Standortumfrage der IHK Mayen-Koblenz
Wachstumspotenziale durch Infrastrukturausbau
Koblenz. Wie gut sind die Standortbedingungen für die Wirtschaft im nördlichen Rheinland-Pfalz? Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz hat jüngst ihre Mitgliedsunternehmen in allen zehn Landkreisen sowie der Stadt Koblenz danach gefragt. Die Ergebnisse der breit angelegten Umfrage zeigen: Neben der positiven Gesamtbewertung im Landkreis Mayen-Koblenz werden einige Felder aufgezeigt, bei denen den IHK-Betrieben der Schuh drückt – und die Bedingungen könnten zukünftig durchaus verbessert werden.
Zu einem ersten Regionalgespräch zur Vorstellung der Ergebnisse werden sich Mitglieder des IHK-Beirats Mayen-Koblenz mit Landrat Dr. Alexander Saftig sowie Wirtschaftsförderern aus dem Landkreis treffen.
Mit einer Gesamtnote von 2,5 liegt der Landkreis Mayen-Koblenz im vorderen Bereich der Bewertungen der IHK-Mitgliedsbetriebe. Ob eine Schulnote 2,5 noch „gut“ oder schon „befriedigend“ ist, hängt von der individuellen Bewertung jedes Einzelnen ab. Aber im Vergleich mit den anderen Landkreisen fällt auf, dass der Landkreis Mayen-Koblenz ein überdurchschnittlich gutes Image besitzt und sich in den letzten fünf Jahren deutlich positiv entwickeln konnte. Mehr als zwei Drittel würden sich wieder im Landkreis ansiedeln, damit sind die Prognosen ebenfalls positiv. Aber aus Sicht der IHK-Mitgliedsunternehmen gibt es auch Handlungsbedarf – insbesondere beim Ausbau der Infrastruktur durch Breitbandversorgung, bei der Verfügbarkeit von Wohnraum sowie der Bereitstellung von Gewerbeflächen für Gewerbeerweiterungen bzw. Neuansiedlungen. Schließlich haben rund 40 Prozent der Unternehmen in den vergangenen fünf Jahren keine relevanten positiven Veränderungen ihres Wirtschaftsstandorts wahrgenommen. Weil aber auch der Anteil der Unternehmen, die mittelfristig mit keiner Entwicklung ihrer Geschäftstätigkeit rechnen, mit 54 Prozent relativ hoch ausfällt, fordert Rolf Löhmar, Vizepräsident der IHK Koblenz:. „Unser Landkreis muss sich im Wettbewerb mit den Ballungszentren im Norden (Köln/Bonn) und Süden (Mainz/Frankfurt) besser positionieren.“
Positiv wahrgenommen wird von den IHK-Unternehmern im Landkreis vor allem die allgemeine Lebens- und Aufenthaltsqualität (2,2) sowie die Anbindung an das Straßennetz (2,4). „Die Lebensqualität ist eine Stärke unserer Region“, so Löhmar. „Allerdings gilt das auch für die Nachbarkreise. Deshalb benötigen wir ein mit den Nachbarkreisen abgestimmtes Regionalmarketing im nördlichen Rheinland-Pfalz. Mit einem starken Profil könnten wir uns erfolgreich positionieren, damit sich weitere Unternehmen ansiedeln, investieren und auch Fachkräfte für die Region gewinnen können“, so Löhmar weiter. „Der im Vergleich zu den anderen Landkreisen gemessene Spitzenwert bei der Straßenanbindung für Pkw und Lkw sowie bei den Binnenhäfen überrascht uns nicht“, sieht IHK-Regionalgeschäftsführer Martin Neudecker die Vorteile durch das dichte Straßennetz mit den Lebensadern A 48 und A 61 sowie Rhein und Mosel.
Bei aller Zufriedenheit der positiven Bewertungen in vielen Standortfaktoren gibt es für den Landkreis insbesondere in drei Bereichen Handlungsbedarf.
Breitbandausbau
Die Breitbandanbindung ist über alle Regionen und alle Branchen der Standortfaktor mit der höchsten Relevanz. Die durchschnittliche Zufriedenheit fällt mit 3,5 aber nur verhalten aus. „In unserem Landkreis liegen wir sogar leider knapp unter dem Durchschnitt. Die Versorgung der Gewerbegebiete muss flächendeckend Vorrang beim weiteren Ausbau erhalten“, so Löhmar. Zugleich dürfe dabei nicht der Fehler gemacht werden, die Ausbauquoten allein durch großflächige Nutzung der Vectoring-Technologie nach oben zu treiben. „Vectoring ist nicht zukunftsfähig. Was die Region braucht, ist ein systematischer Umstieg auf ein Glasfasernetz. Dafür müssen bereits heute durch entsprechende Planungen die Grundlagen gelegt werden.“ Deshalb sei es bedauerlich, dass der Antrag der Kreisverwaltung bzw. ihrer Wirtschaftsförderungsgesellschaft am Mittelrhein GmbH (WFG) auf Förderung des Breitbandausbaus in Berlin abgelehnt wurde. „Wir werden den Landrat, die WFG sowie Städte und Verbandsgemeinden bei den weiteren Aktivitäten partnerschaftlich unterstützen“, so Löhmar.
Verfügbarkeit von Gewerbeflächen
Auch wenn der aktuell empfundene Engpass für Erweiterungen und Neuansiedlungen nur für einen Teil der Unternehmen relevant sei, so zeige er doch auf, wo strategische Wachstumsbremsen liegen: „In unserem Landkreis sind bereits viele neu ausgewiesene Gewerbegebiete ausverkauft.“ IHK-Vizepräsident Rolf Löhmar weiß, dass leider in manchen Teilregionen die strengen Vorgaben des Landesentwicklungsplans neuen Erweiterungen im Wege stehen.
Wohnraumknappheit
Aus Sicht der IHK-Betriebe stellt sich die aktuelle Wohnraumknappheit als weitere Wachstumsbremse heraus. Zum gesunden Wachstum der Unternehmen gehören auch Entwicklungsmöglichkeiten für die Belegschaft. „Wer sich im Unternehmen wohlfühlt, sollte auch ohne Probleme einen familiengerechten Wohnraum finden können, sonst besteht die Gefahr der Abwanderung in andere Regionen. Vielleicht benötigen wir neue Konzepte zur Reaktivierung von Teilbereichen innerhalb der Stadt- und Ortskerne, wie sie einige Städte und Gemeinden im Landkreis bereits erfolgreich erproben“, sieht IHK-Regionalgeschäftsführer Martin Neudecker durchaus realistische Entwicklungsmöglichkeiten.
Wie geht es weiter?
In weiteren Regionalgesprächen wird sich der IHK-Beirat im Herbst zusammen mit den nachrückenden Kandidaten der Wahlperiode ab 2017 über konkrete Maßnahmen abstimmen. Weitere Gespräche sollen im engen, partnerschaftlichen Dialog mit Landrat Dr. Saftig, den Wirtschaftsförderern und den Kommunen im Landkreis erfolgen, um die Entwicklungsdynamik weiter zu steigern.
Pressemitteilung der
IHK Mayen-Koblenz
