Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V.
Von Kanonenkugeln über Öfen bis hin zu Grabdekorationen
Die Sayner Hütte prägte die Region mit ihren eisernen Produkten
Bendorf-Sayn. Die Geschichte der Eisengießerei Sayner Hütte, ihre bauliche Entwicklung und Produktpalette sowie ihre heutige Nutzung standen im Mittelpunkt der Präsentation, die Barbara Friedhofen (Rheinisches Eisenkunstguss-Museum) und Steffi Zurmühlen (Stiftung Sayner Hütte) am Mittwochabend vor sehr interessierten Zuhörern vortrugen. Der Vortrag fand im Rahmen der Reihe „Langjährige Industrieunternehmen in Rheinland-Pfalz – Von Trier bis Ingelheim, von Sayn bis Pirmasens“ statt, die das Institut für Geschichtliche Landeskunde an der Universität Mainz e.V. im August und September mit lokalen Partnern an verschiedenen Orten in Rheinland-Pfalz veranstaltet.
Nach einer Begrüßung durch Dr. Ute Engelen (Institut für Geschichtliche Landeskunde) in der 1908/09 errichteten Krupp’schen Halle, dem heutigen Besucherzentrum der Sayner Hütte, führte ein kleiner Rundgang vorbei an Gebäuden wie dem Comptoir, die noch instandgesetzt werden. Die 1830 fertiggestellte Gießhalle, die in Teilen bereits saniert wurde, bot einen stimmungsvollen Rahmen für den Vortrag.
Die Direktorin des Rheinischen Eisenkunstguss-Museums Barbara Friedhofen erläuterte die Gründung der Sayner Hütte und ihren Ausbau in preußischer Zeit und unter Krupp bis ins 20. Jahrhundert. Im heutigen Bendorf wurde aufgrund von Eisenvorkommen bereits früh, spätestens in römischer Zeit, Eisen verhüttet. 1769 gründete der Trierer Kurfürst die Sayner Eisenhütte, die vor allem Roheisen herstellte. Nach kurzer Eigentümerschaft des Herzogtums Nassau ging die Hütte 1815 an das Königreich Preußen über. Besondere Bedeutung kam in der folgenden Hochzeit der Hütte dem Leiter Carl Ludwig Althans (1818–1864) zu, der die modernen Bauten und Maschinen selbst plante und konstruierte. So wurde u. a. 1828–1830 die noch heute bestehende Gießhalle aus selbstgegossenen eisernen Säulen errichtet.
Die Produkte der Sayner Hütte waren vielfältig: Wenn auch der Preußische Staat ein Interesse an militärischen Artikeln wie Kanonenkugeln hatte, so wurden auch Glocken, Kerzenleuchter oder Grabdekorationen, Stühle, Treppen und Geländer, Öfen und Herde hergestellt. Die jährlich angefertigten Neujahrsplaketten (1819–1865), auf denen bedeutende neue Bauwerke wie der Kölner Dom dargestellt wurden, wurden als Werbegeschenke verwendet.
Im Jahr 1865 erwarb Alfred Krupp die Sayner Hütte und konzentrierte die Produktion auf Maschinengussteile.
In der Krisenzeit nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Hütte stillgelegt. 1927 übernahm die Stadt Bendorf das Gelände, das zunehmend verfiel. Als neuer Eigentümer begann die Heinrich Strüder KG 1976 in Zusammenarbeit mit dem staatlichen Stellen die Sanierung des Geländes. 2004 ging die Hütte wieder in das Eigentum der Stadt über. Bereits ein Jahr später hatte sich der Freundeskreis Sayner Hütte gegründet. 2012 errichteten das Land Rheinland-Pfalz, der Landkreis Mayen-Koblenz und die Stadt Bendorf die Stiftung Sayner Hütte zur Erhaltung des Standorts als historische Stätte der frühen Industrie in Deutschland.
Anschließend schilderte die Geschäftsführerin der Stiftung Steffi Zurmühlen die Maßnahmen, die bis zur Frühjahrsöffnung der Sayner Hütte 2019 auf dem Gelände umgesetzt werden: Der Hochofen in der Gusshalle wird räumlich und akustisch erlebbar gemacht. Auf der Empore in der Krupp’schen Halle lädt eine moderne Ausstellung dazu ein, die Geschichte der Sayner Hütte zu entdecken. Ab 2020 ist auch das Rheinische Eisenkunstguss-Museum in das Gelände integriert.
Pressemitteilung
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