Allgemeine Berichte | 12.01.2016

Suchtberatung des Diakonischen Werkes Rhein-Lahn hilft Betroffenen

Wenn der Spielautomat zum wichtigsten Freund wird

Neue Gefahr durch Wetten im Internet

Ulrike Bittner-Pommerenke, Leiterin des Diakonischen Werks Rhein-Lahn, und Mitarbeiter Werner Müß informierten den Bundestagsabgeordneten Detlev Pilger (SPD) über die Hilfsangebote der Einrichtung, insbesondere die Beratung von Glücksspielsucht (v.r.).

Bad Ems/Rhein-Lahn. Für große Geschenke unter dem Weihnachtsbaum haben sie kein Geld: Menschen, die unter einer Spielsucht leiden, manövrieren sich und ihre Familien in finanzielle Notlagen. Was manchmal harmlos beginnt, endet auch im Rhein-Lahn-Kreis oft in tiefen psychischen Krisen. Ehescheidungen, Überschuldung, Gehaltspfändungen und tiefe Depressionen, die bis zum Suizidversuch führen können, sind auch in den Gemeinden des Rhein-Lahn-Kreises oft die Folge von Spielsucht. Das berichtete Werner Müß vom Diakonischen Werk Rhein-Lahn dem Bundestagsabgeordneten Detlev Pilger (SPD). Der besuchte die Zentrale des Diakonischen Werkes Rhein-Lahn in Bad Ems, um sich über die Problematik und die Wirkung der Gesetzeslage zu informieren, die nach dem deutschen Glücksspiel-Staatsvertrag Sache der Länder ist. 90 Prozent der Spielsüchtigen verspielten ihr Geld und ihre Zukunft an Automaten, so Müß. Grundsätzlich positiv wertete er die Änderungen des Landesglücksspielgesetzes im vergangenen Jahr mit den neuen eingeschränkten Öffnungszeiten für Spielhallen, die nun zwischen 2 und 8 Uhr geschlossen bleiben müssen. „Wer morgens um 6 Uhr schon vor dem Automaten steht, ist krank“, weiß Müß. Noch hilfreicher sei die Möglichkeit, sich selbst sperren zu lassen. Eine landesweit zentrale Sperrdatei soll den Spielsüchtigen vor dem Betreten von Spielhallen schützen, denn dessen Personal ist dazu verpflichtet, sich von jedem Gast einen Ausweis zeigen zu lassen, erklärte Müß dem Abgeordneten. „Das ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, von der Sucht loszukommen.“

Illegale Wettangebote im Internet

Sorge bereitet dem Glücksspielsucht-Berater das boomende Angebot von illegalen Wettangeboten im Internet, wo die soziale Kontrolle wie etwa am Automat in einer Gaststätte völlig ausgeschaltet ist. „Die legalen Sportwetten bergen schon ein hohes Suchtpotenzial“, so Müß. Mittlerweile könne aber über ausländische Anbieter auf jedes Sportereignis in der Welt „live“ gewettet werden noch dazu in allen Varianten, ob aufs nächste Foul oder die nächste Rote Karte. „Das gibt vielen einen besonderen Kick.“ Ob in der Spielhalle oder im Internet – die engste Zusammenarbeit bei der Beratung seiner Klienten im Kreis pflegt Müß mit der Schuldnerberatung des Diakonischen Werkes. „Ich kenne Leute, die an einem Automaten 50.000 Euro verloren haben.“ Die Tasten würden das Gefühl vermitteln, die Kontrolle zu haben, „und am Schlimmsten sind die Gewinne“. Mit einer adäquaten ambulanten oder stationären Behandlung stünden die Chancen gut, von der Sucht loszukommen. Zwischen 20 und 30 Beratungsfälle verbucht Müß jedes Jahr, was allerdings nichts über die tatsächliche Zahl Spielsüchtiger im Kreis aussage.

Netzwerke der Beratung

 Müß berichtete Pilger auch über im Kreis und mit den benachbarten Kommunen bestehende Netzwerke der Beratung und Hilfe. Wichtig sei die Präventionsarbeit etwa an Schulen, aber auch für Gemeinden und andere Interessenten. Der auch in der Kommunalpolitik beheimatete Bundestagsabgeordnete wusste um die Herausforderung der Beratungsarbeit. „Die Finanzierung fällt meist in den Bereich freiwilliger Leistungen, die sich ja kaum noch eine Kommune leisten darf“, so Pilger. Schon die Förderung in der normalen Suchtberatung sei verbesserungswürdig, um Betroffene nicht im Regen stehen zu lassen. Pilger: „Es gibt Aufgaben, die sollten einfach zum Pflichtprogramm gehören.“

Diakonisches Werk Rhein-Lahn

Wo in der diakonischen Arbeit noch der Schuh drückt, das erläuterte die Leiterin des Diakonischen Werks Rhein-Lahn, Ulrike Bittner-Pommerenke dem Politiker. Dazu zählten nicht nur die immer wieder angemahnten Änderungen in der Hartz-IV-Gesetzgebung. Auch die Tafeln stießen an ihre Grenzen, wenn die Schere zwischen Arm und Reich weiterhin so auseinanderklaffe; von den Herausforderungen, die die Zahl von Flüchtlingen auch für die Tafelarbeit bedeute, ganz zu schweigen. Bittner-Pommerenke: „Unsere Kapazitäten sind erschöpft.“

