Allgemeine Berichte | 10.02.2023

Kolumne (40) Anna Casalter (3)

Wie die Anna-Casalter-Straße zu ihrem Namen kam

In dieser Folge löst sich das Rätsel um die Namensgebung

Familiengrab Casalter/Heider auf dem Odendorfer Friedhof. Foto: Klaus Peter Scholz

Odendorf/Essig. Als die an der Essiger Straße gelegene Steinbaracke, die zuvor der Luftwaffe als Lichtbildstelle gedient hatte, aufgrund der nach dem Krieg herrschenden Wohnungsnot zu Lehrerdienstwohnungen umgebaut werden sollte, stellte sich heraus, dass sich das Grundstück, auf dem die Baracke 1938/1939 errichtet wurde, noch in Privatbesitz befand. Da das Amt „unter keinen Umständen“ auf die Baracke verzichten wollte, wurde zwischen der Grundstücksbesitzerin, Frau Anna Casalter und der Amtsverwaltung am 07.01.1948 zunächst folgende Vereinbarung getroffen:

„Das Grundstück, auf welchem die Wehrmachtsbaracke (frühere Bildstelle) in Odendorf von der früheren Wehrmacht errichtet worden ist, verpachtet Fräulein Casalter der Amtsverwaltung Ludendorf bzw. der Gemeinde Odendorf zu dem mit der Militärverwaltung vereinbarten Pachtpreis von 200,- RM jährlich. […] Fräulein Casalter gestattet, dass die jetzt aufstehende Steinbaracke von der Amtsverwaltung bzw. der Gemeinde Odendorf instandgesetzt und zu mehreren Lehrerdienstwohnungen ausgebaut wird. Der Teil des Grundstückes, der hinter der Steinbaracke liegt, gehört zu dem von Fräulein Casalter an die Amtsverwaltung bzw. Gemeindeverwaltung zu verpachtenden Grundstück, und wird als Kleingarten für die Einwohner der Steinbaracke verwendet (bis an die Bäume).“

Ein Jahr später, am 31. Januar 1949, übertrug Anna Casalter das Grundstück unter einigen Auflagen an das Amt Ollheim und die Gemeinde Odendorf. Mithilfe eines Darlehens aus öffentlichen Mitteln und eines Zuschusses der Bezirksregierung Köln baute die Gemeinde Odendorf die Baracke schließlich in drei Lehrerdienstwohnungen um, die von der Gemeinde Swisttal noch bis 1993 vermietet wurden. 1993 wurde das Grundstück zwecks Errichtung eines EDEKA-Marktes verkauft und die alte Steinbaracke abgerissen. Die neu entstandene, an den EDEKA-Markt angrenzende Straße im Erschließungsgebiet „Essiger Straße“ wurde zur Erinnerung an die großzügige Schenkerin durch einstimmigen Beschluss des Haupt-, Finanz- und Beschwerdeausschusses vom 25.01.1994 Anna-Casalter-Straße benannt.

Anna Casalter fand auf dem Friedhof in Odendorf im Familiengrab Casalter ihre letzte Ruhe. Die Gemeinde Swisttal ist zur Erhaltung und Pflege dieses Ehrengrabes durch den Schenkungsvertrag verpflichtet.

Die Informationen wurden zusammengestellt vom Verein Zehnthaus mit freundlicher Unterstützung des Archivs der Gemeinde Swisttal.

Sammlung Zehnthaus

www.verein-zehnthaus.de

Sterbeeintrag von Anna Casalter, Standesamt Ludendorf 13/1957. Quelle:  Archiv der Gemeinde Swisttal

Sterbeeintrag von Anna Casalter, Standesamt Ludendorf 13/1957. Quelle: Archiv der Gemeinde Swisttal

Abschrift des Übertragungsvertrages, geschlossen zwischen Anna Casalter und der Gemeinde Odendorf 1949. Quelle: Archiv der Gemeinde Swisttal

Abschrift des Übertragungsvertrages, geschlossen zwischen Anna Casalter und der Gemeinde Odendorf 1949. Quelle: Archiv der Gemeinde Swisttal

Familiengrab Casalter/Heider auf dem Odendorfer Friedhof. Foto: Klaus Peter Scholz

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