeinschaft zusammenzukommen. Denn die Ereignisse der vergangenen 26 Monate hätten das gesellschaftliche Leben „kolossal verändert“. Die Flut habe deutlich gemacht, dass „wir als Menschen vom Miteinander, vom Austausch und sozialer Nähe leben.“ Auch deshalb werde es in diesem Jahr wieder ein Großes Schützenfest geben. Dies jedoch mit neuen Modalitäten für den Historischen Trinkzug (siehe separaten Bericht). Chronist Matthias Becker hatte die nicht einfache Aufgabe, die Ereignisse der vergangenen zwei Jahre zusammenzufassen. So berichtete er von Corona geschuldeten digitalen Veranstaltungen, von Flutschäden im Haus der Schützen und einer überaus großen Hilfsbereitschaft und Spendenfreudigkeit von Schützengesellschaften von der Nordsee bis Tirol. Schatzmeister Dieter Zimmermann berichtete von in Kooperation mit der Laurentius-Stiftung ohne Abzüge weitergeleiteten Spenden an von der Flut betroffene Schützenbrüder, aber auch von unverhoffter Hilfe durch den Landesmuseumsverband bei der Bergung der Kulturschätze aus dem Schützenmuseum. Als herausragendes Beispiel der Hilfe nannte er die Übernahme der Kosten für die Restaurierung von drei Fahnen in Höhe von 30000 Euro durch die Ernst-von-Siemens-Kulturstiftung. Der wegen Corona reduzierte Mitgliedsbeitrag wurde einstimmig wieder auf den alten Satz von 85 Euro angehoben.
Der Abend der Gesellschaft
Es sollte kein Abend der Festreden werden, denn es galt rund 90 Jubilare der vergangenen Jahre zu ehren. Und so forderte Hauptmann Knieps die Schützen auf, positiv nach vorne zu schauen, auch wenn das seit den Ereignissen im Juli 2021 noch schwerfalle. „Unsere Stadt und unsere Traditionen haben schon viele schwere Zeiten erleben müssen. Es liegt nun an uns, diese Stadt und unsere Traditionen lebenswert in die Zukunft zu bringen. Das griff auch Bürgermeister Guido Orthen auf. Im Schatten der Ereignisse mit 134 Todesopfern, hunderten von Verletzten und den psychischen Folgen brauche es Lichtblicke. „Wir sind noch mitten im Trauerjahr, und wir werden nicht vergessen. Aber wir werden auferstehen aus Ruinen.“ Allein der Schaden an städtischer Infrastruktur betrage 1,7 Milliarden Euro. Orthen: „Wenn wir in normalen Jahren etwa 15 bis 20 Millionen Euro investieren, dann müssen es künftig weit über 100 Millionen sein, um in zehn Jahren den Wiederaufbau gestemmt zu haben.“ Dafür brauche es keine Schwarzmaler, sondern Optimismus, Mut und Zuversicht. Auch wenn manchmal noch die Gefühle mit uns Achterbahn fahren.“ Wichtig sei, wieder Strukturen zu schaffen. Struktur der Hilfsbereitschaft, der Solidarität. Da seien die Ahrweiler Schützen Stützpfeiler. Jeder, der aktiv am Wiederbau beteiligt sei, sei ein Held des Alltags. Helden, die der Stadt wieder Leben einhauchen und dem Tal Identität verleihen.
Jubilare 2020
25 Jahre: Aus dem Leutnantsglied sind das Volker Fuhs, Wolfgang Geller, Georg Hansen, Peter Höper. Aus dem Oberleutnantsglied Jürgen Schumacher, Frank Schüller, Wolfgang Hennemann. Egon Knieps und Bert Knieps aus dem Hauptmannsglied. Albert Maur aus dem Fähnrichsglied und Helmut Rausch aus dem Königsglied.
40 Jahre: Aus dem Oberleutnantsglied Georg Appel, Siggi Beltz, Wilhelm Busch, Wolfgang Gies, Peter Schröder und Dieter Witsch. Aus dem Fähnrichsglied Heinz Ropertz und aus dem Königsglied Rolf Schmitz-Homberg.
