Allgemeine Berichte | 01.04.2016, 17:47 Uhr

Gelungene Info-Veranstaltung „Gegenwind“ in Bermel

Widerstand gegen den Ausbau der Windkraft wächst

So könnten die geplanten Windkraftanlagen aussehen.Fotomontage: Martin Peter Petry
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Bermel. Im Gemeindehaus in Bermel fand eine Infoveranstaltung über geplante Windkraftanlagen in der Region um Bermel statt. An der Kreisgrenze von Cochem Zell zum Kreis Mayen-Koblenz sind bereits drei Windkraftanlagen hinter dem im Naturschutzgebiet liegendem Hochbermel und seinem kleinerem Bruder, dem Kleinbermel genehmigt. Diese Anlagen werden in Kalenborn errichtet und die Waldflächen hierfür sind schon gerodet. Die Anlagen werden innerhalb einer 3000m Vorsorgeabstandszone um einen Schwarzstorchhorst gebaut. Da durch eine Raumnutzungsanalyse, die die Flugbahn des Storches nur ein paar wenige Tage beobachtete, festgestellt wurde, dass der Schwarzstorch sich nur in andere Richtungen bewegt. Eine sehr fragwürdige Methode.

Weitere zwei Anlagen sollen auch nahe der Grenze zu Bermel in der Gemeinde Kalenborn errichtet werden und sind noch nicht genehmigt. Im Flächennutzungsplan der VG Vordereifel, wozu Bermel zählt, hat man einen Abstand von 1000m zu Ortschaften festgelegt. Da die Anlagen aber in der Gemeinde Kalenborn errichtet werden, müssen sie nur einen Abstand von 800m zu Bermel haben. Die Folgen der Anlagen werden sich auf Bermel, die Ditscheider Mühle und das Haus Gerhards an der L96 gravierend durch Geräuschbelästigung und Schattenwurf auswirken. Überdies sind diese Flächen als sehr windschwach ausgewiesen.

Als Andy Hellen, der unmittelbar betroffen ist, davon erfuhr, begann er sich über das geplante Projekt zu informieren. Er und sein Mitstreiter Andreas Conrad hatten nun zur Informationsveranstaltung „Gegenwind“ eingeladen. Da in vielen Gemeinden Windkraftanlagen geplant sind, fanden sich über 120 Bürgerinnen und Bürger aus Bermel, Anschau, Boos, Ditscheid, Hauroth und Nachtsheim in der Gemeindehalle in Bermel ein.

Tourismus in Gefahr

Nach einer kurzen Begrüßung und einleitenden Worten durch Ortsbürgermeister Hans Peter Isbert referierte Andy Hellen über die geplanten Anlagen und deren Auswirkungen durch Emissionen. Er sprach auch das Thema „Tourismus“ und die Zerstörung von unversehrter Landschaft an. Auch Andreas Conrad, der selbst Ferienwohnungen in Bermel vermietet, macht sich Sorgen über das noch kleine Pflänzchen Tourismus in der Vordereifel.

Er befürchtet, dass mit den Windkraftanlagen die Landschaft ihren Reiz verliert.

Auch die sensiblen Schutzgebiete von verschiedenen Tierarten wurden angesprochen und natürlich auch der Schattenwurf und die ständige Lärmbelästigung für den ganzen Ort Bermel. Auch haben die Anlagen Auswirkungen auf die Werte von Immobilien und werden Bauwillige noch mal zum Überdenken ihres Vorhabens veranlassen.

Infraschall gefährdet die Gesundheit

Mit weiteren Vorträgen wurde der Infoabend von Kinderarzt Dr. Reinhold Jansen und Bruno Schumacher von Sturm im Wald e.V. und Dr. Andreas Kiefer vom NABU unterstützt. Andreas Kiefer ging in seinem Vortrag auf die immensen Auswirkungen von Vogel und Fledermausschlag bei Windkraftanlagen und eine somit starke Gefährdung von vielen, jetzt schon auf der Roten Liste stehenden Arten ein. Reinhold Jansen referierte über die Auswirkungen von Infraschall auf den menschlichen Körper besonders bei Kindern, Schwangeren und älteren Menschen. Infraschall, also nicht hörbare Geräusche im Niederfrequenzbereich, wirken sich als Herzrhythmusstörungen, Schlafstörungen und Konzentrationsstörungen aus.

An die Natur denken

Nach dieser gelungenen und auch sehr gut angenommenen Infoveranstaltung stand fest, dass der Widerstand in der Vordereifel gegen den Ausbau der Windkraft wächst. Die Interessengruppe aus Bermel möchte mit „Sturm im Wald e.V.“ und dem NABU eine breite Front gegen den Ausbau der Windkraft in Bermel und den umliegenden Orten schaffen. Denn für die Energiewende sind die oft in windschwachen Gebieten geplanten Anlagen nicht geeignet. Sie lohnen sich meist nur für den Betreiber, aufgrund hoher Subventionen durch den Staat, und die Gelder für die Subventionen zahlen alle mit dem Strompreis. Auch für die Verpächter der Flächen werden oft sehr hohe Preise durch den Projektierer gezahlt. Aber wie sieht es mit den garantierten Zahlungen nach der Übernahme durch einen anderen Betreiber aus? Oder nach deren Insolvenz? Hier sollten alle an ihr einziges Kapital denken, was sie hier haben. Eine schöne unverbrauchte Landschaft und Natur. Unsere Vordereifel.

Pressemitteilung der

Interessengruppe

¸Gegenwind“ aus Bermel

So könnten die geplanten Windkraftanlagen aussehen. Fotomontage: Martin Peter Petry

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