Allgemeine Berichte | 22.01.2025

Neujahrsemfpang zum Thema „Pflegerevolution“ lockte viele ins Seniorenzentrum

Von der Generation Plumpsklo zu überhöhten Ansprüchen

Alle Mitwirkenden sind bereits zur „Pflegerevolution“.  Fotos:

Horbach/Buchfinkenland. Um eine menschenwürdige Altenpflege jetzt und auch in Zukunft für die zu vielen „Boomer“ zu sichern, bedarf es nicht weniger als einer echten „Pflegerevolution“. Dass diese notwendig und alternativlos ist, predigen Experten und Expertinnen schon lange. Jetzt bekommt diese Forderung mit Nachdruck Unterstützung aus dem Buchfinkenland im südlichsten Westerwald: zum Neujahrsempfang hatten dort das Seniorenzentrum Ignatius Lötschert-Haus und dessen Förderverein unter dem Motto „Pflegerevolution – was jetzt zu tun ist!“ eingeladen. Die Erkenntnis nach über 2 Stunden unterhaltsamen Vorträgen, Talk und Live-Musik: es muss dringend was passieren, um die Altenpflege zukunftsfest zu machen!

„Wir brauchen endlich einen großen Wurf in der Pflege, damit wir in so einer stationären Einrichtung wie unserer, auch künftig noch mit Leidenschaft und qualifiziertem Personal unserer Arbeit nachgehen können“, meinte Heimleiter Chris Martin zur Begrüßung. Als Vorsitzender des Fördervereines führte dann dessen Vorsitzender Uli Schmidt durch das Programm: „Wir sind sehr froh, dass wir zu den verschiedenen Bereichen der Altenpflege Fachleute mit einer langjährigen Erfahrung gewinnen konnten“.

Als Vertreterin der Ambulanten Pflege sprach zunächst Christina Eichberg als Geschäftsführerin der Pflegedienst Eichberg GmbH in Neuhäusel. „Den Betreuten soll mit Unterstützung unserer 44 motivierten Mitarbeiter/innen eine hohe Lebensqualität daheim ermöglicht werden“, so die erfahrene Expertin. Das sei jedoch zunehmend kaum noch möglich, da sich immer mehr Pflegedienste in der Existenz bedroht fühlten und unserer Gesellschaft ein akuter Pflegenotstand drohe. Sie wies hin auf zunehmend fehlende Fachkräfte, oft schlechte Zahlungsmoral der Leistungsträger und zu kurz gedachter Reförmchen. Christina Eichberg rief am Schluss dazu auf, die gesellschaftliche Wertschätzung für die Pflegeberufe zu verbessern und ihre anwesenden Kollegen/innen dazu auf, zusammen für Verbesserungen für den Berufsstand zu kämpfen.

Danach folgte ein nicht weniger fesselnder Blick von Schwester Barbara Spiegelhoff als Gemeindeschwester+ in der VG Montabaur auf die Lebensphase vor dem Pflegebedarf. „Am Anfang steht die Frage: wie möchten Sie gerne älter werden?“, so Sr. Barbara als Einstieg. Um dann zu ergänzen, dass zu viele Menschen im Rentenalter sich nicht früh und intensiv genug mit dem Älterwerden auseinandersetzen. Die gelernte Krankenpflegerin berichtete aus ihrer Arbeit über Fälle von fehlender Teilhabe und Einsamkeit, Benachteiligungen von Frauen (auch mit Migrationshintergrund), Armutsbedrohung, fehlendem altersgemäßen Wohnraum und auch Altersdiskriminierung. „Da ist es wichtig, im Westerwald früh genug vor dem Eintritt des Pflegebedarfs Netzwerke zu knüpfen und soziale Aktivitäten auszuüben“, so die seit Mitte 2021 in der VG engagierte Gemeindeschwester. Ein aktives Leben im Alter trage dazu bei, den Pflegebedarf zu verringern oder zumindest zu verzögern!

