Allgemeine Berichte | 08.05.2024

VertreterInnen aus dem Westerwald bereiteten im Ausschuss wichtige Themen für Synode vor

Wäller Synodaler: Kirchenasyl ist notwendig

Westerwaldkreis.Das Kirchenasyl war eines der zentralen Themen der Synode der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN). Die Mitglieder des Kirchenparlaments haben sich Zeit genommen, um sich über die Gründe und die Praxis des Kirchenasyls auszutauschen. Dieter Eller ist einer der vier Menschen aus dem Westerwald, die Mitglied der Kirchensynode sind. Er betont: „Wir hatten den Tagesordnungspunkt nicht als Werbeveranstaltung fürs Kirchenasyl geplant. Wir wollten zeigen, dass es in Einzelfällen leider immer noch notwendig ist, aber das Ziel muss es letztlich sein, dass diese Notwendigkeit wegfällt“.

Die Präses der Kirchensynode, Birgit Pfeiffer, unterstrich diese Notwendigkeit ebenfalls: „Das Kirchenasyl steht in einer jahrtausendealten Schutztradition. Es schenkt allen Beteiligten eine Atempause, in der gefällte Entscheidungen überdacht und revidiert werden können, insbesondere angesichts der Gefahr für Geflohene bei Rückkehr in ein Durchreise- oder Herkunftsland“, erläutert sie. Durch ein Kirchenasyl könne eine erneute, sorgfältige Prüfung der Situation von Betroffenen durch Behörden und Gerichte erreicht werden.

In einem eigens für die Synode gedrehten Film kommen zwei Personen zu Wort, die von ihren Erfahrungen im Kirchenasyl in Kirchengemeinden der EKHN berichten. Für den Ausschuss Gesellschaftliche Verantwortung berichtet Conny von Schumann, dass es sich bei den meisten aktuellen Kirchenasylen in der EKHN um sogenannte Dublin-Fälle handelt: „In diesen Fällen droht die Abschiebung in einen anderen europäischen Staat, in dem eine Person ihr Asylverfahren durchlaufen soll. Kirchenasyl-Gäste berichten aus einigen europäischen Ländern von schweren Misshandlungen durch Sicherheitskräfte, von Inhaftierungen und Demütigungen, Hunger und fehlender medizinischer Versorgung. Daher ist auch in solchen Fällen ein Kirchenasyl zum Schutz der Menschenwürde nötig.“

In seinem Vortrag vor der Synode beschreibt der Interkulturelle Beauftragte der EKHN, Pfarrer Andreas Lipsch, die Praxis des Kirchenasyls als „zivilen Menschenrechtsgehorsam“. Das Kirchenasyl stehe nicht im Widerspruch zum Rechtsstaat, sondern unterstütze ihn. „Es nimmt nicht ein Recht neben dem Recht in Anspruch, sondern setzt sich dafür ein, dass die Grund- und Menschenrechte innerhalb der bestehenden Rechtsordnung Beachtung finden und durchgesetzt werden.“

Lipsch wirbt für eine andere, an der Menschenwürde und den Menschenrechten orientierte Flüchtlingspolitik, die viele Kirchenasyle überflüssig machen würde. Noch bewege sich die Politik nicht zuletzt mit der Reform des europäischen Asylsystems in die entgegengesetzte Richtung. „Was wir zurzeit erleben, ist ein historischer Tiefpunkt des Flüchtlingsschutzes in Europa“, sagt Lipsch.

In den Kirchengemeinden in der EKHN haben im Jahr 2023 159 Menschen Kirchenasyl begonnen. Die Gemeinden haben insgesamt 174 Erwachsene und 29 Kinder aufgenommen, die meisten von ihnen aus Syrien oder Afghanistan. 153 dieser Fälle sind sogenannte Dublin-Fälle. Die am häufigsten vertretenen Dublin-Staaten, also Staaten, in die den Kirchenasyl-Gästen die Abschiebung drohte, waren Bulgarien und Kroatien. Aktuell befinden sich 47 Erwachsene und sieben Kinder im Kirchenasyl in der EKHN.

