Allgemeine Berichte | 01.09.2022

Förderverein Behindertenbeirat Andernach und Pellenz e.V.

Wie barrierefrei ist Andernach wirklich?

Der schon vor drei Jahren vorgetragene Wunsch im Behindertenbeirat, auf die Situation durch einen „Rollstuhlparcours“ aufmerksam zu machen, konnte coronabedingt erst kürzlich realisiert werden. Quelle: Förderverein Behindertenbeirat Andernach und Pellenz e.V.

Andernach. Dass auf Rollstuhl oder Gehhilfe angewiesene Menschen in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind, ist nicht wirklich neu. Wie plötzlich und wie betroffen alle sich damit zurechtfinden müssen oder müssten, wird allerdings eher verdrängt. Der schon vor drei Jahren vorgetragene Wunsch im Behindertenbeirat, auf die Situation durch einen „Rollstuhlparcours“ aufmerksam zu machen, konnte coronabedingt erst kürzlich realisiert werden. Robert Bechmann, im Förderverein Behindertenbeirat Andernach und Pellenz e.V. zuständig für Fragen im Zusammenhang mit Behinderungen, hatte eine Runde in der Andernacher Altstadt zusammengestellt, die den Blick nicht nur auf die sehenswerte essbare Stadt lenkte, sondern auch auf Stolperfallen und Schwierigkeiten im öffentlichen Straßenverkehr aufmerksam machte.

Zur Teilnahme eingefunden haben sich Interessierte, die ausprobieren konnten, wie beschwerlich so ein Rolli mit Handrad bergauf zu bewegen oder begab zu bremsen ist. Wie komfortabel dagegen ein elektrobetriebenes Gefährt funktioniert, haben einige auch ausprobiert. Holprige Pflastersteine, Spur- oder Regenrillen, nicht abgesenkte Bordsteine, auch fehlende Spurstreifen für Blinde oder Sehbehinderte sind allerdings auch für Rollatoren mehr als nur hinderlich, konnte festgestellt werden. Mit Kleinkind und Kinderwagen unterwegs, wurde es dann schnell ganz eng in den Rheingassen. Der Rollsplit am Stadtgraben entlang der Stadtmauer verwehrt gänzlich den Zugang mit oder auf Rädern.

Das abschließende Resumée zeigte auf, dass die Teilhabe für Behinderte oder Beeinträchtigte noch so mancher Verbesserung bedarf. Das Ziel barrierefreies Andernach ist nicht ohne erhebliche finanzielle Mittel zu erreichen. Und alles auf einmal, darüber sind sich alle Teilnehmenden einig, ist ohnehin nicht möglich, aber eine Prioritätenliste soll erstellt werden. Dazu wurden weitere Runden verabredet.

Busfahren mit Rollstuhl ist ein Abenteuer

Dass Busfahren mit Rollstuhl ein Abenteuer ist, wurde mehrfach erwähnt, und deshalb beschloss die Rollstuhlrunde, wenige Tage später noch das sommerliche Wetter zu nutzen für eine Ausfahrt mit dem Linienbus in die schöne Pellenz, was ja auch zum Gebiet des Fördervereins gehört.

Die Zusammenstellung der Tour im Linienbus gemäß VRMInfo.de ab 14.03 Uhr, Bussteig A, Linie 305, versprach die Fahrt über Miesenheim mit Ankunft zur Rauschermühle um 14.42 Uhr. Die Rückfahrt, zum Beispiel mit der Linie 301 wäre ab 14.44 Uhr direkt möglich gewesen über die Südhöhe bis zur Deubachsiedlung um 15.12 Uhr. Mit Umsteigen in die Linie 399 bis zur Kastanienallee und dann 584 Meter Fußweg hätte dann nach 50 Minuten die Rundreise geendet. Aber die Linie 305 um 14.03 Uhr kam nicht. Auch die Linie 302, laut ausgehängtem Plan um 14.12 Uhr, ist in der St. Thomaser Hohl nicht gesichtet worden. Die beiden Rollstuhlfahrer hatten sich ja Zeit mitgebracht, die Sonne schien und die Vorfreude war immer noch vorhanden. Also warteten sie auf die Linie 310 um 14.22 Uhr. Spannend, der Bus kam tatsächlich und sogar pünktlich, bremste ab, und zur Überraschung der Wartendenden wurde die Fahrtrichtung als Betriebsfahrt angezeigt, die keine Passagiere mitnahm. Nach Verlassen der Haltestelle war dann allerdings wieder eine Fahrtrichtung angezeigt. Nun ja, die gläubigen Rollstuhlfahrer vermuten da eher ein Wunder.

Mit der Linie 310 Richtung Hallenbad hat dann später endlich ein besonders freundlicher hilfsbereiter Busfahrer die Rampe abgelassen. Es stellte sich heraus, dass der erste Rolli zwar in der vorgesehenen Nische Platz fand, der zweite allerdings nicht. Die Gänge in den Bussen sind zum Durchfahren nicht geeignet, auch ein Kinderwagen hat dann schon keinen Platz mehr. Zum Glück war es ein ganz normaler Wochentag. Es waren kaum Leute unterwegs und der Bus so gut wie leer. Diese Fahrt endete mit der Pause am Bollwerk.

Zum Glück kommt ein Elektro-Rolli vom Morsmühlenweg auch ohne Bus zum Stadtgraben. Und es gibt ja Handys, die eine Verständigung erleichtern. Das gemeinsame Treffen am Ende der „Pellenz-Reise“ im Altenzentrum Katharina Kasper warf dann allerdings Fragen auf: „Gilt der Plan im Internet nicht während der Ferienzeit? Gilt er überhaupt? Können wir vielleicht gar keinen Linienbusplan lesen? Warum sind die Linienbusse so konzipiert, dass noch nicht einmal zwei Rollis in einem Bus Platz haben? Warum wurde so viel Geld in die Neuanschaffung von Bussen investiert, wenn sie Behinderte und Benachteiligte derart einschränken?“ Zumindest herzlich gelacht haben die Beteiligten über die Reaktion des Busfahrers, beim Erkennen von zwei Rollstühlen ganz schnell auf „Sonderfahrt“ umzustellen, um schleunigst weiterzufahren. „Der Umgang mit uns ist Isolation und Folter“, so hat es dann einer der Teilnehmenden formuliert. Behindert sind übrigens längst nicht nur alte Menschen!

Es gibt noch viel zu tun

Es gibt noch viel zu tun, soviel war allen Beteiligten klar, und fleißig wurden Pläne geschmiedet, was noch machbar und wünschenswert ist, um Teilhabe, Spaß und Geselligkeit auch Behinderten und Benachteiligten zu ermöglichen. Der Förderverein Behindertenbeirat Andernach und Pellenz e.V. wird nicht nur Rundgänge bzw. -fahrten organisieren für Interessierte. Es gilt, auch aufzuzeigen, wo Verbesserungen erforderlich sind.

Wie plötzlich und wie betroffen wir alle uns zurechtfinden müssen – siehe oben – wir dürfen es nicht vergessen.

Pressemitteilung des

Förderverein Behindertenbeirat Andernach und Pellenz e.V.

Der schon vor drei Jahren vorgetragene Wunsch im Behindertenbeirat, auf die Situation durch einen „Rollstuhlparcours“ aufmerksam zu machen, konnte coronabedingt erst kürzlich realisiert werden. Quelle: Förderverein Behindertenbeirat Andernach und Pellenz e.V.

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