Nach zwei so inhaltsreichen Vorträgen war Zeit für Musik: vielen unter die Haut ging dabei die Folklieder vom Duo „Orange Moon“ mit Angela Schmitz Buchholz und Franz Schmitz. „Was uns verbindet“ war eine Eigenkomposition mit aktuellem Gesellschaftsbezug, wurden doch Wege zu Freiheit und Toleranz besungen. Immer wieder zwischen den Vortagen sorgten die beiden für eine Auflockerung mit flotten irischen und schottischen Volksweisen. Viele Gäste hätten gerne mehr davon gehört, wäre da nicht noch die heraufbeschworene „Pflegerevolution“ als Thema gewesen…

Mit 33 Jahren Erfahrung im DRK-Seniorenzentrum Sonnenhof in Bad Marienberg, davon viele als Heimleiter, gilt Hennig Dills als einer der „alten Hasen“ in der stationären Altenpflege im Westerwald. Sein Einstieg, im Hinblick auf die immer älter werdende Gesellschaft: „Unser Vorteil derzeit: wir haben kein Problem die Plätze zu belegen!“, so Dills. Auch er bemängelt die geringe Zahlungsmoral der Leistungsträger, die abnehmende Belastbarkeit junger Mitarbeiter, verbunden mit einem generell erhöhten Krankenstand. Dazu ginge mit der generalistischen Ausbildung der Bezug zur Einrichtung mehr und mehr verloren. Bewerbungen für die Bereiche Pflege und Hauswirtschaft, gelernt oder ungelernt, gäbe es keine. Zudem gebe es die Tendenz, dass häufiger jüngere Menschen, Männer, Ehepaare und Hochaltrige aufzunehmen seien, die sehr heterogene Anforderungen an die Pflege und Betreuung stellen. Der erfahrene Pflegeexperte appellierte für die Zukunft an alle, auch in der Nachbarschaft anzupacken, um Pflegebedarf zu verringern. „Es wird wohl notwendig sein, dass rüstige Rentner, neben dem Reisen mit dem Wohnmobil, auch bei der Deckung des Hilfebedarfs mit anpacken. So kann es uns als Gesellschaft vielleicht gelingen, die stetig steigende Zahl an Pflegebedürftigen adäquat zu versorgen.!“ Die bescheidene „Generation Plumpsklo“ gebe es jedenfalls immer weniger in den Einrichtungen der stationären Pflege im Westerwald.

Wie die künftige „Pflegerevolution“ umgesetzt werden kann, zeigte danach ein mit dem Pflegepreis der Pflegekammer Rheinland-Pfalz ausgezeichnetes Projekt. Als Abteilungsleiterin für die Mobile Pflege beim Caritasverband WW-RL stellte Claudia Brockers das seit 2,5 Jahren erfolgreich laufende Projekt „Pflege ganz aktiv“ vor. „Dieses weit über den Westerwald hinaus strahlende Modell setzt ein ganz neues Denken um: Das Konzept basiert nicht mehr auf vorgegebenen Modulen, sondern baut ganz auf die individuelle Fachlichkeit und ganzheitliche Sicht der ambulanten Pflegekraft“ so die sehr erfahrene Expertin. Als anwesende Mitarbeiterin in dem Projekt ergänzte Gabi Schlosser: „Wir entscheiden jeden Tag vor Ort, gemeinsam mit dem Menschen, was heute notwendig und gewünscht wird und müssen uns nicht an irgendwann erstelle Vorgaben halten“. Claudia Brockers wies noch darauf hin, dass auch die Angehörigen und das persönliche Umfeld einbezogen werden und somit die Fachkräfte ihr Können und Wissen gewinnend einbringen. Abschließend wies die Caritasmitarbeiterin darauf hin, dass nach ihrer Erkenntnis 60 % der Pflegedienste in finanzieller Notlage sind und deshalb der Zwang groß sei, zukunftsfestere Modelle zu erproben und einzuführen.

Von Zuhörenden kam dabei der Hinweis, dass es im WW ja schon weitere großartige Modelle wie den auch bereits mehrmals ausgezeichneten „Pflegebauernhof“ von Guido Pusch in Marienrachdorf gebe.

Mit einem Blick auf Mitwirkende und Gäste dankte Heimleiter Chris Martin insbesondere seinem „besten Team der Welt“, ohne das so ein „Buchfinkenlandempfang“ nicht möglich wäre. Für den Förderverein schlug dessen Vorsitzender ein mögliches Thema für den nächsten Neujahrsempfang am 9.1.2025 vor: „Unser Buchfinkenland – was jetzt zu tun ist?“. Darüber und andere Themen wurde dann in zwei weiteren schnell vergehenden Stunden beim vom Küchenteam des Hauses vorbereiteten leckeren Imbiss und mehreren Kaltgetränken gesprochen. Wohl niemand der vielen Gäste bereute, beim ersten Empfang nach Corona dabei gewesen zu sein.

