Westerwald-Verein Selters verabschiedet neue Satzung und will neue Wege gehen
Wandern allein reicht nicht mehr
Selters. Wandern allein reicht nicht mehr - damit sind aber nicht neue Wanderwege gemeint, so der Vorsitzende Rainer Gütschow, nein, man müsse sich ganz neu aufstellen, um zukunftsfähig zu sein. Nach einem mehr als halbstündigen Vortrag, wie der Westerwald-Verein Selters künftig strukturiert werden soll und mit welchen Themen und Inhalten er sich in den nächsten Jahren befassen wird, leitete der Vorsitzende die Versammlung ein.
Tatsache ist, dass die gegenwärtigen Mitglieder zu 80 Prozent in einem Alter von 70+ sind. Die Wanderungen, die im Programm stehen, können sich nur noch auf kleine Touren zwischen vier und acht bis zehn km beschränken. Für größere Wanderungen oder gar Tagestouren fehlen Wanderführer, die solche Routen ausarbeiten und dann die Gruppen begleiten.
Aber das Wandern, das mehr denn je ein wesentlicher Eckpfeiler der Gesundheit ist, wird man keineswegs aus dem Auge verlieren. Neben dem nicht unwichtigen Punkt, dass es Gesundheit und Lebensfreude (durch die Geselligkeit) erhält, dient es auch dazu, dass man die anderen Ziele des Vereins, die Geschichte der Heimat und den Natur- und Landschaftsschutz, beim Wandern hautnah erleben und wahrnehmen kann. Schon dies ist ein Grund, sich den Touren – ob klein oder groß – immer wieder anzuschließen.
Auch für Menschen, die gerne singen, musizieren – oder „mol Platt schwätze wolle“, möchte man wieder eine „Heimat“ im Verein bieten. Singen kann ja, wie jeder weiß, ebenfalls der Gesundheit dienen, denn die Atmung wird reguliert und angeregt. Also nicht nur der Frohsinn, die Geselligkeit und die Ausübung eines vielleicht schon vernachlässigten Hobbys kann bei uns gefördert werden.
Hat doch der Westerwald-Verein in seiner Satzung schon jetzt viel mehr zu bieten. Zu den Aufgaben zählen z.B. die Kultur, die sich u.a. auf die Heimatgeschichte und Heimatkunde beziehen und hier auch den Denkmalschutz einbezieht. Schon jetzt versucht man zur Heimatkunde und Geschichte einen Beitrag zu leisten. Zusammen mit der örtlichen Grundschule sowie der IGS bietet man Führungen in Selters an, um den Schülerinnen und Schülern die Geschichte des Westerwaldes und ihrer Heimatgemeinde näher zu bringen. Selters allein hat in seiner mehr als 1000-jährigen Geschichte viel zu bieten, um darüber zu berichten. Zum Beispiel: Warum hat die Region ab dem Beginn des 19. Jahrhunderts hier solchen Aufschwung genommen? Wer kennt das „Amt Selters“, das sich von der Westerwälder Seenplatte bis an die Grenzen von Höhr und Vallendar zog?
Der Westerwald-Verein Selters hat die Möglichkeit, durch Verbundenheit mit dem Landschaftsmuseum Westerwald in Hachenburg, viel über die Geschichte zu vermitteln. Was hat es mit der „Eichhoffsbuche“ im „Schlangengraben“ (am Saynbach) auf sich? Warum steht auf der Wacht eine Schutzhütte und wer hat sie einst erbaut? Um dies – und noch viel mehr - zu vermitteln braucht es Personen, die hier die Geschichte der Heimat wachhalten. Und dafür steht eben der Westerwald-Verein.
Natur- und Landschaftsschutz
Natur- und Landschaftsschutz gehört ebenfalls zu den Aufgaben. In die neue Satzung wurde auch der Arten- und Tierschutz mit aufgenommen, da man diese besonderen Themenbereiche mehr denn je als wichtige Pfeiler des Naturschutzes betrachtet. Ohne den Erhalt der heimischen Tiere und Pflanzen wird in Zukunft auch kein Leben für Menschen möglich sein. Setzt man sich z.B. nicht für den Schutz von Insekten – besonders die Bienen – ein, sieht es um künftige Ernten schlecht aus. Doch auch dies muss ausgewogen sein. Und auf der anderen Seite machenMensch und Natur fremde Tiere und Pflanzen, die durch die Globalisierung hierher gelangen, das Leben immer schwerer. Tiere und Menschen leiden unter dieser Erscheinung immer mehr. Alle sind aufgerufen, um hier mitzuwirken, dass Flora und Fauna wieder in ein ausgewogenes Gleichgewicht kommen. Es ist nicht zu übersehen, dass die Wälder sterben, dass die Landschaft durch Müll und gedankenloses Entsorgen von Schadstoffen verdreckt wird, wodurch auch Tiere in der freien Natur leiden. Bequemlichkeit sorgt für Steinwüsten vor den Häusern. Nutzgärten verschwinden von den Grundstücken. Fehlende Nistmöglichkeiten und Lebensräume sorgen dafür, dass bestimmte Vogelarten kaum mehr zu sehen sind. Wie viele Vogelarten kennen Kinder noch? Die Anzahl an Schwalben ist kaum mehr spürbar in den Sommermonaten. Wer kennt noch den Spatz, der früher überall fröhlich piepend auf den Straßen und in den Höfen umher hüpfte? In den 50er und 60er Jahren fanden die Schwalben in und an den Stallungen ausreichend Platz, um ihre Nester zu bauen. Wo sollen sie heute hin?
