Acht Männer haben den Weinanbau Neuwied reaktiviert

Weißer Burgunder vom Irlicher Frauenberg

04.05.2017 - 16:13

Irlich. Am vorletzten Samstag wurde auf dem Irlicher Frauenberg mit dem Weinanbau begonnen. Wer hier an einen verspäteten Aprilscherz denkt oder eine Laune vermutet, unterschätzt die Tatkraft von acht Männern. „Wir werden damit in Zukunft Geld verdienen“, kündigt Dietmar Rieth an. Das ehemalige Landtagsmitglied ist mit Ulrich Adams die treibende Kraft hinter der Idee. Im Weinhaus Adams wurde auch das Interesse der meisten anderen Weinliebhaber geweckt. Weinanbau in Neuwied, das hat es durchaus, seit der Römerzeit, gegeben. Die Hobbywinzer kündigen an, sich mit der Historie noch intensiv beschäftigen zu wollen. Aufmerksamen Spaziergängern sind vielleicht die wilden Reben in Irlich schon aufgefallen? Bis 1914 gab es den Irlicher Frauenberger im Ausschank. Bis ins 19. Jahrhundert hatte es in Engers, in etwa da wo heute das Heinrich-Haus steht, eine Rebenveredlungsstation gegeben. Ferner berichtet Dietmar Rieth, dass die einstige Stadt Engers der Hauptumschlagsplatz und die Zollstelle für Wein war, der in Richtung Benelux und Britische Inseln ging. Bis zur Industrialisierung war Wein so etwas wie eine allseits anerkannte Währung gewesen. Eine Steillage, wie sie wohl früher in Irlich existierte, ist heute nicht entstanden. „Wir sind ja nicht mehr die Jüngsten“, schmunzelt Dietmar Rieth. Das Gefälle am Irlicher Frauenberg hält sich in Grenzen. Die Lage ist hervorragend. Die Ausrichtung des Grundstücks garantiert ganztägig Sonne. Die Vielzahl der kleinen Parzellen ist von verschiedenen Eigentümern auf 25 Jahre gepachtet. Damit alles sauber geregelt werden kann, haben die Männer die Neuwieder Wahrheit GbR gegründet. Ebenso wichtig wie die Lage der 5.050 Quadratmeter ist die Bodenbeschaffenheit. Der basische Boden mit hohem PH Wert und Bimsablagerung in tieferen Schichten ist ausgesprochen gut geeignet für Burgunder Sorten. Entschieden haben sich die Männer für einen weißen Burgunder. Mit dem Boden und der dafür geeigneten Weinsorte ist die Grundlage für einen guten Geschmack gegeben. Fehlt noch die Kellerei. Fündig geworden ist die Neuwieder Wahrheit an der Mosel. Ein Jungwinzer aus Kröv wird die Kellerwirtschaft übernehmen. Welches Know-how dahinter steckt, weiß Dietmar Rieth am besten. Er stammt aus einer Winzerfamilie und hat bis als junger Erwachsener im Weinanbau mitgeholfen. Mit 5.050 Quadratmeter, so berichtete er, konnte sich früher eine Familie durchaus ein Jahr lang über Wasser halten. Rund 3.000 Liter also circa 5.000 Flaschen möchten die Neuwieder ab 2020 auf den Markt bringen. „Idealerweise haben wir die Flaschen schon vor der Lese verkauft“, ist Dietmar Rieth zuversichtlich. Heimatfreund Lars Ebert hat noch einen anderen Ansporn. Im Jahr 2022 feiert Irlich sein 1.000-jähriges Bestehen. Was wäre besser zum Anstoßen geeignet, als ein heimischer Wein? Bis dahin ist noch viel Arbeit angesagt. Los ging es vorletzten Freitag, als die 2.100 Stück Reben von einer Maschine maschinell gesetzt wurden. Tags darauf trafen sich die Gesellschafter zum Wässern. Je nach Wetterlage nicht zum letzten Mal in diesem Jahr. Die Wege zwischen den Rebstöcken müssen in den nächsten Jahren noch luftig offen gehalten, sprich umgegraben werden. Wenn der Wein stabil ist, wird Gras zwischen den Reihen wachsen. Die Stockerziehung wird mittels Drahtanlagen vereinfacht. Den Wingert haben die Männer mit Elektrozaun geschützt. Es besteht nämlich die Gefahr, dass Rehe und Karnickel die jungen Triebe abfressen.


Aller Anfang ist schwer


Überrascht war die Neuwieder Wahrheit, wie schwer kommerzieller Weinanbau in Rheinland-Pfalz ist. Das zuständige Ministerium mochte die neue Fläche nicht genehmigen. Allerdings gesteht eine EU Verordnung einen Zuwachs der Anbauflächen von 1 Prozent vor. Bezugnehmend darauf, drohten die Neuwieder mit einer Klage vor dem Europäischen Gerichtshof. Mit Ulrich Adams, von Berufswegen Leiter des städtischen Rechtsamts, hat man Rechtsexperten in den eigenen Reihen. Vielleicht wusste das die Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz? Jedenfalls kam von ihr die Idee, einen nicht bewirtschaften Wingert zu roden.

Fündig und roden ließen die Neuwieder eine brachliegende Fläche in Zell. In Irlich ist nun ein Anfang gemacht. Nicht ausgeschlossen, dass die Anbaufläche in Zukunft erweitert wird. Dann könnte auch ein roter Burgunder angebaut werden. Und dann hat Dietmar Rieth noch einen Traum. Eine Straußwirtschaft, direkt am Wingert. Auf einen Namen für den Wein haben sich die Männer übrigens noch nicht geeinigt. Als Beiname darf es auch nur heißen, „deutscher Wein“, da Neuwied seine Rechte für den Weinanbau verloren hat. Zur Neubeantragung bedürfe es eines politischen Beschlusses. Dietmar Rieth ist zuversichtlich, dass es daran nicht scheitern wird. FF

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06.05.2017 05:53 Uhr
Heinz' Limbach

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