Pressemitteilung

Förderverein für das

Ignatius-Lötschert-Haus e.V.

Horbach/Westerwald

Das Duo „Orange Moon“ sorgte für die passendes Live-Musik.

Das Duo „Orange Moon“ sorgte für die passendes Live-Musik.

Heimleiter Chris Martin freute sich über den gelungenen Neujahrsempfang.

Heimleiter Chris Martin freute sich über den gelungenen Neujahrsempfang.

Alle Mitwirkenden sind bereits zur „Pflegerevolution“. Fotos:

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Neueste Artikel-Kommentare
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
  • Beatrix Biskup: Ich habe Bibliotheken immer geliebt und ich freue mich über jeden Schritt den die Stadtbibliothek in Richtung Zukunft geht und über jede Veranstaltung die diese durchführen würde.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
Daueranzeige
Essen auf Rädern
Holz Loth-Entsorgung
Fahrer gesucht (m/w/d)
Innovatives rund um Andernach
Rund ums Haus
Container Anzeige
Stellenanzeige
Ostergrußanzeige
Empfohlene Artikel
Symbolbild.
41

Die Woche vom 20. bis 26. April fällt in eine Phase des spürbaren Übergangs. Der Frühling zeigt sich vielerorts bereits stabil, gleichzeitig wächst die Erwartung auf den Mai. Diese Mischung aus Aufbruch und Ungeduld prägt viele Entscheidungen. In Liebe, Gesundheit und Beruf entstehen Chancen, aber auch Momente der Unsicherheit. Kleine Veränderungen im Alltag können große Wirkung entfalten.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: pixabay.com
220

Im Bereich der Ahrtalbahn könnte es nachts etwas lauter werden:

Ab 15.04.: Schleifzüge fahren auf der Ahrstrecke

Kreis Ahrweiler. Seit Dezember 2025 fahren die Züge wieder vollständig auf der gesamten Ahrstrecke zwischen Remagen und Ahrbrück. Seit März 2026 sind beide verkehrenden Linien rein elektrisch und damit umweltfreundlicher unterwegs. Damit die neuen Schienen nun noch einen „letzten Schliff“ erhalten können, wird nachts ein Schleifzug unterwegs sein. Dies betrifft die folgenden Zeiträume und Abschnitte:

Weiterlesen

12

Ausbau der Ladeinfrastruktur am Rathaus

Neuer Schub für die Elektromobilität

Meckenheim. Das regionale Energieunternehmen e-regio erweitert die Ladeinfrastruktur in Meckenheim und schafft am Rathausparkplatz zusätzliche Möglichkeiten zum komfortablen Laden von Elektrofahrzeugen. Aufgrund der hohen Nutzung der bestehenden Ladesäule werden derzeit zwei neue AC-Ladesäulen mit insgesamt vier Ladepunkten installiert. Die neuen Ladepunkte sind so angeordnet, dass sie von jeweils zwei Parkbuchten optimal erreichbar sind.

Weiterlesen

18

Allgemeine Berichte

Ortsübliche Bekanntmachung

Sinzig. Ortsübliche Bekanntmachung über die öffentliche Bekanntgabe der Bestimmung und Abmarkung von Flurstücksgrenzen in der Gemeinde _Sinzig_______ In der Gemarkung __Bodendorf______, Flur __13__, Flurstücke __124/1, 133______ wurden die Flurstücksgrenzen aus Anlass einer Liegenschaftsvermessung auf Antrag bestimmt und abgemarkt. Über diese Maßnahmen wurde am _17.3.2026_ eine Grenzniederschrift angefertigt.

Weiterlesen

Rund um´s Haus
Kreishandwerkerschaft
Rund ums Haus
Kleinanzeigen
Innovatives rund um Andernach
Anlagenmechaniker
Vortrag: Arthrose des Hüft- und Kniegelenk
Hasenhoppeln & Heimatshoppen
Tag der offenen Tür
Kreishandwerkerschaft - Anzeige Pool
Innovatives rund um Andernach
Stellenanzeige mehrere Stellen
Koblenz blüht // Frohe Ostern 2026
PR-Anzeige
Unterstützeranzeige
Stellenanzeige Personalsachbearbeiter/in