Allgemeine Berichte | 29.05.2019

Hoch aktueller und interessanter Vortrag von Fregattenkapitän a. D. Dr. Heinrich Walle

Widerstand fängt im Kleinen an!

Referent Dr. Heinrich Walle (links).Foto: Hans-Joachim Unger

Meckenheim. Der Widerstand in Nazideutschland und dessen langwierige und oft schwierige Aufarbeitung nach dem Zweiten Weltkrieg war ein spannendes Thema zu dem der Deutsche Bundeswehrverband im Mai eingeladen hatte. Oberstleutnant a. D. Hans-J. Unger, Regionalbeauftragter des Deutschen Bundeswehrverbandes, freute sich, Fregattenkapitän a. D. Dr. Heinrich Walle als Referenten begrüßen zu können. Dr. phil. Heinrich Walle hat Geschichte studiert und nach seiner Pensionierung katholische Theologie. Während seiner Zeit als Soldat hat er viele Jahre am Militärgeschichtchen Forschungsamt gearbeitet. Hier hatte er exklusiven Zugang zu vielen Dokumenten und Gerichtsakten zu dem Fall des Ubootkommandanten Oskar Kusch, der beispielhaft besprochen wurde. Neben den Dokumenten hatte der Vortragende aber auch die Gelegenheit mit Zeitzeugen zu sprechen. Für seine herausragenden Verdienste für die Aufarbeitung diverser historischer Sachverhalte wurde Dr. Walle 1987 mit der Ben Gurion Medaille des States Israel und dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet. 2013 erhielt er das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Zweimal zum Tode verurteilt

Die Tragödie des Oskar Kusch vor 75 Jahren: Die Umstände eines bemerkenswerten Falles der Militärjustiz von 1944 und die dann erfolgte Bearbeitung durch die Gerichte der jungen Bundesrepublik von 1950 beschäftigte Dr. Walle über Jahre. Das Ergebnis seiner Recherchen zu diesem Thema veröffentlichte er 1995 in einem Buch. Durch seine Recherchen konnte erstmals der Beweis geführt werden, dass die Militärjustiz 1944 keineswegs unabhängig war, wie sie nach dem Krieg versuchte Glauben zu machen. „Hier gelang erstmalig der Beweis, dass die Justiz unter dem starken Einfluss der NSDAP stand“, stellte der Vortragende klar. Oskar Kusch wurde im Mai 1944 zum Tode verurteilt weil er in der Offiziersmesse des Ubootes ein Hitlerbild mit der Bemerkung. „Hier wird kein Götzendienst betrieben“ entfernen ließ. Er war ein anerkannter, guter militärischer Vorgesetzter und hoch dekorierter Soldat der seit seiner Jugend der NSDAP kritisch gegenüberstand. Aus der 1933 verbotenen bündischen Jugend kommend, suchte er von patriotischen Motiven geleitet, aber auch um sich dem Zugriff der NS- Funktionäre zu entziehen, den Weg in die Marine. „Besonders dramatisch an dieser Geschichte ist, dass Kusch letztlich zwei Mal zum Tode verurteilt wurde. 1944 mit Hinrichtung am 12.05.44 und in dem Rehabilitierungsverfahren 1950“. Das Verhalten der Richter in der damals noch jungen Bundesrepublik und wie sie nur Ihre Auffassung bestätigende Zeugen im Rehabilitierungsverfahren zuließen kann man als ein zweites Todesurteil bezeichnen“ so Dr. Walle. Letztlich gelang 1996 durch die Unterstützung einer FDP Abgeordneten aus Schleswig Holstein die volle Rehabilitierung von Oskar Kusch. Zwischenzeitlich wird er wieder als das, was er war, gesehen und erinnert: Ein Vorbild an Charakter und Teil des Widerstandes. Seine historische Bedeutung liegt vor allem darin, dass er kein Einzelfall war, so der Historiker. In der abschließenden Diskussion wurde mit nachdenklich machenden Hinweisen die Brücke von der Geschichte zur Gegenwart geschlagen. Am Ende der Veranstaltung überreichte Hans-J. Unger ein kleines Präsent und dankte Dr. Heinrich Walle für den hoch aktuellen und sehr interessanten Vortrag.

Pressemitteilung des

Deutschen Bundeswehrverbandes Kameradschaft: Ehemalige Soldaten, Reservisten, Hinterbliebene

Referent Dr. Heinrich Walle (links).Foto: Hans-Joachim Unger

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