Zuvor hatte die Leiterin Pilger die einzelnen Arbeitsbereiche des Diakonischen Werks Rhein-Lahn vorgestellt, unter dessen Dach im Rhein-Lahn-Kreis derzeit 18 Personen arbeiten. Das Angebot reicht von der Schwangerenkonfliktberatung über die Fachstelle für Suchthilfe, Jugendberatung, den Jugendmigrationsdienst, Schuldner- und Insolvenzberatung sowie einer Kontaktstelle für psychisch kranke Menschen bis hin zur allgemeinen Lebens- und Sozialberatung, in die auch die Beratung über Sozialhilfeleistungen fällt. „Vor zehn Jahren wurde mit Hartz IV das Sozialhilfegesetz geändert, das Ziel aber nicht erreicht“, so Bittner-Pommerenke. „Ein für unsere Verhältnisse menschenwürdiges Existenzminimum ist nicht erreichbar.“

Pressemeldung

Evangelische

Öffentlichkeitsarbeit Rhein-Lahn

Ulrike Bittner-Pommerenke, Leiterin des Diakonischen Werks Rhein-Lahn, und Mitarbeiter Werner Müß informierten den Bundestagsabgeordneten Detlev Pilger (SPD) über die Hilfsangebote der Einrichtung, insbesondere die Beratung von Glücksspielsucht (v.r.).

Artikel melden

? Vielen Dank! Ihre Meldung wurde erfolgreich versendet.
? Es gab einen Fehler beim Versenden. Bitte versuchen Sie es später erneut.
Kommentare
Bildergalerien
Neueste Artikel-Kommentare
  • Lena: Diversität ist wichtig: Der Wolf reguliert Überpopulationen ( z.B. Schwarzwild, Rehwild). Für schlecht geschützte Herdentiere sind die Besitzer verantwortlich.
  • Peter 1: Trotzdem ist der Wolf hier vollkommen überflüssig.
  • Walter Miller : Ein verpixeltes Bild von der durch den Wolf getöteten Ziege. Was will man damit ausdrücken ? Das ein Wolf besonders grausam ist ? Er ist ein Geschöpf der Natur - nicht mehr und nicht weniger. Im Gegensatz zu den 467.000 Jägern in Deutschland.
  • Michael Geiger, 56337 Eitelborn: Michael Geiger, Leider kann ich die Losnummern aus der Ziehung vom 28.03.26 im Globus Bubenheim nicht finden.. Warum nicht
  • Dietmar Gläsener: Leider kann ich meine Gewinnlos Nummern , Ziehung vom 28.03.26 im Clobus in KO-Bubenheim nicht abrufen im Internet. Woran liegt es? D. Gläsener, 56237 Nauort
  • S. Bastian: Herr Winkelmann, Sie werden doch ihren eigenen Artikel kennen. Zitat: "Verbandsbürgermeister Jan Ermtraud machte in einer Rede deutlich, dass die Maßnahmenliste einerseits das Ergebnis eines vertrauensvollen...
  • Andreas Winkelmann: Hallo Frau Roth, von "vertrauensvoll" steht nichts im Bericht. Und die veränderte Maßnahmenreihenfolge ist ausdrücklich erwähnt. Gleich zu Anfang ist auf die dem Ratsinformationssystem zu entnehmenden Details verwiesen, wo u..a.
  • Dagmar Both: Guten Morgen Herr Winkelmann, herzlichen Dank für ihre Berichterstattung. Wenn sie von einer vertrauensvollen Abstimmung im Abstimmungsprozess zum Sondervermögen berichten, - dann gilt dies leider nicht für die Freien Wähler.
Dauerauftrag 2026
Daueranzeige
Anzeige "Rund ums Haus"
Innovatives rund um Andernach
Innovatives rund um Andernach
Oster-Anzeige
Imageanzeige Dauerauftrag 04/2026
Koblenz blüht // Frohe Ostern 2026
Titelanzeige
Empfohlene Artikel
Weitere Artikel
Die Verkehrssituation an der Aloisius-Grundschule stresst die Anwohnerschaft. Foto: ROB
2294

Immer wieder kommt es zu kritischen „Manövern“: Auch die Stadtverwaltung sieht zunehmende Belastung:

HeimatCheck: Ahrweiler: Eltern-Taxis stressen alle

Ahrweiler. Seit mehreren Jahren steht die Aloisius-Grundschule vor einer wachsenden Herausforderung: dem zunehmenden Verkehrsaufkommen durch sogenannte „Elterntaxis“. Leser von BLICK aktuell berichten, dass sich die Situation trotz wiederholter Hinweise und Appelle bislang nicht verbessert habe. Insbesondere zu den morgendlichen Bringzeiten sowie am Mittag beim Abholen der Kinder kommt es regelmäßig zu kritischen Verkehrssituationen rund um das Schulgelände.

Weiterlesen

Symbolbild. Foto: Adobe Stock
134

Bonn. Am kommenden Samstag (04.04.2026) findet in Beuel und in der Bonner Innenstadt der „Bonner Ostermarsch 2026“ statt. Zu dieser Friedensdemonstration erwarten die Veranstalter rund 500 Teilnehmende. Die Versammlung beginnt um 13:00 Uhr auf dem Mirecourtplatz am Beueler Rheinufer. Von dort aus ist folgender Aufzugsweg vorgesehen:

Weiterlesen

Monatliche Anzeige
Rund um´s Haus
Anzeige Haushaltsauflösungen und Ankauf
Essen auf Rädern
Kreishandwerkerschaft
Alles rund ums Haus
Doppelseite PR/Anzeigen
Titel
Maschinenbediener, Staplerfahrer
Anlagenmechaniker
Tag der offenen Tür
fit für`s Alter?
Stellenanzeige mehrere Stellen
Anzeigenauftrag FMP-1P9L0-AD-351131
Angebotsanzeige (April)
Imageanzeige - Ostern