Allgemeine Berichte | 26.01.2026

Leserbrief zur Umgestaltung der Laurentiuskirche in Ahrweiler

WiderSPRUCH: Das neue Kleid von Sankt Laurentius

Seit nunmehr fast einem halben Jahr ist unsere Pfarrkirche Sankt Laurentius im Herzen von Ahrweiler nach der schrecklichen Flut wiedereröffnet worden. Gerade in dieser schweren Zeit haben viele Menschen diesen Ort sehr vermisst. Endlich hat sie ihre Tore wieder geöffnet und so konnte in diesem Jahr das Patronatsfest der Bürgerschützen dort wieder begangen werden.

Bei dem Festgottesdienst wurde im Rahmen der Predigt das neue Gewand des Kircheninnenraums, nicht nur mit Worten, neu beleuchtet. Die Kirche erstrahle nun heller, sie eröffne einen weiten Blick, klare monotone Wände lenkten nicht mehr von der Schönheit der Architektur ab, der neue Radleuchter über dem Altar und der Leuchtstab über dem Taufbecken glichen einer Verbindung zwischen Himmel und Erde, ebenso der neue, tonnenschwere Zelebrationsalter mit der durchkreuzten Wasserlinie. Die mobilen Sitzmöglichkeiten ermöglichen es dem Gläubigen bzw. dem Besucher, sich frei im Kirchenraum niederzulassen.

Ja, so kann man den neugestalteten Kirchenraum wahrnehmen, für andere in unserer Gemeinde ist die Umgestaltung aber ein regelrechter Schock gewesen. Und für diese, zu denen ich freilich auch gehöre, will ich einmal die Stimme erheben, da dies im Rahmen einer Predigt doch eher unschicklich gewesen wäre.

Mit Verlaub, dem begeisterten Worten der Predigt vermag ich nicht zu folgen. Wie viel Vertrautes, wie viel Gestiftetes, wie viel über Jahrzehnte und Jahrhunderte Gewachsenes ist einer brachialen Neuerungswut geopfert worden!

Im Chorraum vermag man nur noch ein kleines Tragkreuz wahrzunehmen. Das in den achtziger Jahren gestiftete große Chorbogenkreuz, eine Kopie des gotischen Kreuzes von Sankt Maria im Capitol in Köln, wurde entfernt und fristet sein Dasein abgestellt im Nebenraum der Zehntscheune, wohl weil es den Blick auf den Radleuchter und den Leuchtstab „gestört“ hätte. Wie viele Ehen wurden unter diesem Kreuz gesegnet, wie viele Gebete mit Blick auf dieses Kreuz an den Herrgott gerichtet.

Der Chorraum, einst liebevoll, warm und harmonisch abgestimmt auf die Fenster in den neunziger Jahren von Malermeister Ulrich unter Dechant Mettel gestaltet, erscheint nun in einem kühlen monochromen Grau. Verschwunden – nicht durch die Flut, sondern aus Vorsatz - ist das Chorgestühl, das mit Unterbrechung über 100 Jahre im Chorraum gestanden hat und Generationen von Priestern und Messdienern genügte. Auch die vier Kirchenheiligen vom früheren barocken Hochaltar (Anfang des 18.Jh.) - also für den Chorraum geschaffen - sind nicht mehr als Einheit zu erleben, die Heilige Helena und der Heilige Josef wurden auf die Säulenrückseiten verbannt.Gnadenlos zerstückelt wurde die Kommunionbank von 1779, eine Kommunionbank die ihres Gleichen suchen musste. Das Mittelstück steht nun wie verloren vor dem Altarraum, jeder Farbigkeit beraubt, die beiden Seitenteile wurden auf die Emporen verbannt, wo sie, jedes Sinnes beraubt, an den Wänden wie verloren stehen. Beraubt wurden auch die Seitenschiffe, sowohl ihrer Farbigkeit wie auch ihrer Bänke. Dafür nun mobile Stühle, die kaum zu tragen sind und von denen nur einige Kniebänke haben. Das als „Weite“ geschilderte, ist für mich eine „Leere“, die von den Klappstühlen nicht zu füllen ist. Auch hier ist das Gefühl der Kälte vorherrschend. Verstärkt wird dies auch dadurch, dass die verbliebenden Kirchenbänke im Mittelschiff nicht mehr auf einem Holzboden, sondern auf dem Steinboden stehen. Die mobile Bestuhlung soll wohl einer flexiblen Nutzung des Kirchenraums dienen. Brauchen wir aber wirklich eine Bürgerhalle 2.0? Muss die Kirche zum Eventraum werden? Hier fällt mir ein Spruch des dänischen Philosophen Kierkegaard (1813-1855) ein: „Wer sich mit dem Zeitgeist vermählt, wird bald Witwer sein.“ Die Kirche wurde dem Zeitgeist angepasst, kühl und sachlich, der Tradition enthoben. Wer stiftet für St. Laurentius noch, wenn so mit Stiftergut umgegangen wird? Mit der Geldsumme, die die Gemeinde/Stiftung für den jetzigen Umbau der Kirche gezahlt hat, hätte diese rund 10 Jahre beheizt werden können.

