Krankenhaus Maria Hilf bietet Patienten, die Gewalt erfahren haben, zahlreiche Hilfe an
,,Wege aus der Gewalt. Wir sind an Ihrer Seite!‘‘
Bad Neuenahr-Ahrweiler. „Oftmals ist unsere Notaufnahme die erste Anlaufstelle für Menschen, die Gewalt erlebt haben“, so Dr. Barbara Schlesinger. Besonders eindrücklich ist der Oberärztin der Gynäkologie eine Familie in Erinnerung, die 2015 ins Krankenhaus Maria Hilf kam. Weil sie von ihrem Mann verprügelt worden war, floh die junge Mutter nachts aus der gemeinsamen Wohnung. Schwer verletzt wurde sie von einem Krankenwagen aufgegriffen und in die Notaufnahme eingeliefert. Um ihre beiden kleinen Töchter zu schützen, die sie bei ihrer überstürzten Flucht in der Wohnung zurückgelassen hatte, wurden auch sie in die Klinik geholt. „Die Mutter haben wir medizinisch behandelt und zusätzlich informierten wir das Jugendamt“, erinnert sich die Theologin und Seelsorgerin Dr. Jutta Mader. „Gleichzeitig sahen wir aber, dass die Frau dringend weitere Unterstützung benötigte, waren aber ratlos, was wir ihr anbieten sollten.“
Um zukünftig Opfern von Gewalt kompetent weiterhelfen zu können, hat sich eine Arbeitsgruppe in den vergangenen Monaten intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt. „Denn als Mitarbeiter eines christlichen Krankenhauses gehört es zu unserem Selbstverständnis, Menschen ganzheitlich zu behandeln und in solchen Situationen nicht allein zu lassen“, so Jutta Mader. Deshalb organisierte das Krankenhaus Maria Hilf Anfang November einen Info-Tag ,,Wege aus der Gewalt. Wir sind an Ihrer Seite!‘‘ und stellte das breite Spektrum an Hilfsangeboten für Opfer von Gewalt vor. Beteiligt waren an diesem Info-Tag auch die Mitglieder des Regionalen Runden Tisches gegen Gewalt, eines Netzwerks, dem auch das Marienhaus Klinikum im Kreis Ahrweiler angehört.
Experten aus diesem Netzwerk haben die ärztlichen und pflegerischen Mitarbeiter des Krankenhauses im Umgang mit Menschen geschult, die Gewalt erfahren haben oder bei denen der Verdacht besteht, dass sie Opfer von Gewalt wurden. Dabei haben die Mitarbeiter unter anderem gelernt, typische Verletzungsmuster zu erkennen. Denn nicht immer geben Patienten zu, wenn sie von einem Angehörigen geschlagen wurden. Die Ausreden, sie seien eine Treppe herunterfallen, gestolpert oder gegen eine Tür gelaufen, hören die Mitarbeiter häufig. Manche Patienten schämen sich oder haben schlicht und einfach Angst zu erzählen, dass sie von einem Angehörigen attackiert wurden. Deshalb sei es wichtig, dass die Mitarbeiter aufmerksam sind, und die Patienten sensibel darauf ansprechen, wenn sie Verdacht schöpfen, die Verletzungen oder spezielle Krankheitsbilder könnten durch Gewalteinwirkung entstanden sein. In diesen Fällen nehmen sich die Mitarbeiter Zeit für ein Gespräch und vermitteln bei Bedarf Kontakte zu Experten in der Region. „Wir haben umfangreiches Informationsmaterial, das wir Betroffenen mitgeben“, so Jutta Mader. Sie gehört diesem Team aus eigens geschulten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern an, die auf Wunsch mit Patienten nach Gewalterfahrungen sprechen und diese beraten.
Darüber hinaus bietet das Haus Frauen, die Opfer einer Sexualstraftat geworden sind und sich in der akuten Situation nicht dazu entscheiden können, den Täter anzuzeigen, „in unserer gynäkologischen Ambulanz an, die Spuren der Tat anonym zu sichern, zu dokumentieren und so aufzubewahren, dass sie später einmal als Beweismittel dienen können“, so Dr. Josef Spanier, der Ärztliche Direktor und Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe. Während der Untersuchung, die wenn irgend möglich von einer Ärztin vorgenommen wird, werden auch Blut- und Urinproben entnommen, um zum Beispiel festzustellen, ob das Opfer KO-Tropfen erhalten hat. Bei der anonymen Spurensicherung, die in Rheinland-Pfalz nur noch an der Uniklinik Mainz, in Trier, Wittlich und Worms angeboten wird, erfährt die Polizei von all dem nichts.
Um die Spuren gerichtsfest zu sichern – so der Fachbegriff – arbeitet das Haus mit dem Institut für Rechtsmedizin der Uniklinik Mainz zusammen, wo die Proben auch bis zu fünf Jahren, und falls erforderlich noch länger, kostenlos aufbewahrt werden. Die betroffene Frau hat also Zeit, sich in Ruhe zu überlegen, ob und wann sie den Täter anzeigen möchte.
Pressemitteilung des Marienhaus Klinikums im Kreis Ahrweiler
Die Mitglieder der Arbeitsgruppe haben in den vergangenen Monaten verschiedenen Hilfsangebote für Patienten erarbeitet, die nach einer Gewalttat ins Krankenhaus kommen: (v. r.) Dr. Josef Spanier, der Chefarzt der Gynäkologie und Geburtshilfe, Dr. Jutta Mader, Seelsorgerin, Michaela Schäfer, die Leiterin der Zentralen Patientenaufnahme, Dr. Barbara Schlesinger, Oberärztin der Gynäkologie, die Krankenhausoberin Gaby Frömbgen und Benno Kastenholz, der Leiter des Qualitätsmanagements.Foto: Andrea Schulze
