Allgemeine Berichte | 13.10.2020

Lahnstein hat Geschichte

Vor 60 Jahren erhielt Niederlahnstein ein neues Bahnhofsgebäude

Postkarte: Ansicht des Neubaus , 1960 (Sammlung Stadtarchiv Lahnstein). Foto: Chris Zimmer

Lahnstein. Schon lange dient sie nicht mehr als Empfangshalle des Bahnhofs Niederlahnstein, aber mit ihrem flach ansteigenden und weitgezogenen Pultdach prägt die zweigeteilte Halle noch immer den Bahnhofsvorplatz. Am 29. September 1960, also vor 60 Jahren, wurde der gesamte Gebäudekomplex, zusammen mit der neuen Gepäck- und Güterabfertigung, offiziell seiner Bestimmung übergeben. Errichtet wurde der Neubau am Ort der alten Güterabfertigung. Damit einher ging der völlige Umbau der Gleisanlagen nach verkehrstechnischen, wirtschaftlichen und kundendienstlichen Gesichtspunkten. Ursprünglich befanden sich die Gleise beiderseits der Empfangshalle: Zur Bahnhofstraße hin lagen die Gleise der Lahnstrecke, Richtung Rhein die der Rheinstrecke. Niederlahnstein war seit dem Bau dieses Bahnhofs 1878/79 ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt mit Anschluss an die Bahnlinie Berlin-Trier-Metz. Täglich kursierten rund 200 Personen-, Schnell- und Güterzüge aus vier Richtungen den Bahnhof. Doch der Zweite Weltkrieg bedingte nicht nur die Totalzerstörung des Bahnhofs, als am 26. Dezember 1944 sechzig Flugzeuge der 2. Bomber-Division gegen 11.53 Uhr mittags vier Bombenteppiche auf den Bahnhof und die nähere Umgebung abwarfen, 119 Soldaten und 41 Zivilisten töteten, sondern auch einen herben Bedeutungsverlust. Dies erkennt man schon daran, dass die Niederlahnsteiner nach der Zerstörung 16 Jahre auf einen Neubau durch die Deutsche Bundesbahn warten mussten. Laut Statistik wurden bis 1960 etwa 300 von 450 ganz- oder teilweise zerstörten Bahnhofsgebäuden wieder aufgebaut. In Niederlahnstein diente in dieser Zeit provisorisch eine Holzbaracke als Bahnhofsgaststätte, Fahrkartenausgabe, Aufenthaltsraum und Gepäckabfertigung.

Der Neubau war das 21. Empfangsgebäude, das die Bahndirektion Mainz nach dem Krieg wiederaufgebaut hat. Auf der einen Seite mit breiter Fensterfront wurden eine Gaststätte, eine Stehbierhalle, die sogenannte „Schwemme“, eine Buchhandlung, Wartesäle und Diensträume eingerichtet. Architekt war Bundesbahnoberrat Falck.

In der Halle prangt ein von den Steulerwerken gestiftetes Majolika-Mosaik nach dem Entwurf von Rudolf Morche aus Gießen. Zur anderen Seite lag die Güterhalle. Im Obergeschoss des Empfangsgebäudes hatte der Gastwirt seine Wohnung, gab es einen Unterrichtsraum, Büros und im Keller Übernachtungsräume für die Eisenbahner. Der Schwerpunkt war die Schalterhalle, um die sich die Bahnhofsgaststätte und Verkaufsstände gruppierten.

Von der Halle aus durchschritt man die Bahnsteigsperre und ging zum Abgang der Bahnsteigunterführung. Vor dem Bahnhof entstand eine Verkehrsinsel als Halteplatz der Omnibuslinien und rechts der Parkplatz.

An der Außenwand des modernen Bahnhofgebäudes wurde eine noch heute im Betrieb befindliche Uhr angebracht, die „des Nachts neonbeleuchtet“ ist – wie die damalige Presse dankend hervorhob. Die einzelnen Bahnsteige wurden durch eine Untertunnelung verbunden, damit die Passagiere nicht mehr die Bahngleise überschreiten mussten. Die Rhein-Zeitung schrieb Ende 1960, dass an der Güterabfertigung Niederlahnstein monatlich etwa 3000 Stückgutsendungen und etwa 8000 einzelne Güter verschickt und empfangen wurden. 1000 Wagenladungen konnte der Bahnhof im Monatsdurchschnitt im Ein- und Ausgang nachweisen.

Heute ist der Bahnhof ein personalloser Haltepunkt, an dem nur noch Regional- und Regionalexpresszüge halten. Bis 1989 wurden in dem Empfangsgebäude die Fahrkarten verkauft, seither gibt es nur noch Automaten. Räume der Empfangshalle dienten einige Jahre der Berufsbildenden Schule zum Unterricht, von 2005 bis 2018 der Agentur für Arbeit. Heute beherbergt das Gebäude die Baugenossenschaft Rhein-Lahn.

Die Halle der Gepäck- und Güterabfertigung wird seit vielen Jahren von einem Getränkevertrieb genutzt. Der übrige Bahnhof wurde im Rahmen eines Modellvorhabens des Landes Rheinland-Pfalz, der Deutschen Bahn AG und der Stadt Lahnstein in den Jahren 2004 bis 2009 zu einem Umweltbahnhof umgestaltet. Auf dem neugestalteten Bahnhofsgelände wurden neben den Bushaltestellen eine Bike-&-Ride-Anlage sowie Parkflächen angelegt, die Bahnsteige erneuert, die Personenunterführung mit einem neuen Treppenabgang umgestaltet, saniert und mit Aufzügen ausgestattet

Pressemitteilung

der Stadt Lahnstein

Die Schalterhalle im Jahr 1989.Foto: Robert Hastrich

Die Schalterhalle im Jahr 1989.Foto: Robert Hastrich

Postkarte: Ansicht des Neubaus , 1960 (Sammlung Stadtarchiv Lahnstein). Foto: Chris Zimmer Foto: ©hris Zimmer

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