Allgemeine Berichte | 25.11.2024

Gemeinschaftsfahrt führte zu den Grauen der Tötungsanstalt Hadamar

Wehret den Anfängen

Sie alle waren dabei beim Gedenken an die Euthanasieopfer in Hadamar. Foto: Uli Schmidt

Hadamar. Ende 1940 wurde die damalige Landesheilanstalt Hadamar in eine Tötungsanstalt umgebaut. Damit ging diese als eine von sechs „T4“-Gasmordanstalten in den dunkelsten Teil der deutschen Geschichte ein: im Keller der Anstalt wurden bis August 1941 über 10.000 für die Nazis „unnütze“ Menschen ermordet, auch aus dem Westerwald. Vier Vereine aus dem Buchfinkenland gingen jetzt mit 45 Personen den grauenvollen Ereignissen von damals vor Ort in der Gedenkstätte auf den Grund - und kamen ebenso geschockt wie nachdenklich zurück. Eingeladen zu der Gedenkfahrt hatten gemeinsam der VdK-Ortsverband Stelzenbach, der Förderverein des Seniorenzentrums Ignatius-Lötschert-Haus, die Spielvereinigung Horbach und der Westerwald-Verein Buchfinkenland. „Wehret den Anfängen – das ist heute wichtiger den je!“ Mit diesen Worten begrüßten Anja Siehoff und Olaf Neumann für die Gedenkstätte die Gäste aus dem Buchfinkenland und darüber hinaus. Beide führten danach die Besucher über zwei Stunden in zwei Gruppen durch den Ort des Gedenkens für die Opfer der Nazi-Euthanasie. Nicht ohne zu Beginn das Menschenbild der Naziverbrecher darzustellen: wer unnütz gewesen sei, habe dafür oft in Hadamar sterben müssen!

Mit Beginn des Jahres 1941 wurden die Menschen – die auch aus der Zwischenstation in den Anstalten Scheuern kamen – in grauen Bussen nach Hadamar gebracht und noch am selben Tag ermordet. Hintergrund für dieses grausame Vorgehen war, dass man keine unnützen Esser versorgen und die dafür sonst nötigen Ärzte und das Pflegepersonal für die Soldaten einsetzen wollte.

Besonders schockierend war bei den geführten Rundgängen der Einblick in den weitgehend erhaltenden Tötungsbereich im Keller. In einer als Duschraum getarnten Gaskammer wurden die vielen Frauen, Männer und auch Kinder mit Gas ermordet. Ihre Leichen wurden anschließend zu zwei eigens eingebauten Krematoriumsöfen über den Boden geschleift und verbrannt. Auf einem noch zu sehenden steinernen Seziertisch wurden einigen Leichen zuvor das Gehirn oder Wertgegenstände wie Goldzähne entnommen.

Ein Thema waren auch die vielen Täter und Täterinnen in der Mordanstalt. Echtes Entsetzen sah man in vielen Gesichter der Besucher/innen, nach dem Hinweis, dass es nach der Zehntausendsten Leiche für das Personal eine Feierstunde mit eine Extraportion Bier gab. Einige der Täter wurden im Portrait vorgestellt. Ebenso einige der Opfer, wie die jungen Frauen Anna Voss oder Paula Bottländer, denen beispielsweise ein vermeintlich sittenwidriges Verhalten zum Verhängnis wurde.

Im August 1941 wurden die Gasmorde zwischenzeitlich beendet, da man einen wachsenden Unmut in der Bevölkerung vermeiden wollte. Doch ein Jahr später begann die 2. Mordphase, bei der bis März 1945 weitere 4.500 Menschen ums Leben kamen. Unter dem Opfern waren dann zunehmend durch den Bombenkrieg verwirrte Menschen und sogar psychisch kranke Wehrmachts- und SS-Soldaten verloren in Hadamar ihr Leben. Auch ihr Handicap war, dass sie für das Regime nutzlos geworden waren. Diese wurde jedoch nicht mehr verbrannt, sondern in Massengräbern verscharrt. So konnte man vermeiden, dass die rauchenden Schornsteine der Krematorien weithin sichtbar waren.

In einer abschließenden Gesprächsrunde konnten alle Teilnehmenden ihre Meinung zu dem Gesehenen und Gehörten äußern. Eine Dame schilderte die Erzählung der Oma: „Man hat den Rauch des Schornsteins in Hadamar gesehen, hatte aber Angst was zu sagen“. Von einem Opa war die Aussage überliefert, dass man ins Haus musste, wenn die grauen Busse aus Hadamar unterwegs waren. Auch zur aktuellen Situation kamen viele Wortmeldungen, wie: „Wir dürfen heute nicht schweigen, damit sowas nie wieder in Deutschland passiert“ oder „Wir können nix für damals, sind aber heute für unser Handeln verantwortlich“. Geklagt wurde auch darüber, dass immer mehr Menschen heute Schluss machen wollen mit dem Erinnern an damals: „Wir müssen dafür sorgen, dass das Grauen von damals nicht vergessen und geleugnet wird und müssen heute Verantwortung übernehmen!“ Gefordert wurde mit Nachdruck, dass alle Jugendlichen über ihre Schulen einmal die Gedenkstätte in Hadamar besuchen sollten. Mit einem von Marcel Reif überlieferten Zitat seines Vaters beendete Hans-Dieter Wolf als Teilnehmer den Nachmittag: „Sei ein Mensch“. Einen besseren Abschluss konnte es nicht geben.

Für die einladenden Vereine dankte Uli Schmidt abschließend Olaf Neumann und Anja Siehoff für die eindrucksvollen Rundgänge und einfühlsame Schilderungen. Ein Ergebnis des Auswertungsgesprächs war auch, dass man künftig jährlich zu einer Gedenkfahrt mit einem Bus aus dem Buchfinkenland nach Hadamar starten will. Der nächste Termin am Sonntag, 9.11.2025 um 14.00 Uhr ist schon fest vereinbart – das ist dann mit dem Jahrestag der Reichspogromnacht ein besonders passender Tag. Auch kam der Vorschlag, doch mal eine Fahrt in die Gedenkstätte des KZ Buchenwald zu organisieren. Vereine, Einrichtungen und Organisation aus dem Buchfinkenland und darüber hinaus, die 2025 mit zur zweiten Fahrt nach Hadamar aufrufen wollen, können sich gerne melden unter uli@kleinkunst-mons-tabor.de.

Sie alle waren dabei beim Gedenken an die Euthanasieopfer in Hadamar. Foto: Uli Schmidt

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