Schützenbruderschaft Heimerzheim feierte Jubiläum
Vor 50 Jahren vereinten sich die ehemaligen Sebastianer mit den Kunibertianern
Zeitzeuge Heinrich Fuhs erinnert sich an die Umstände des Zusammenschlusses Verschollener Wimpel tauchte wieder auf
Heimerzheim. Auch 50 Jahre nach dem Zusammenschluss der beiden ehemaligen Heimerzheimer Schützenbruderschaften St. Sebastianus und St. Kunibertus hat der Schützenverein seinen festen Platz im Ort. Bei der Jubiläumsfeier im Heimerzheimer Schützenhaus wurde besonders der ungebrochene Einsatz der Schützen für christliche Werte und die Pflege von Brauchtum herausgestrichen, getreu dem Motto „Für Glaube, Sitte, Heimat“. Gleich zu Beginn des Abends interviewte Brudermeister Werner Neubauer einen der wenigen noch lebenden Zeitzeugen, den 88-jährigen Heinrich Fuhs, zu den Umständen, die 1963 zum Zusammenschluss der beiden Heimerzheimer Bruderschaften führten. Das Heimerzheimer Urgestein ist schließlich schon seit 1945 Mitglied bei den Schützen und Ehrenbrudermeister der Schützenbruderschaft.
Zur Zeit des Zusammenschlusses war er Hauptmann der Kunibertus-Schützen mit der ehrenvollen Aufgabe, beim Schützenfestzug auf einem geliehenen Pferd voranzureiten. „Das hat immer sehr viel Spaß gemacht“, erinnerte er sich.
Träger des Goldenen Sterns
Gebannt folgten die Gäste den Schilderungen des „alten Kameraden“, der darüber hinaus auch noch 25 Jahre lang Kassierer der Bruderschaft war. „Der Schützenverein war Zeit meines Lebens das A und O“, betonte der Schützenkönig von 1993/94 und Träger des Goldenen Sterns am Bande des Bundes der Deutschen historischen Schützenbruderschaften sichtlich gerührt.
Nach vierjähriger Pause hat er im vergangenen Jahr sogar wieder mit dem Sportschießen angefangen und tritt mit der ersten Mannschaft der Alters- und Seniorenschützen in der ersten Bezirksklasse an. In der Disziplin Luftgewehr aufgelegt trifft er auf zehn Meter Entfernung noch immer beachtliche 135 von 150 möglichen Ringen. Erstaunliches kam bei seinem Bericht zu Tage. So wurden früher jährlich zwei Schützenfeste abgehalten und somit auch zwei Schützenkönige ermittelt. Die beiden Hauptleute der jeweiligen Bruderschaft führten „hoch zu Pferde“ den jeweiligen Festzug an. Eifersüchtig wurde damals allerdings darüber gewacht, dass die Mitglieder der einen Bruderschaft auf keinen Fall die Feste der anderen besuchten.
50 Austritte nach der Fusion
Doch irgendwann ließ sich diese Trennung des Ortes in zwei Lager gottlob nicht mehr durchhalten. Am 23. März 1963 beschlossen „Kunibertianer“ und „Sebastianer“ den Zusammenschluss, zwei Tage später unterzeichneten die beiden damaligen Brudermeister Peter Krahe und Heinrich Schönenberg die Vereinigungsurkunde. Seitdem heißt der Verein „Sankt Sebastianus-Kunibertus Schützenbruderschaft Heimerzheim 1515“.
Doch so ganz konnte von den alten Zwistigkeiten nicht gelassen werden, infolge der Fusion 1963 gab es immerhin etwa 50 Austritte, weil so mancher mit der jeweils anderen Bruderschaft partout nichts zu tun haben wollte. Während die älteste der beiden Bruderschaften, die 1515 gegründeten Sebastianer, traditionell katholisch orientiert war, zeigte sich die Kunibertus-Bruderschaft, auch „Bürgerschützen“ genannt, eher weltlich orientiert.
Sie war aus dem 1871 gegründeten Kriegerverein hervorgegangen und 1947 auf Initiative von Pfarrer Theodor Giesen in eine Bruderschaft umgewandelt worden.
Erste Anlauf scheiterte
Schon einmal war über einen Zusammenschluss nachgedacht worden, aber die bereits eingeleitete Fusion kam 1953 nicht zu Stande, weil es über die Verwendung des Schützenfest-Gewinns keine Einigung gab. Die Kunibertus-Schützen hatten beantragt, den Überschuss brüderlich zu teilen, was der Sebastianer-Kassenwart aber rundweg ablehnte. In der Chronik der Bruderschaft beschreibt Schriftführer Philipp Pützer den Streit vielsagend: „Weil nach erregter Diskussion keine Einigung zustande kam, gingen alle in gespannter Atmosphäre auseinander.“ So dauerte es noch weitere zehn Jahre, bis die Vereinigung der beiden ehemals „feindlichen“ Bruderschaften endlich vonstatten ging und so in der Zeit des Kalten Krieges zumindest in Heimerzheim das Kriegsbeil endgültig begraben wurde. Amtsdirektor André Schwärtzel holte Ende 1962 beide Parteien an einen Tisch und stellte einen hohen Zuschuss von Seiten der Gemeinde in Aussicht, wenn es endlich zu einem Zusammenschluss kommen würde. Da fiel den beiden Brudermeistern Peter Krahe und Heinrich Schönenberg die Entscheidung schon sehr viel leichter, und es wurde sich sogar darauf geeinigt, das Sebastianusfest bereits Anfang 1963 gemeinsam zu feiern. Der „Kriegerplatz“ der Kunibertianer wurde so zum neuen Schützenplatz, während der ehemalige Schießplatz der Sebastianer oberhalb des Hotels Weidenbrück heute nicht mehr existiert und Wohngebäuden weichen musste. Und dann gab es auch noch die Übergabe des „verschollenen“ Vereinswimpels, der nach 50 Jahren überraschend wieder aufgetaucht war. Die Finder Anita und Josef Fröhner übergaben den Vereinswimpel von 1963 offiziell an Brudermeister Werner Neubauer, der versprach, das gute Stück nun in Ehren zu halten.
Die beiden früheren Brudermeister Peter Krahe (li.) und Heinrich Schoenenberg kurz nach dem Zusammenschluss mit dem neuen Vereinswimpel, der kurze Zeit später verschwand.
Sie standen im Mittelpunkt der Feierstunde anlässlich des Zusammenschlusses der beiden ehemaligen Heimat seiner Bruderschaften vor 50 Jahren (von links): Brudermeister Werner Neubauer, Königspaar Monica und Rolf Küpper und der 88 -jährige Zeitzeuge und Ehrenvorstandsmitglied Heinrich Fuhs. Fotos: VJ
