Allgemeine Berichte | 19.08.2021

Domkapitular und Frankfurter Stadtdekan Johannes zu Eltz predigte am Verlobten Tag

Weniger, aber umso fester glauben

Wirzenborn. „Die Zeiten sind vorbei. Die Geschichte hat uns wieder, oder sie. Wir sind Leute von heute, und wir sind Menschen wie alle.“ – Mit diesen Worten distanzierte sich der Frankfurter Stadtdekan und Domkapitular Johannes zu Eltz in seiner Festpredigt anlässlich des „Verlobten Tages“, dem Hochfest Mariä Himmelfahrt, vor den vor der Wallfahrtskapelle versammelten über 200 Gläubigen vom Anspruch absoluter Macht. „Die Zeit kirchlicher Herrschaft ist vorbei. Der gewaltige Triumphbogen der Macht, der sich seit Kaiser Konstantin im Jahr 313 aus dem Staub hob, sinkt in den Staub zurück.“ Dass der Machtanspruch des einstigen katholischen Milieus, wie er ihn noch selbst in seiner Kindheit kennengelernt habe, „vollkommen aus der Zeit gefallen“ sei, könne man auch daran ablesen, dass dieser nicht mehr mit kirchlichen Zwangsmitteln durchgesetzt oder mit gesellschaftlichen Sanktionen bekräftigt werde. „Er findet bei den allermeisten Gläubigen keinen Anklang mehr. Er stößt nicht mehr auf Bereitschaft zum Gehorsam, sondern weitgehend auf Unverständnis und Widerspruch“, zog zu Eltz eine nüchterne Bilanz.

Katholisches Milieu vorbei

Im 19. Jahrhundert habe sich die katholische Kirche in einer „Gegenwelt zur Moderne“ einrichten und eine perfekten Parallelgesellschaft“ bilden wollen. In diesem katholischen Milieu sei nicht alles schlecht gewesen. „Es waren vitale Kräfte darin, große Tugenden, eine zu Herzen gehende Schönheit vielerorts, und eine zarte Poesie“, würdigte zu Eltz die Vergangenheit. „Wenn es in ihren Gemeinden, in den Amtsstuben, in kirchlichen Einrichtungen, unter Katholiken aus anderen Ländern und Kulturen, noch welche gibt, die diesen Schuss nicht gehört haben, und die die Zeichen der Zeit nicht deuten können, dann sagen Sie es Ihnen doch freundlich, aber deutlich, wie man es im Westerwald kann. Allemol“

Evangelium in die Tat umsetzen

Er selbst glaube definitiv weniger als früher, bekannte er abschließend. Das „sagenhafte Zutrauen zur Kirche“ seit seinen Kindertagen bis in die Lebensmitte sei gewichen und an deren Stelle „viel Skepsis, und auch eine Art von Erschöpfung“ getreten. „Ich habe nicht mehr das Bedürfnis, alle Teil-, Unter- und Nebenwahrheiten des katholischen Glaubens wie ein heiliges Gewebe zu sehen, in dem kein Faden reißen und kein Knoten sich lösen darf, weil man sonst Angst haben muss, dass alles kaputt geht. Nein, man kann manches auch aussondern, weil es einem verkehrt erscheint, und man kann anderes beiseitelegen, weil es einem nichts sagt, zumindest im gegebenen Augenblick nicht.“ Freré Roger Schutz von Taizé habe dagegen empfohlen, das Wenige, was man vom Evangelium begriffen habe, und wenn es noch so wenig sei, in die Tat umzusetzen. Für zu Eltz heißt das: „Nicht ich habe ihn erwählt, sondern er hat mich erwählt. Nicht ich habe ihn geliebt, sondern er hat mich geliebt. Daran, liebe Gemeinde, glaube ich. Und daran möchte ich mit Gottes Hilfe auch festhalten.“

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