„Jeuchelabend“ der Volkshochschule Remagen erfreut sich immer größerer Beliebtheit
Von heiligen Männern und Polizisten mit Regenschirm in der Wachstube
Remagen. Fast zum Selbstläufer ist er geworden: der Jeuchelabend in Remagen. Er erfreut sich immer größerer Beliebtheit, und am Donnerstag kamen fast 100 Jeucheler, darunter viele alte Remagener, die wirklich eine Menge Freude hatten, vor allem beim Jeucheln. Eingeladen hatte wieder die Volkshochschule, und durch den Abend führte erneut Oliver Schmitz, der dank vieler Fotografien aus dem alten Remagen die Menschen ins Plaudern brachte. Die Begrüßung oblag Wolfgang Proft von der Volkshochschule Remagen, der seiner Freude über den regen Besuch der Veranstaltung Ausdruck verlieh. Sein Dank galt Oliver Schmitz und dessen Tochter Carolina für die Durchführung des Jeuchelabends.
Und wo es um das alte Remagen geht, da ist das Remagener Martinslied nicht weit. Gemeinsam sangen alle im Saal des Alten Jugendheims, der heutigen Kulturwerkstatt, „Hillijet zante Määtes“. Als kleine Überraschung des Abends präsentierte Oliver Schmitz den Gästen ein Originalgemälde des Remageners Willy Kayser von Remagen und seiner Umgebung sowie eine Gedenktafel für die Gefallenen von Remagen, die Heribert Langen beigesteuert hatte. Präsentiert wurde zudem ein Schild mit dem Spruch: „Frauen sind nicht perfekt, aber die aus Remagen sind verdammt nah dran.“ Zudem erläuterte Oliver Schmitz eingangs des Jeuchelabends, dass es 1937 in Remagen noch 42 Plätze in der Stadt gegeben habe, an denen Kühe gehalten worden seien. Als erstes Foto gab es eines mit einem Aalschocker auf dem Rhein unterhalb der Apollinariskirche und den Spruch von Oliver Schmitz dazu: „So Bio war das damals alles auch nicht.“
Erinnerungen an Remagener Originale wurden wach
Und dann ging es aber wirklich los mit der alten Remagener Badeanstalt im Rheinwasser. Ein Foto dazu mit einer ganzen Reihe von Männern entlang der Bahnschienen, die in unmittelbarer Nähe der Badeanstalt verliefen, wurde kommentiert mit: „Da muss Frauen-Badetag gewesen sein.“ Einige Bilder zeigten die alten Fähren zwischen Remagen und Erpel, teilweise noch ohne Dach. Auch einen Luftsportverein gab es einmal in Remagen, der, so Oliver Schmitz, zwischen Gustaf Langen (Bauernschänke) und dem Pützjängelsche seinen Sitz gehabt haben muss. Auf Hochwasserbildern war zu sehen, wie die Erpeler Fähre bei Hochwasser in der Fährgasse anlegte. Kommentar aus dem Publikum: „Einen Meter hatten wir das Hochwasser drin.“ Und dann kamen die Bilder von St. Martin. Ob de Holze Karl oder der Kesselheims Walter, die Gäste erkannten die ehemaligen „Sankt Martins“ von Remagen und natürlich auch viele der Kinder, die vom Heiligen beschenkt wurden, auf den Fotos. Viel Spaß gab es natürlich auch bei den Krabbelbildern, auf denen vor allem auch viele alte Geschäfte in Remagen zu sehen waren. – ob das frühere Stadtcafé, der Edeka am Marktplatz, der Kaiser’s nahe dem Marktplatz, der Andenkenladen Hastings oder die Drogerie Nordhorn oder auch die alte „Mädchenschule“, bei der Rektor Killmaier das „Krabbeln“ im Griff hatte. Ein Bild zeigte eine ganze Reihe von Männern, die das „Krabbeln“ vom Brunnen auf dem Marktplatz, aber an alter Stelle, beobachteten. „Wenn ich denen erzählt hätte“, so Oliver Schmitz, „am Samstag haben wir ein Food-Festival in Remagen, hätten die gedacht, wir haben eine Arsch-Parade.“ Viele Menschen wurden von den alten Remagener auf den Fotos erkannt – ob die alte Frau Tünte, ob „et Rzepkas Magretchen“ oder die Frau Werhahn.
Wie die Polizei einem undichten Dach trotzte
Einen großen Raum nahmen auch Bilder von ehemaligen Remagener Polizisten ein, ob die Verabschiedung von Polizist Ulrich, ob die Polizisten Scherf, Neitzel oder Steinheuer. Die Erläuterungen dazu gab Klaus Kensbock, der bei der Remagener Kripo seinen Dienst versehen hat. Erinnert wurde dabei auch an die Polizeidienststellen, mal an der Ecke von Von-Lassaulx-Straße/Markstraße, mal in der Seelenstraße hinter der Möbelfabrik Pomp. Und es gab da noch ein Foto von einem Polizisten mit Regenstiefeln und aufgespanntem Schirm am Schreibtisch in der ehemaligen Dienststelle in der Seelenstraße. Dazu wurde dann erzählt, dass das Dach der Dienststelle nicht dicht war. Kurzerhand habe ein Polizist einen Bohrer besorgt und ein Loch in den Boden gebohrt. Durch dieses sei das Wasser in das Schlafzimmer von Pomps abgelaufen. Daraufhin sei dann auch am Dach Abhilfe geschaffen worden. Erinnert wurde bei den Polizeibildern auch an den ehemaligen Remagener Polizisten Hubert Weger, der bei einem Einsatz, einem Überfall auf die Raststätte Brohltal, erschossen wurde.
An vieles wurde erinnert, ob an Südfrüchte Gemüse Schmickler, die Buchela im Viktoriasaal, die Fahrschule Breuer oder den Besuch der Polizei auf Schloss Ernich, bei dem auch Ludwig Erhard beim französischen Botschafter weilte. Die Gäste jedenfalls hatten einen riesigen Spaß an den alten Bildern, und sicher freuen sich schon viele auf den nächsten Jeuchelabend mit neuen alten Fotos. AB
Schon vor Beginn der eigentlichen Veranstaltung war der Saal im „Alten Jugendheim“ gut besetzt.
