Allgemeine Berichte | 16.03.2020

Baugebiet „Am Burggraben“ in Heimerzheim

Vorhandener Graben soll als Regenrückhaltebecken dienen

Heimerzheim. Wohl noch nie in der Geschichte der Gemeinde Swisttal ist länger über die Entwässerung eines geplanten Baugebietes diskutiert worden als beim künftigen Wohnviertel „Am Burggraben“ in Heimerzheim. Jetzt sprach sich der Planung- und Verkehrsausschuss bei der erneuten Beschäftigung mit dem Thema mehrheitlich dafür aus, den am südlichen Rand gelegenen Graben auszubauen und als Regenrückhaltung mit Versickerung zu nutzen. Neun Ausschussmitglieder aus CDU und SPD waren dafür, fünf quer durch fast alle Fraktionen stimmten dagegen. Die künftigen Eigentümer dort sollen dennoch auf ihren Grundstücken auch Zisternen bauen, das soll im städtebaulichen Vertrag mit dem Investor festgeschrieben werden, beschloss der Ausschuss weiter. Die ursprünglich angedachte Pflicht zur Errichtung von Retentionszisternen, in denen das gesammelte Wasser auch noch versickert, wurde hingegen fallen gelassen. Diese wären nämlich im Zusammenwirken mit der Entwässerung über den Graben kontraproduktiv, wie Diplom-Ingenieur Werner Regh dem Ausschuss in einer ausführlichen Variantenuntersuchung zur Entwässerung erläuterte.

Eigentlich ist gar keine Rückhaltung notwendig

Gleich zu Beginn machte er noch einmal deutlich, dass weder hinsichtlich des Hochwasserschutzes der Swist noch mit Blick auf die Gewässerökologie der Bau einer Regenwasserrückhaltung für das Baugebiet überhaupt notwendig sei. Regh hatte errechnet, dass auf dem 2,8 Hektar großen Gelände, auf dem künftig einmal etwa 300 Neubürger wohnen sollen, im derzeitigen Zustand als Ackerfläche bei einem 100-jährigen Regenereignis 38 Liter Regenwasser pro Sekunde abfließen würden. Im bebauten Zustand würde sich dies auf 141 Liter pro Sekunden erhöhen. Eine Menge, die die Swist problemlos zusätzlich aufnehmen könnte, das hätten einschlägige Berechnungen des Erftverbandes eindeutig nachgewiesen.

Doch weil einige dennoch Bürger befürchteten, eine Ableitung des Niederschlagswassers aus dem Neubaugebiet direkt in die Swist könne die Hochwassergefahr für die Swist-Anlieger in der Ortslage von Heimerzheim erhöhen, hatte der Ausschuss in seiner vorherigen Sitzung ebenso wie der Gemeinderat beschlossen, im Sinne der Bürger eine gezielte Vorsorgestrategie zu entwickeln – auch mit Blick auf mögliche künftige Klimaveränderungen.

Drei Möglichkeiten wurden untersucht

Für eine Rückhaltung der zusätzlichen 103 Liter pro Sekunde gebe es drei Möglichkeiten, so Regh. Zum einen eine reine Regenwasserrückhaltung mit gedrosseltem Abfluss in ein Gewässer, etwa über ein Regenrückhaltebecken. Zum zweiten eine Versickerung des Regenwassers mit Abfluss in den Untergrund.

Zum Dritten die Kombination der beiden Systeme, etwa in Form eines Erdbeckens mit Teilversickerung, welches man vor dem Wäldchen am Swistufer errichten könnte. Doch noch besser sei die Entwässerung über den vorhandenen Graben.

Dafür müsste dieser auf einer Länge von etwa 260 Metern sowohl in der Tiefe wie auch in der Breite deutlich vergrößert werden, ebenso wie der Durchlass unter der Parkstraße. Dort würde sich die Abflussleistung um rund 200 Liter pro Sekunde erhöhen. Mit dem Einbau von Störsteinen, einigen durchlässigen Querstreben oder Vertiefungen könne man den Abfluss etwas verzögern, das Wasser kurzzeitig zurückhalten und damit auch eine Versickerung von Oberflächenwasser über die belebte Bodenzone in den Untergrund erreichen. Die Aufweitung des Grabens bewirke zudem eine deutliche Erhöhung des Rückhaltevolumens. Ein weiterer Pluspunkt sei es, dass die Gemeinde nur wenig zusätzlichen Wartungsaufwand hätte, da sie ja schon jetzt den vorhandenen Graben pflegen müsse. In der Summe stelle der Graben ein gutes Maß zwischen der gewünschten ökologisch sinnvollen Speicherung, Rückhaltung und Versickerung von Regenwasser und dem Herstellungsaufwand sowie den Folgekosten dar.

Unterschiedliche Ansichten über den Graben

Während Tobias Leuning (SPD) sich darüber freute, dass damit etwas für den Hochwasserschutz in Heimerzheim getan werden könne, sah das Heike Gebhardt (Bürger für Swisttal) völlig anders. Die Folgekosten seien viel zu hoch, außerdem sei es entscheidend, die Swist vor zusätzlichem Wasser im Starkregenfall zu schützen. Deshalb plädiere sie für das Erdbecken mit teilweiser Versickerung. Dem schloss sich Werner Hahnenberg (CDU) an, denn er befürchtete: „Wenn wir den Graben anpacken, müssen wir auch mit den Folgen rechnen.“ Schließlich sei der Graben zeitweise ein Bach mit fließendem Wasser, und im Fall eines Starkregens könne sich am Durchlass in der Parkstraße ein Rückstau bilden, der die Grundstücke im Baugebiet unter Wasser setzte.

Peter Langes (BFS) sprach sich ebenfalls gegen den Graben aus, und Sven Kraatz (Grüne) bemängelte, dass bei der ganzen Planung eine Klimawandelvorsorgestrategie fehle, die aber bestimmt bald Pflicht werde. Er schlug vor, das Regenwasser gar nicht erst aus dem Baugebiet abzuleiten, sondern im Gegenteil irgendwo zu sammeln und zu speichern, um bei künftigen Trockenperioden darauf zurückgreifen zu können. Worüber Manfred Lütz (CDU) nur den Kopf schütteln konnte: „Wir haben in Deutschland ganz andere Probleme.“ JOST

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  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!

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