Gitarrist Simon Wahl begeistert mit „Christmas time“ in der Synagoge
Weihnachtslieder - entstaubt und „vielsaitig“
Ahrweiler. Er ist im Ahrkreis kein Unbekannter, der aus Bonn stammende Gitarrist Simon Wahl. Der in Freiburg, Linz/Donau und Wien ausgebildete Virtuose hat seine musikalische Visitenkarte schön öfter hier abgegeben, eine treue Fangemeinde ist die Folge. Dieses Mal hatte der mittlerweile in Österreichs Hauptstadt lebende Musiker aber etwas anderes im Gepäck, seine Weihnachts-CD „Christmas time“. Stücke daraus und weitere Songs präsentierte der sympathische Künstler am Sonntagnachmittag in der vollen Ahrweiler Synagoge.
Das ehemalige Gotteshaus, heute Stätte der Kultur, war für das Konzert bestens hergerichtet. Organisator Gerd Weigl hatte das Umfeld gewohnt gut vorbereitet, das Weingut Kurth aus Bachem hatte dazu die passenden Getränken im Angebot. Umrahmt war die Location mit zahlreichen großformatigen Porträts des Musikers, die Norbert Schmitt noch vor der Pandemie gemacht hatte. Jetzt war es endlich möglich, diese Fotoausstellung zu zeigen, parallel zur Veranstaltung.
Simon aus der Simonstraße
Bereits am Vormittag hatte Simon Wahl dasselbe Programm im Alten Rathaus von Oberkassel gespielt, nur einen Steinwurf von der Simonstraße entfernt, wo er 1989 geboren wurde. „Das war aber nur die Probe, zum Aufwärmen für den Auftritt hier, damit die Finger beweglich sind“, erzählte er zu Beginn. Es sollte nicht die einzige humorvolle Note bleiben, die der Musiker einstreute.
Zwei Weihnachts-Klassiker standen am Anfang, „Es ist ein Ros´entsprungen“ und „Gloria in excelsis Deo“. Wahl ließ die beiden Stücke ineinander übergehen, hielt die Interpretation und das Arrangement dabei betont schlicht. In der puristischen Klarheit und Transparenz wurde die Brillanz dieser entstaubten Werke deutlich, die ohne den sonst üblichen, melodiösen Kitsch und Zuckerguss eine enorme Wirkung entfalten. Anders und technisch anspruchsvoller die faszinierende Version von „Leise rieselt der Schnee“, in der Flageolett-Töne eingesetzt werden, die wie Glocken klingen, der Musiker erläutert dies zuvor in einem kleinen Gitarren-Workshop.
Von der Klassik zum Jazz, Pop und Rock
Dass er auch jazzig kann, zeigt der Künstler beim Zuckowski-Hit „In der Weihnachtsbäckerei“. Und wer es noch nicht wusste, lernt: Maria trifft beim Gang durch den Dornwald die Red Hot Chillie Peppers, man muss nur genau hinhören. Auch Eigenkompositionen hatte der Wahl-Wiener im Gepäck. „Jahrmarkt“ beschrieb gut die Stimmung auf dem Weihnachtsmarkt, im Geiste sah man das Kinderkarussell drehen. Vor der Pause dann noch ein rockiger Schlenker zu Slade und ihrem „Merry Christmas Everybody“. Den zweiten Teil begann der Fingerstyle-Spezialist mit einem schwungvollen Rentier-Rudolph inklusive eingebautem Schneehasen und Jingle-Bells im Country-Stil. Beim anschließenden „Schlaflos“ gab der Komponist Einblicke in sein Familienleben, denn der Titel ist seit der Geburt des vor anderthalb Jahren geborenen Sohnes auch nachts Programm: „Vielleicht hätten wir den (tobenden) Tobi lieber (friedlichen) Fridolin nennen sollen...“ Da ist es kein Wunder, dass „Es wird schon glei dumpa“, eigentlich ein Schlaflied, täglich bei Familie Wahl läuft. Mit „Stille Nacht“, wieder in einer wunderbar zurückgenommenen Fassung, klang der besinnliche Teil aus. Dann kamen die Gypsie-Freunde beim Weihnachtssong von Django Reinhardt auf ihre Kosten.
Am Ende große Begeisterung des Publikums für den vielseitigen und „vielsaitigen“ Mann an der Akustikgitarre, der „Fingerpicking“, „Bass-Slapping“ und „Percussion“ mit traumwandlerischer Sicherheit und famoser Technik beherrscht.
Stephan Maria Glöckner, der die Begrüßung übernommen hatte und das Konzert moderierte, unterstützte den gefeierten Gitarristen bei den Zugaben sängerisch: Mit „Winter wonderland“ und die John Lennon-Hymne „Happy Christmas, war is over“ klang ein großartiger Konzertabend am ersten Advent passend aus.
SCHÜ