Das Schlimmste aber für mich ist die Spaltung der Gemeinde, und offensichtlich empfinde ich nicht alleine so, wenn ich die Gespräche der Schützenbrüder im Anschluss an das Hochamt gehört habe. Wie viele kennen wir, die erklären, dass sie, wenn überhaupt noch, nur mit Trauer und düsteren Emotionen in unsere Kirche gehen. Diese Gläubigen wurde im Patronatsgottesdienst der Schützen bei der selbstgefälligen „Bejubelung“ des Kirchenumbaus nicht eingebunden, im Gegenteil – und so ist es zu diesem Leserbrief gekommen…

Im wieder hören auch wir das Argument, dass sich die Kirche verändern muss. Dem ist voll und ganz zuzustimmen: Die Kirche - aber doch nicht das Gebäude! Eingedenk der für mich eindrücklichen Predigt kann ich nur mit einer Replik aus Andersens Märchen „Des Kaisers neuen Kleider“ fragen: „Sieht denn keiner, dass Sankt Laurentius nackt ist?“

Hilko Pacyna-Heinen

Ahrweiler

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Kommentare
03.02.202613:49 Uhr
Dietmar Muenster

Alles in allem bin ich sehr enttäuscht,was ist aus der schönen Kirche bloß geworden?

01.02.202613:09 Uhr
Anna-Maria Smits

Sehr geehrter Herr Pacyna-Heinen ,
Was ist der Sinn dieser verspäteten Kritik? Wissen Sie wieviel Arbeit es ist, eine Kirche zu restaurieren? Unsere Martin-Luther-Kirche ist von der Wiedereröffnung noch weit entfernt. Ich vermisse in Ihrem Beitrag ein Wort des Dankes, dass Sie so schnell wieder einen wunderschönen Ort haben,an dem Sie zusammen mit Ihrer ganzen Gemeinde Gottesdienst feiern können.
Haben Sie als Heimatverein rechtzeitig eigene Vorschläge zur Restauriering der Kirche eingereicht? Eine Kirche ist kein Museum. Fühlen Sie sich in Ihren Gebeten gestört,wenn die Wände eine andere Farbe haben, als Sie erwarten? Was Ihre Trauer um die verkürzten Kommunionbänke betrifft: die sonntäglichen Eucharistiefeier war seit dem ersten Jahrhundert ein gewöhnliches gemeinsames Essen, das liegend oder sitzend eingenommen wurde, knieend erst seit dem 11. Jahrhundert. Anna-Maria Smits, Religionswissenschaftlerin

Andreas Ludwig-Koch antwortete am 04.02.202616:26 Uhr

Sehr geehrte Frau Schmitz,
Ihre Ausführungen haben weniger mit Religionswissenschaft u. neutraler Historiographie zu tun, als mit protestantischer Hermeneutik. Die frühchristliche Eucharistie war zwar in Mahlform gestaltet, wurde jedoch bereits im Neuen Testament u. in der frühesten nachapostolischen Literatur eindeutig von gewöhnlichen Mahlzeiten unterschieden und als sakrale Handlung mit Opfer- und Realpräsenzbezug verstanden.
Die im Hochmittelalter verbreitete Kniekommunion ist der rituelle Ausdruck einer bereits lange bestehenden eucharistischen Theologie, deren dogmatische Präzisierung mit der Transsubstantiationslehre einen erklärenden, nicht innovativen Charakter besitzt. Die Eucharistie wird schon in der Alten Kirche als unblutiges Opfer verstanden – Paulus unterscheidet deutlich zwischen t? de?p??? ????a??? (Herrenmahl) und gewöhnlichem Mahl ((1 Kor 11,20-22). ~ Andreas Ludwig-Koch, Religionswissenschaftler

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