Allgemeine Berichte | 12.08.2015

Mittelalterliches Spektakel am Fuße der Tomburg

Wenn aus Knappen tapfere Ritter werden

Fein gewandete Burgfräulein und geharnischte Kämpfer gaben sich ein Stelldichein in Wormersdorf

In den liebevoll gefertigten Kostümen und schweren Rüstungen stellten sich die Ritter und Maiden zum Gruppenbild auf. WM

Wormersdorf. Wenn Kurzweil als Kurzweyl geschrieben wird, wenn markige Kampfrufe über die Felder schallen, mittelalterliche Leiern von Gefechten und Minnedienst künden, wenn fein gewandete Burgfräulein die edlen Fürsten umgarnen, Handwerker gar tödliches Werkzeug für den Feldzug anfertigen und sich die Ritter mit Kettenhemd und schwerem Helm gegen die Angriffe der Gegner wappnen, dann ist das Wochenende der Tomburg Ritter angesagt. So wieder erlebbar am Wochenende in Wormersdorf, wo der erste Ritter Jörg vom Schneewald mit seinen Recken, Knappen und Rittern sowie dem weiblichen Gefolge Hof hielt. Höhepunkt wie immer: der Ritterschlag am Samstagnachmittag. Vor 13 Jahren war diese ehrenvolle Zeremonie noch ein Erlebnis für wenige Zuschauer, jetzt marschierten Tomburg Ritter und zahlreiche Zuschauer voller Neugier Richtung Ruine, um unterhalb der Tomburg das bunte Spektakel zu erleben. Bereits zum 14. Mal wurde so ein Knappe zum Ritter „befördert“ - ein toll inszeniertes Ereignis.

Schon bewundernswert, wie die Ritter mit ihren bis zu 40 Kilogramm schweren Rüstungen den Bergfried hinauftrabten. So verwunderte es auch niemanden zu erfahren, dass auf den Kreuzzügen gen Jerusalem die tapferen Glaubenskrieger nicht so sehr unter den grausamen Schlägen der Gegner, sondern in der Mehrzahl unter den eisernen Panzern das Leben verloren. „Am lebendigen Leib in der Rüstung gekocht“, nannte es recht drastisch ein edler Herr. Doch auch die handfesten Waffen der Verteidiger hatten es in sich und beförderten die Gegner vom Leben zum Tode. Wie einfallsreich die Waffenschmiede damals todbringendes Werkzeug ersannen, war an zahlreichen Handwerkszelten zu sehen. Dass sie ihre Waffen sehr gut zu handhaben verstehen, demonstrierten die Tomburg Ritter zwei Tage lang bei Schaukämpfen. Und auch die Kleinen übten sich schon in der Waffentechnik, wobei lediglich Schwerter aus Holz geschwungen wurden. Es überwog der Ritterruf „Huld, Huld, Jubel“, der eine jede geschliffene Rede und jeden besonders heftig geführten Kampf beim Turnier begleitete. Dann folgte das obligatorische „Handgeklapper“.

Ein Anziehungspunkt für Romantiker und Traditionalisten

Das Heerlager mit mehr als 80 Zelten war wieder Anziehungspunkt für zahlreiche Romantiker, Traditionalisten, Freunde des Mittelalters oder einfach Wanderer und Familien, die ein paar nette und interessante Stunden erleben durften. Dass es statt Currywurst und Fritten dann eben Stockbrot und andere nicht so oft gekostete Spezialitäten gab, steigerte das Vergnügen erheblich. Auf der Weide am Fuße der Burgruine war buntes Treiben angesagt, und die Marketender hatten gut zu tun. Gruppen, die die Wormersdorfer Ritterschaft nun schon länger begleiten, waren die Kaisergarde Barbarossa, Freie Ritter zu Köln, die Bruchsaler Ritterschaft, Fang und Feder, Allefuit, Lion Corvus, Isarn Sifjar, Rin Hrekkjusvin, Erik von Flamersfeld und so mancher Freund mehr.

Zwei Knappen wurden in die Obhut ihrer Herren gegeben: Philipp aus dem Hause Geifentreu ging in die Dienste des Ritters Gerd zu den vier Winden, und Noah fand in Rolf von Geifentreu seinen neuen Herrn. Herold Daniel von Eben teilte in geschliffener und humorvoller Rede dem anwesenden Volke so manche Information zum feierlichen Tun mit. So erfuhren die modern Gewandeten, dass es auch schon mal ein langwieriges Unternehmen ist, einen Knappen in Dienst zu stellen. Und dass dann zur „Überzeugung“ auch schon mal viel Gold, ein Serrano Schinken sowie literweise Aufgesetzter den Besitzer wechseln können.

Die Familie derer vom Wiesengrund ist seit Jahren mit den Tomburg Rittern befreundet. Oberhaupt Hagen hatte sich als tapferer Kämpfer in zahlreichen Schlachten erwiesen, aber niemanden gefunden, der ihm die Ehre erwies, ihn zum Ritter zu schlagen. Jörg vom Schneewald, der erste Ritter der Tomburger, legte nun die schwere Klinge auf die Schultern von Hagen vom Wiesengrund. Und was folgte? Natürlich lautes „Handgeklapper“. Und weil die ergreifende Zeremonie so schön war, wurde sie am Wochenende gleich vielfach im Kleinen wiederholt. Viele junge Gäste des Festes wurden zum Ritter geschlagen, nach dem Erfüllen von vier Exerzitien wurden so aus Maiden und Knappen edle Ritter.

Was auffiel: Auch die Emanzipation ist inzwischen bei den Rittern eingekehrt, denn es gab auch weibliche Kämpfer in den schweren Rüstungen, die kräftig mit dem Schwert austeilten. Beim großen Turnier am Sonntagnachmittag behauptete sich eine Ritterin gegen die starke männliche Konkurrenz recht eindrucksvoll. Alles in allem ein wunderbares Wochenende hoch über Wormersdorf, bei dem wie immer die Akteure und die Zuschauer so richtig auf ihre Kosten kamen. Denn wie sehr die Ritter neben dem Jetzt auch die Zeit des Mittelalters leben, zeigten sie in ihren authentischen Kostümen und Rüstungen, in Handwerk, Dekorationen und dem ganzen Lebensstil.

„Doch wir übertreiben es auch nicht mit der Authentizität“, betonte der erste Ritter Jörg vom Schneewald. An erster Stelle stehe im Verein natürlich das Rittertum mit all seinen Facetten, doch direkt dahinter kommen Spaß und Geselligkeit. Dass sie mit Gleichgesinnten, Freunden und Gästen so richtig zünftig feiern können, bewiesen die Ritter auf jeden Fall.

Auch eine Ritterin durfte beim Turnier antreten und hielt sich tapfer.

Auch eine Ritterin durfte beim Turnier antreten und hielt sich tapfer.

In ein Feldlager mit viel Spiel und Musik hatte sich die Weide an der Tomburg verwandelt.

In ein Feldlager mit viel Spiel und Musik hatte sich die Weide an der Tomburg verwandelt.

In den liebevoll gefertigten Kostümen und schweren Rüstungen stellten sich die Ritter und Maiden zum Gruppenbild auf. Fotos: WM

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