Allgemeine Berichte | 09.02.2026, 11:43 Uhr

„Weinkonsum im Dienste der Volksgemeinschaft“

Winningen, die Terrassenmosel und ihre Weinpatenschaften im Dritten Reich

Winningen. Nie zuvor - und auch nie danach (!) - hat es in Deutschland eine gewaltigere Absatzaktion für die heimischen Winzer gegeben:

Unter der eingängigen Parole „Wein ist Volksgetränk!“ entfaltete das NS-Regime in den Friedensjahren des Dritten Reiches eine groß angelegte Weinpropaganda, die das Trinken deutschen Rebensaftes als geradezu nationale Tat beschwor.

Und mehr noch: Ab 1935 übernahmen annähernd 1.000 Städte vom Rheinland bis nach Hinterpommern besondere „Weinpatenschaften“ für einzelne Winzerorte, wobei im Rahmen eines im ganzen Reich stattfindenden „Festes der deutschen Traube und des Weines“ vom Parteiapparat der NSDAP allerorten volkstümliche Weinfeste und Umzüge organisiert worden waren.

Der Volksmund machte daraus rasch die Parole: „Saufen für den Führer!“ Tatsächlich wurde den deutschen Winzern damit seitens des Hitlerstaates eine propagandistische Aufmerksamkeit gewidmet, wie sie keiner anderen vergleichbaren Berufsgruppe in den Jahren der Hitlerdiktatur je zuteil geworden ist.

Dass es sich hierbei keineswegs um eine harmlose Absatzaktion im althergebrachten Sinne handelte, sondern die spezifische nationalsozialistische Weinpropaganda ideologisch vereinnahmt und seitens des NS-Regimes auch entsprechend instrumentalisiert wurde, verstand sich dabei ebenso von selbst, wie der Umstand, dass sogenannte „nichtarische“ Winzer, Weinhändler und auch Gaststättenbesitzer von dieser staatlichen Weinwerbung per se ausgeschlossen blieben...

Auch in allen Winzerorten an der gesamten Terrassenmosel beteiligte man sich tatkräftig an diesem staatlich verordneten einwöchigem Trinkgelage, wobei allein Winningen unter anderem die Städte Leverkusen, Kiel und Potsdam als absatzfreudige „Patenonkel“ zugeteilt worden waren. Und selbst auch im festlich mit Hakenkreuzfahnen geschmückten Koblenzer Weindorf sprach man auf Anweisung der Partei eifrig der „Weinhex“ zu…

„Weinkonsum im Dienste der Volksgemeinschaft“ so lautet folgerichtig das Thema eines Vortrages, in dem der Traben-Trarbacher Museumsleiter Dr. Christof Krieger diese ungewöhnliche nationalsozialistische Propagandaaktion vorstellen möchte. Nachdem der Historiker bereits am 18. Januar diesen Jahres in der Vinothek im Winninger Spital an das aktuelle Jubiläum des „Bernkasteler Finanzamtssturmes“ erinnert hatte, gibt er nun anhand bislang zumeist unveröffentlichter Quellen überraschende Einblicke in eine weithin unbekannte Seite der lokalen NS-Geschichte der Moselregion.

Der Vortrag baut zwar auf die im ersten Vortrag dargestellten Geschehnisse in der Weimarer Republik auf, ist aber thematisch so eigenständig, dass er auch von Gästen verfolgt werden kann, die den ersten Teil versäumt haben.

Sonntag, 1. März 2026, Vinothek im Winninger Spital, Beginn: 17 Uhr.

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