Allgemeine Berichte | 30.03.2017, 09:30 Uhr

Jehovas Zeugen Wachtberg

Weltweite Briefaktion für die Religionsfreiheit

Susanne Krüger im russischen Verwaltungszentrum von Jehovas Zeugen nahe St. Petersburg. JZ
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Wachtberg. Jehovas Zeugen aus Wachtberg und Bad Godesberg unterstützen eine weltweite Briefaktion, der über acht Millionen Zeugen Jehovas. Aufgrund des drohenden Verbots ihrer Glaubensausübung in Russland, wenden sie sich direkt an Vertreter des Kremls und des Obersten Gerichtshofes um Hilfe. Russlands Justizministerium hat beim Obersten Gerichtshof beantragt, „die Religionsorganisation, die Zentrale von Jehovas Zeugen, für extremistisch zu erklären, ihre Tätigkeit zu verbieten und sie aufzulösen.“ Der Oberste Gerichtshof wird sich Anfang April um 10 Uhr mit dem Auflösungsantrag befassen. Sollte der Oberste Gerichtshof diesem Antrag stattgeben, wird die Zentrale der Zeugen Jehovas bei St. Petersburg geschlossen. Anschließend würden rund 400 registrierte örtliche Rechtskörperschaften aufgelöst und die Gottesdienste von über 2.300 Gemeinden der Zeugen Jehovas in Russland für ungesetzlich erklärt. Das Eigentum des Zweigbüros sowie die Anbetungsstätten, die Jehovas Zeugen landesweit benutzen, könnten vom Staat beschlagnahmt werden. Außerdem würden sich einzelne Zeugen Jehovas nur durch ihre bloße Glaubensausübung strafbar machen – zum Beispiel nur wegen Gottesdienstbesuch, gemeinsamen Bibellesens oder Gespräche mit anderen über ihren Glauben. „Die Vorstellung, dass unsere Glaubensbrüder in Russland schon in Kürze wieder wegen ihres Glaubens verboten werden könnten, macht mich und meine Frau fassungslos“, so Gunter Schwenk von der örtlichen Gemeinde. „Jehovas Zeugen sind weltweit absolut friedliebende Menschen. Die Anklage des Extremismus ist völlig aus der Luft gegriffen. Natürlich stehen wir hinter unseren Glaubensbrüdern in Russland und beteiligen uns an dieser besonderen Briefaktion. Wir sind eine weltweite Bruderschaft, die zusammensteht.“ Martin und Susanne Krüger zeigen sich über die Situation in Russland ebenfalls sehr erschüttert. „Wir waren noch im letzten Jahr zu Besuch im russischen Verwaltungszentrum von Jehovas Zeugen in St. Petersburg. Obwohl die russische Regierung bereits damals den Import von Bibeln, sowie unsere Webseite verboten und mehrere lokale Anbetungsstätten geschlossen hatte, war von den dortigen Mitarbeitern kein einziges regierungskritisches Wort zu hören. Keine Spur von Extremismus. Durch die Briefaktion appellieren wir daher an die russische Regierung, ihren Bürgern die friedliche Religionsausübung zu gestatten. Dieses Recht ist Jehovas Zeugen vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte bereits mehrfach bestätigt worden.“ Wassilij Kalin, ein Vertreter der Zentrale in Russland erklärt: „Der größte Wunsch eines jeden Zeugen Jehovas ist, Gott ungestört anbeten zu können. Seit über 100 Jahren haben die Behörden in Russland dieses durch die Gesetze garantierte Recht mit Füßen getreten. Ich war noch ein Kind, als meine Familie unter Stalin nach Sibirien geschickt wurde, nur weil wir Zeugen Jehovas waren. Es ist traurig und verwerflich, dass meinen Kindern und Enkeln ein ähnliches Geschick widerfahren soll. Nie habe ich damit gerechnet, dass uns in Russland erneut religiöse Verfolgung droht.“

Susanne Krüger im russischen Verwaltungszentrum von Jehovas Zeugen nahe St. Petersburg. Foto: JZ

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