Auch in Gemeinden des Evangelischen Dekanats Westerwald fanden in den vergangenen Jahren Menschen Schutz im Kirchenasyl – beispielsweise in Höhr-Grenzhausen, Wirges oder Westerburg. „Für die gastgebende Gemeinde war das immer auch ein Gewinn“, sagt Dieter Eller und betont, dass das Kirchenasyl oft zum Erfolg führe: „Zwar werden die Betroffenen nicht immer als Asylant oder Asylantin anerkannt. Aber in mehr als der Hälfte der Fälle wird ihnen eine neue Bleibeperspektive wie beispielsweise eine Duldung eröffnet. Für ein gelingendes Kirchenasyl braucht es auch ein vertrauensvolles Miteinander von Kreisverwaltung, Kommunen und Kirchengemeinden.“

Die EKHN unterstützt Gemeinden, die Kirchenasyl gewähren, unbürokratisch aus einem Notfallfonds, und oft spenden Menschen vor Ort für die Betroffenen. „Das sind zwar nicht unbedingt hohe Beträge, aber die Geflüchteten sind im Kirchenasyl oft mit dem Einfachsten zufrieden. Denn das Kirchenasyl ist viel besser als das, was viele von ihnen auf der Flucht erlebt haben“, sagt Eller und freut sich, dass diese wichtige Schutzmaßnahme ab 2025 auch durch eine EKHN-weite Kollekte zusätzliche Wertschätzung erfährt. (bon)

Auslagerung: Resolution für Demokratie verabschiedet

Die Synode der EKHN hat einstimmig eine Resolution für Demokratie, Vielfalt und Menschenwürde und gegen Rechtspopulismus verabschiedet. Die Westerwälder Synodalen Rotraud Weber und Dieter Eller haben als Mitglied des Ausschusses für Gesellschaftliche Verantwortung am Entwurf der Resolution mitgewirkt. In ihr ruft die Kirche dazu auf, im Rahmen der anstehenden Wahlen keine Parteien zu wählen, die Menschen diskriminieren. In der Resolution begrüßen die Kirchensynode und die Kirchenleitung die „vielfältigen Aktivitäten für eine freie und demokratische Gesellschaft“. Die in jüngster Zeit deutlich gewordene Gefahr für die Demokratie und besonders für benachteiligte Gruppen erfordere einen engagierten und nachhaltigen Einsatz.

In der Resolution heißt es weiter: „Völkischer Nationalismus ist mit unserem christlichen Gottes- und Menschenbild nicht vereinbar.“ Angesichts des Auftrags und der Geschichte der Kirche, die auch von Gewalt, Rassismus, Antisemitismus und anderen Formen von Menschenverachtung geprägt gewesen sei, stünden die Kirchensynode und die Kirchenleitung heute umso deutlicher für Demokratie, Menschenwürde und Toleranz ein. Die Inhalte der Resolution können im Internet unter www.ekhn.de nachgelesen werden.

Pressemitteilung des

Evangelischen Dekanats

Westerwald

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Sandra Sattler: Der Zustand der L330 zwischen. Nassau und Zimmerschied ist eine absolute Katastrophe- und das nicht erst seit gestern! Wir sind wohnhaft in Hömberg und werden seit vielen Jahren mit diversen Ausreden vom LBM vertröstet.
  • Janek: Wer die Strecke kennt, kann sich den Grund bereits denken … Der Straßenzustand ist dort so schlecht, dass er besonders für Motorradfahrer ein ernstzunehmendes Sicherheitsrisiko darstellt. Dem verunglückten...
  • Siegfried Kowallek: Verwunderlich ist weiterhin, dass die SPD der Neuwieder CDU vorhält, gegen den Unvereinbarkeitsbeschluss der Christdemokraten in Bund und Land im Hinblick auf die Partei Die Linke zu verstoßen. In insgesamt...
  • Siegfried Kowallek: Die Nennung von BSW und der Partei Die Linke im selben Kontext ist sachlich nicht gerechtfertigt und damit unredlich. Prominentester linker Befürworter deutscher Waffenlieferungen an die Ukraine ist Bodo...
  • Beatrix Biskup: Ich habe Bibliotheken immer geliebt und ich freue mich über jeden Schritt den die Stadtbibliothek in Richtung Zukunft geht und über jede Veranstaltung die diese durchführen würde.
Dauerauftrag Imageanzeige
Wohnträume
Sonderseite 02 -Wohnträume NR
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten, Wohnen
Wohnträume - Wohnen und Garten im Blick
Sachbearbeiter (m/w/d)
Wir helfen im Trauerfall
Blütenfest in Meckenheim
Stellenausschreibung: Betriebshof
Empfohlene Artikel
Symbolbild.  Foto: pixabay.com
48