Dies sind Punkte, die einfach mit in den Natur- und Landschaftsschutz hineingehören, dem sich der Westerwald-Verein verschrieben hat. Man will sich diesem Thema in Zukunft – auch durch besondere Projekte – viel mehr widmen und aktiv werden.
Natürlich gehört hier die Bildungsarbeit mit hinzu, denn nur ein Projekt aufziehen allein genügt nicht. Es bedarf auch der Information, warum man dies tut und wie alle Mitmenschen dazu beitragen können, wie man mit der Natur und der Landschaft umgeht. Vorgesehen sind daher auch Vorträge, Führungen und Exkursionen.
Kein neuer, aber ein lange vernachlässigter Bereich, dem sich der Westerwald-Verein Selters gerne wieder annehmen möchte, ist die Aufgabe eines „Verschönerungsvereins“. Waren es doch die Verschönerungsvereine aus Selters, Altenkirchen, Grenzhausen und Montabaur, die sich am 6. Mai 1888 – also vor fast 135 Jahren – unter der Federführung des damaligen Königlichen Oberförsters Ernst Lade aus Selters – im damaligen Hotel Frohneberg (heute Westerwälder Hof, Kirchstraße) zusammenfanden, um den „Westerwaldklub“ (wie er sich zu Beginn nannte) zu gründen. Sie setzten sich zum Ziel, den Westerwald bekannt zu machen, Wanderwege anzulegen und zu markieren, Ruheplätze anzulegen, Schutzhütten zu errichten und Auskünfte über Ausflugsmöglichkeiten an die „Sommerfrischler“ (wie damals die Touristen genannt wurden) zu erteilen. Der Westerwaldklub vermittelte auch Unterkünfte. Er war also der erste tourismusfördernde Verband im Westerwald, um auch die Wirtschaft anzukurbeln. Das Wandern kam erst 1922 in die Vereinssatzung. Bis dahin hatte man bereits ausreichend viele Wanderwege durch den ganzen Westerwald angelegt. Dies ist vor allem den zahlreichen Zweigvereinen zu verdanken, die sich in den Folgejahren dem Westerwaldklub /Westerwald-Verein nach und nach anschlossen.
Hier sieht man eine Art Verpflichtung, sich diesen Aufgaben, in Kooperation mit der Stadt, wieder zu widmen. War doch Selters gut 100 Jahre „Luftkurort“. Nun, das wird man wohl wegen einiger fehlender Bedingungen nicht mehr erreichen, aber man kann vielleicht dazu beitragen, dass Selters noch lebenswerter wird, mehr Ruheplätze anlegen, wiederbeleben oder neu gestalten helfen. Den Fremdenverkehr im Ort wieder eine Grundlage zu geben und diese zu fördern, könnte lohnend für die Menschen in der Region und für die heimische Wirtschaft sowie die gesamte Stadt sein. Vielleicht für manche ein zweites Standbein? Die Nähe zur Seenplatte und die herrliche Landschaft, mit den ausgedehnten Wäldern, lädt noch immer zur Erholung ein.
Im Zusammenhang mit der „Zukunftswerkstatt Selters“ kann sich der Verein gut einbringen und mit den Bürgern und der Stadt – durch die Mitglieder – ein gutes und lebendiges Bindeglied sein.
Neue Mitglieder gesucht
Um all diese Ziele zu erreichen ist es natürlich wichtig, dass der Westerwald-Verein Selters neue Mitglieder bekommt, die bei der Bewältigung der Aufgaben aktiv mitwirken, anpacken und sich gerne einbringen wollen. Wer in einer Gemeinde wohnt, der lebt erst richtig hier – und ist ganz angekommen – wenn er sich in der Gemeinschaft einbringt. Der Westerwald-Verein ist nicht nur etwas für den Ur-Westerwälder, bei weitem nicht. Sie stehen allen Bürgerinnen und Bürgern offen, die sich hier wohlfühlen, die den Westerwald als Heimat gefunden haben und die darüber hinaus als offene Menschen etwas für ihre Heimat tun möchten. Über die Hompage: www.westerwald-verein-selters.de oder die Mailadresse: wwv.selters-ww@online.de erhält man Informationen bzw. die Beitrittserklärungen.