Jubilare 2021
25 Jahre: Aus dem Unterleutnantsglied Michael Albrecht, Anton Josef Gerhard, Helmut Hölters, Paul-Adolf Knieps und Rudolf Link. Aus dem Leutnantsglied Manfred Hampel, Dr. Wilbert Herschbach, Günther Schmiddem und Werner Surges. Silberjubilare aus dem Oberleutnantsglied sind Willi Flohe, Jürgen Knieps, Andreas Meyer, Guido Ott, Hans-Josef Schabo, Peter Schabo und Klaus Terporten. Aus dem Hauptmannsglied Uwe Beu, Bernd Briel, Karl Gies, Alfred Gilles und Peter Steinborn. Aus dem Fähnrichsglied Peter Großgart, Horst Jakobs, Heinz Kelter, Erwin Klaß, Andre Kurth, Guido Lösch, Hardy Mies, Gregor Orth, Jochen Schäfer, Heinz Wershoven, Frank Winten. Aus dem Königsglied Dr. Stefan Kohlhaas, Dr. Günther Vins. Aus dem Elitecorps Reiner Engel, Rudi Frick, Dirk Hempen, Winfried Kohlhaas und aus dem Tambourcorps Udo Schüller und Michael Seeliger.
40 Jahre: Bernd Koll aus dem Elitecorps und aus dem Königsglied Wilhelm-Josef Sebastian.
50 Jahre: Paul Bünnagel aus dem Leutnantsglied, Hans-Ludwig Gruber aus dem Oberleutnantsglied und aus dem Hauptmannsglied Bert Flohe, Edgar Flohe sowie Günther Knieps.
Jubilare 2022
40 Jahre: Vor vier Jahrzehnten waren Gründungsmitglieder des Unterleutnantsgliedes Rainer Bauer, Rolf Berg, Franz-Josef Clas, Gerd Durben, Jürgen Freund, Heiner Fuhs, Ferdi Heuwagen, Hans-Werner Hilberath, Werner Kelter, Albert Knieps, Karl-Heinz Knieps, Michael Knieps, Quirin Knieps, Heribert Mohr, Peter Ropertz, Eckhard Sonntag, Willi Striebel, Heinrich Sturm, Willi Vendel und Manfred Winnen. Silberjubilare im Leutnantsglied sind Gerhard Creuzberg, Hilmer Heinrichs, Franz Krah. Aus dem Oberleutnantsglied Winfried Raths und aus dem Fähnrichsglied Hubert Großgart sowie Dieter Mombauer.
50 Jahre: Bernd Krah aus dem Leutnantsglied:. Aus dem Oberleutnantsglied: Hans-Josef Kreuer und aus dem Fähnrichsglied. Hans-Heinrich Graf.
60 Jahre: Diamantjubilar der Gesellschaft ist Kurt Geller, König 1987.
Neuaufnahmen
2020 sind in das Königsglied Roland Brunner und Dr. Torben Butchereit eingetreten. In das Hauptmannsglied Sascha Muskulus und in das
Jägercorps Ralf Seifer.
2021 sind in das Jägercorps Herbert Haubrichs, Christoph Heinen, Jörg Messing und Stefan Schmitz eingetreten.
2022 In das Königsglied ist Fabian Schneider eingetreten. In das Elitecorps Jonas Deißler, Peter Hasenberg, Fabian Hecker, Edward Justus und Michael Weltken. In das Fähnrichsglied Dr. Manfred Schäfer. In das Tambourcorps Tobias Steffes, in das Unterleutnantsglied Harald Knieps und in das Oberleutnantsglied Andre Moog.
Verstorbene aus den Jahren 2021 und 2022 sind Albert Gies, Josef Ropertz, Olaf Petersen, Hein-Adolf Rech, Paul Monreal, Heinz Koll, Werner Mies, Robert Braun, Prof. Dr. Volkhard Dörner, Hannjörg Geller, Karl-Hein Binder, Walter Sonntag sen., Gerd Tüttelmann, Walter Goller, Dr. Egon Plümer, Anton Gerhard und Reiner Moog.
GS
