Bernd Stelter begeistert mit Liederabend in Remagen
„Wer Lieder hat, braucht keinen Therapeuten“
Nachdenkliche Lieder überzeugen Remagener Publikum
Remagen. „Wer Lieder hat, braucht keinen Therapeuten“, so die Überschrift zu dem Programm, mit dem Bernd Stelter derzeit über die Bühnen der Republik zieht. So auch in Remagen, wo er am vergangenen Freitag vor rund 800 Zuschauern spielte und am Ende frenetisch gefeiert wurde. Als Intro gab es „Ich hab drei Haare auf der Brust“ und der eine oder andere dachte in diesem Moment, es gibt halt ein nettes Programm aus den Büttenauftritten des Künstlers der letzten 30 Jahre. Doch weit gefehlt, den Großteil des Programms machten ruhige und nachdenkliche Lieder aus, welche aus der jeweiligen Lebenssituation von Bernd Stelter stammten.
Er sollte Pastor werden
Bereits mit 15 Jahren schrieb er seine ersten Songs zur Gitarre, klar um damit die Mädels zu beeindrucken. Sehr zum Unwillen seiner Eltern, wollte doch die Mutter, dass er Pastor wird und der Vater wäre ja schon mit Organist zufrieden gewesen, aber Gitarre wurde dann doch eher kritisch gesehen. Das mit den Mädels klappte aber eher bei den anderen und das Thema Pubertät nahm er sich nochmals zum Thema. Klar das sind Veränderungen im Gehirn, die zum Chaos führen, aber sich irgendwie auch auflösen, so wie die täglichen Staus auf dem Kölner Autobahnring. Und es gab ja diese unsäglich traurigen Momente, wo ein Mädel mit Bernd Stelter Schluss gemacht hat und dies war stets ein Grund ein Lied zu schreiben. Die Zielsetzung war klar, richtig gut war das Lied dann, wenn die Verflossene dann sechs Wochen heulte. Großes Vorbild hier die Sängerin Adele, welche sogar auf zwei Alben eine einzige verflossene Liebe verarbeitete. So schrieb Bernd Stelter seinen Song „Abschied“, voller Melancholie und sehr nachdenklich wo er das Ende beschreibt, wenn der Traum im Misstrauen ertrinkt und die Angst vor der Gleichgültigkeit in die Beziehung eindringt. Damals als es noch kein Tinder oder Paarship gab. Wobei er die Werbung von Paarship auseinandernahm. Dort verliebt sich ja alle 11 Sekunden jemand, bei einer Teilnehmerzahl von fünf Mio. Nutzern. Das wären im Jahr 52.564 Paare, blöd nur, dass es nichts nutzt, wenn sich jemand verliebt und das Gegenüber dies nicht erwidert. Letztlich liegt die statistische Wahrscheinlichkeit dann bei weniger als ein Prozent.
Trinklieder
Da wäre dann ja noch das Trinken als Alternative, aber es gibt ja in Deutschland keine Trinklieder mehr. Selbst die berühmte Karawane der Höhner zieht ja weiter, statt sich einen hinter die Binde zu kippen. Da empfiehlt Bernd Stelter mal den Ausflug nach Schottland, schließlich heißt es nicht umsonst „Die Schotten sind dicht“. Und er macht einen Song über die Weingegenden dieser Welt, die Ahr lässt er dabei freilich nicht aus, da wird dann direkt der passende „Wein us de Lameng“ eines Dernauer Winzers genannt, der glücklich macht. Das Motto von Bernd Stelter lautet „Ohne Wein lebt man nicht länger; es kommt einem nur länger vor.“ Doch irgendwann klappte es auch bei Bernd Stelter mit Frau, Nachwuchs und dem Urlaub in Holland und so erlebte er dann auch die Pubertät mit seinen Kindern. Und überlebte den 50. Geburtstag was ihn zu seinem nächsten Song brachte „Männer über 50“ und die damit verbundenen Ungerechtigkeiten. Denn wann braucht der Mann eigentlich den Porsche vor der Tür ? Eigentlich mit Ende 20, aber da reichen meist die finanziellen Mittel nicht aus. Wenn man dann aber das nötige Kleingeld hat, ist meistens die 50 überschritten und dann sieht das auch nicht mehr so richtig cool aus, je nachdem wie man sich dann aus dem Sportwagen beim Aussteigen quält. Wobei Männer über 50 sich ja dann in Konsequenz die 1A Havanna sowie den exquisiten Rotwein gönnen.
Augen auf bei der Berufswahl
Logisch, wie Bernd Stelter in seinem Lied erzählt, den Zigaretten und Bier hat der Arzt ja längst verboten. Augen auf bei der Berufswahl, dieses Thema wollte Bernd Stelter auch seinen Kindern mit auf den Weg geben und eigentlich gehen ja alle Berufe außer dem des Lehrers. Aus seiner Sicht wollen viele Lehrer heute vor allem sichere Berufe und schulen deshalb um auf Geldtransporterfahrer oder GSG 9. So ging es weiter durch den Abend und er sang von seinem geliebten Elternhaus und von seinem Leben als Clown, und das er ja gar nichts anderes sein wollte. Aber was ist Bernd Stelter, an dieser Frage haben sich schon viele abgearbeitet, wie er selber auf der Bühne erzählte. Der Werbefachmann aus dem Karneval, der ehemalige WDR-4 Moderator, Liedermacher, Komiker, Comedian, Kabarettist. Alles passt und nichts passt so richtig. Bernd Stelter erzählt Geschichten aus dem Leben und von sich selber, stets mit Augenzwinkern und gepaart mit rheinischem Humor. Und ohne Verletzungen, aber mit viel Neugierde auf das Leben und auch auf seine Mitmenschen. Und wie immer man es nennen mag, es sind noch immer „Geschichten aus der Vorstadt“ wie eines seiner ältesten Programme heißt. Aber sie sind gut, aktuell und wenn jemand deutlich länger als zwei Stunden Programm auf der Bühne macht, anschließend sich noch die Zeit nimmt, wirklich jeden Autogramm- und Fotowunsch zu erfüllen, dann darf man wohl von einem großen Künstler sprechen. Sahen die Remagener genauso und verabschiedeten Bernd Stelter mit stehenden Applaus. STF
