Gemeinde Thür lädt seit über 40 Jahren zu der traditionellen Winterveranstaltung ein
Waldbegehung mit anschließendem Reh-Essen
Thür/Rieden. Seit über 40 Jahren lädt die Ortsgemeinde Thür den Gemeinderat und Angestellte der VG-Verwaltung zu einer Waldbegehung des Thürer Waldes ein. So auch kürzlich wieder.
Während die Wandergruppe mit einem Bus von Thür zu den Rodder Höfen gebracht wurde, ging sie von dort aus gemeinsam mit Revierförster Stefan Braun in den Thürer Wald. Das erste Ziel war das Werk der Firma Sievert Baustoffe in Kruft, wo sie bereits von dem Werkleiter Uwe Pracht erwartet wurde, der über interessante Details zum Trass-Abbau zu berichten wusste. Weiter ging es durch den Thürer Wald in Richtung Rieden, da die Firma Sievert traditionsgemäß ins Hotel-Restaurant „Silberdistel“ zum Reh-Essen eingeladen hatte.
Zunächst jedoch informierte Revierförster Stefan Braun die Wandergruppe über den aktuellen Stand des Thürer Waldes. Er unterstrich noch einmal, dass auch im Thürer Wald die Hitze und Trockenheit in den Sommern 2018 und 2019 für zahllose Fichten das Aus bedeuteten. Die Bäume seien geschwächt und anfällig für Borkenkäfer geworden, die sich explosionsartig vermehrten.
Einige Hektar seien hier inzwischen kahl, damit der Borkenkäfer nicht auf noch gesunde Fichten überspringen könne. Durch die zwangsweisen Fällungen sei sehr viel Fichtenholz auf dem Markt. Wurden früher fast 100 Euro für einen Festmeter Fichten-Brennholz gezahlt, so seien es heute in Thür nur noch 20 Euro pro Festmeter. Derzeit bestehe der Thürer Wald nur noch zu 10 Prozent aus Fichten, was sich jedoch in den nächsten Jahren in Richtung 0 bewegen werde. Auf der Gesamtfläche von ca. 60 ha könne der Thürer Wald als Mischwald bezeichnet werden, allerdings sind kleinere Flächen vorwiegend in Douglasien- sowie Buchen- und Eichen-Bestände aufgeteilt. Auf die Frage, welche Baumarten der Trockenheit am besten standhalten, sagte der Revierförster: „Obwohl die Douglasie relativ resistent gegen den Trockenstress ist, hat sie in den vergangenen beiden Jahren sehr gelitten. Auch die Eiche ist eigentlich sehr robust, wobei auch einige Eichenschädlinge in der jüngsten Vergangenheit ein ideales Klima zum Überleben vorfanden. Wichtig ist jedoch, dass der Wald möglichst breit aufgestellt ist, was in dem von mir betreuten Revier der Fall ist. Meine Vorgänger im Amt haben diesbezüglich bereits sehr weitsichtig gehandelt.“
Uwe Pracht, Werkleiter der Sievert Baustoffe GmbH & Co. KG, die bis Ende 2019 noch unter „quick-mix“ firmierte, berichtete, dass das Unternehmen pro Jahr ca. 50.000 Tonnen Trass abbaut. Ein großer Teil des hochwertigen Rohstoffes werde für die eigene Produktion von Baustoffen gebraucht. „Da die Qualität innerhalb eines Bruches schwankt, wird der Rohstoff gemischt, um so eine gleichbleibend gute Qualität gewährleisten zu können. Im Schnitt werden alle vier bis fünf Jahre sogenannte Auflockerungs-Sprengungen durchgeführt, bei denen im Schnitt zwischen 35 bis 40 Tonnen Trass gelöst werden, die dann vom Sprengungsort in das etwa 13 Kilometer entfernte Werk in Kruft transportiert werden, wo ca.65 Mitarbeiter beschäftigt sind. Die letzte Sprengung auf dem Gelände der Firma Sievert fand im Februar 2019 statt. Auf die Frage von „Blick aktuell“, ob die umliegende Region von der Sprengung beeinträchtigt werde, versicherte Uwe Pracht: „Ganz bestimmt nicht. Wir stehen ständig in Verbindung mit dem Vogelschutz und dem Bergamt, die alles peinlich genau überwachen.“
Nach den Worten von Ortsbürgermeister Rainer Hilger, war die Waldbegehung wieder einmal ein beeindruckendes Erlebnis insbesondere für alle Teilnehmer, die trotz unterschiedlicher politischer Gesinnung sehr fair und freundlich miteinander umgehen.
Übrigens handelt es sich bei dem Thürer Wald um die Gemarkung Rieden. Wie der ehemalige Erste Beigeordnete der Gemeinde Thür, Friedrich Hermes erläuterte, ist die Gemeinde Thür bereits seit 1750 Eigentümer dieser Gemarkung. Dabei handelte es sich um eine Schenkung des Grafen von Bürresheim.
FRE
Foto: FRE
Im Hotel-Restaurant „Silberdistel“ ließ die Wandergruppe den Tag beim traditionellen Reh-Essen ausklingen.
