Allgemeine Berichte | 04.08.2025, 08:56 Uhr

Bei der Baustelle in der Fußgängerzone von Bad Neuenahr kommt vieles zusammen:

Warum sich die Arbeiten in der Poststraße immer wieder verzögern

In der Poststraße in Bad Neuenahr wird schon länger gebaut - die Gründe dafür sind vielfältig.  Foto: ROB
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Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Bauarbeiten in der südlichen Poststraße in Bad Neuenahr ziehen sich weiter hin. Nachdem die Fertigstellung bereits mehrfach verschoben wurde, hatte man zuletzt mit einem Abschluss Ende Juli gerechnet. Doch kürzlich musste die Stadt einen weiteren Rückschlag verkünden: Der neue anvisierte Termin für die Fertigstellung liegt jetzt im September. Grund für die erneute Verzögerung ist die verspätete Lieferung der Pflastersteine – diese wurden aus China bezogen und befinden sich derzeit noch auf dem Seeweg.

Die Baustelle sorgt bei Anliegern und Einzelhändlern der Fußgängerzone längst für Frust. Auch die ausführende Firma Wahl schildert nun ihre Sicht der Dinge. Unternehmenssprecher Jürgen Ritter betont, dass die Ursachen für die Verzögerungen komplex und vielfältig seien - und insgesamt auch für die Firma Wahl sehr unbefriedigend. Die Herausforderungen auf der Baustelle seien durch verschiedene Faktoren bedingt, auf die die Baufirma nur bedingt Einfluss habe. Und: Es sind nicht nur die chinesischen Pflastersteine, an denen es hapert.

Ständig wechselnde Voraussetzungen

Im Gespräch mit BLICK aktuell legt Jürgen Ritter dar, wie es zu den massiven Zeitverlusten in Bad Neuenahrs Fußgängerzone kam. Wiederholte Änderungen an der Planung der Gas- und Wasserleitungen in der benachbarten Ahrstraße sowie unzureichende Grundlagenermittlung führten zu einem Rückstand von mehreren Wochen. Auch eine Verunreinigung des Trinkwassers in der Poststraße trug zum Stillstand bei und somit ein Umstand, der nicht im Verantwortungsbereich der Firma Wahl lag.

Weitere Verzögerungen ergaben sich durch unklare Grundlagen bei der Umverlegung eines Gasdruckreglers, einem höheren Grundwasserspiegel als erwartet sowie durch eine kurzfristig notwendige Umplanung der Schmutz- und Regenwasserkanäle. Die neuen Voraussetzungen machten nicht nur eine neue Grabentechnik erforderlich, sondern verursachten auch insgesamt einen erheblichen Mehraufwand. Zusätzliche, ursprünglich nicht eingeplante Hausanschlüsse sowie das Einziehen von Fernwärmeleitungen trugen ebenfalls zur Ausdehnung des Zeitplans bei. Hinzu kam die Erkenntnis, dass bestimmte Bauausführungen in der engen Innenstadt baulich nicht wie vorgesehen umsetzbar waren. Zudem versuchte man, den Interessen der ansässigen Gewerbetreibenden gerecht zu werden, was zu mehrfachen Anpassungen der Bau- und Verkehrsführung führte und den Ablauf weiter verzögerte.

Insgesamt summieren sich die einzelnen Ursachen auf einen Verzug von rund 32 Wochen – also etwa acht Monate. Jürgen Ritter betont, dass die Situation auch für die Firma Wahl unbefriedigend sei, verweist jedoch auf die Vielzahl externer und unerwarteter Einflüsse, die das Projekt immer wieder zurückgeworfen haben. Das Feedback seitens der Einzelhändler und Anwohner vor Ort sei durchweg allerdings positiv, wie Ritter betont. Der Elan der Baufirma, die Arbeiten trotz aller Widrigkeiten zügig und möglichst reibungsarm abzuschließen, stoße auf sehr viel wertschätzende Resonanz bei den Anliegern. „Dies ist uns auch ein sehr wichtiges Anliegen“, so der Unternehmenssprecher.

Lieferverzögerung bei Pflastersteinen als neuer Knackpunkt

Ein zentrales Hindernis bei der Fertigstellung der Bauarbeiten in der südlichen Poststraße ist die derzeit noch ausstehende Lieferung von Pflastersteinen, die aus China bezogen werden. Die Steine befinden sich weiterhin auf dem Seeweg und verzögern den Abschluss der Baumaßnahme. Bereits im Jahr 2024 hatte die Firma Wahl auf mögliche Risiken bei der Beschaffung aus Fernost hingewiesen und der Aufbaugesellschaft frühzeitig eine Alternative angeboten. Ein Lieferant aus Portugal wäre in der Lage gewesen, das benötigte Material kurzfristig auf dem Landweg bereitzustellen, betont Jürgen Ritter. Diese Option sei nicht nur logistisch einfacher gewesen, sondern hätte auch den Ansprüchen an eine ökologisch nachhaltige Bauweise besser entsprochen, ist sich Ritter sicher.

Im Rahmen eines Bemusterungstermins wurden beide Materialien – das chinesische und das portugiesische Pflaster – vergleichend betrachtet. Unterschiede in der Optik oder Qualität konnten dabei kaum festgestellt werden. Dennoch entschied sich der Auftraggeber letztlich für die Lieferung aus China. Allerdings wurde mit dem Zulieferer der Pflastersteine bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet und dies ohne jeglichen Konflikt. Die jetzige Situation gilt als Novum.

Somit kommt auf Bad Neuenahrs meist diskutierten Baustelle vieles zusammen - einen echten „Schuldigen“ für die unbefriedigende Situation als Gesamtes gibt es allerdings nicht. Mittlerweile gehe es aber auch in der Poststraße auch sichtbar voran - und das sei das Wichtigste. Für Jürgen Ritter steht indes fest: „Nun müssen alle Beteiligten gemeinsam an einem Strang ziehen, um das Projekt Poststraße erfolgreich und zum Wohle aller abzuschließen.“ ROB

In der Poststraße in Bad Neuenahr wird schon länger gebaut - die Gründe dafür sind vielfältig. Foto: ROB

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