Region. Auch in unserer Region gibt es sie: die stillen Stars des Alltags. Menschen, die anpacken, helfen, Verantwortung übernehmen oder einfach für andere da sind. Ob Feuerwehrmann, engagierte Ortsbürgermeisterin, unermüdliche Nachbarschaftshelfer oder die gute Seele im Sportverein – sie alle sind Heimathelden! BLICK aktuell möchte diesen Menschen eine Bühne geben und der Öffentlichkeit vorstellen – in einer neuen Serie in unserer Zeitung.

Weiterlesen

Symbolbild.  Foto: pixabay.com
24

Region. Wir von BLICK aktuell möchten wissen, wo in eurer Heimatstadt oder Kommune der Schuh drückt! Aus diesem Grund haben wir die neue Serie „HeimatCheck“ ins Leben gerufen. Ob kleine Ärgernisse oder große Probleme: Schreibt uns, was euch bewegt, und wir berichten für euch! Handlungsbedarf gibt es eigentlich immer, sei es bei:

Weiterlesen

Weitere Artikel
Symbolbild. Foto: ROB
25

Jugendliche um drei Uhr nachts von Polizei angehalten

11.04.: Bad Ems: 15- und 13-Jähriger unternehmen nächtliche Spritztour mit Auto

Bad Ems. In den frühen Morgenstunden des 11.04.2026, gegen 03:00 Uhr, wurde durch eine Streifenwagenbesatzung nach einem Hinweis von Zeugen ein Pkw im Stadtgebiet Bad Ems, im Bereich der Straße Am Weißen Stein, kontrolliert. Hierbei wurde festgestellt, dass der Fahrzeugführer erst 15 Jahre alt und demnach nicht im Besitz der erforderlichen Fahrerlaubnis war. Sein Beifahrer war nochmals zwei Jahre jünger.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: pixabay.com
96

Insbesondere für Säuglinge, Kleinkinder, Senioren und Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem ist eine Salmonellen-Erkrankung gefährlich

10.04.: Lebensmittelrückruf: Salmonellen in beliebter Haselnuss-Nougat-Creme

Region. Die Sächsische und Dresdner Back- und Süßwaren GmbH & Co. KG ruft die Haselnuss-Nougat-Creme der Marke Nudossi auch aus dem rheinland-pfälzischen Handel zurück. Grund: Es wurden Salmonellen nachgewiesen.

Weiterlesen

Dauerauftrag
Daueranzeige 2026
Werbeplan 2026
Imageanzeige - Dauerauftrag
Mitarbeiter IT-Administrator
Wohnträume
Bestellung Nr. 4300003040 - W100 - 606 // Wohnträume MYK
Vorabrechnung, Nr. AF2025.000354.0, April 2026
Sonderseite 02 -Wohnträume NR
SO 2 - Wohnträume Sonderseiten, beim Artikel Gartenmarkt/Stadt Neuwied
Sonderseite 02 -Wohnträume NR
Titelanzeige Nissan  114/1407895/2454617/4746681
Blütenfest
Anzeige Radiologie & Nuklearmedizin
130 Jahre freiwillige Feuerwehr Bad Neuenahr und Tag der offenen Tür, 19.04.26
Blütenfest