Informationsveranstaltung mit Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner
Wie es mit den Flüchtlingen in Buschhoven weitergehen soll
Buschhoven. Gut 100 Buschhovener waren der Einladung von Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner ins katholische Pfarrheim gefolgt. Sie wollten wissen, wie der aktuelle Stand in der Flüchtlingssituation ist und insbesondere, was Buschhoven in nächster Zeit zu erwarten hat.
Bis zum Informationsabend hatte Swisttal 345 Flüchtlinge aus 31 Nationen aufgenommen, darunter sind 80 Kinder. „Wir gehen davon aus, dass in 2016 und 2017 noch bis zu 600 Flüchtlinge nach Swisttal kommen“, so Kalkbrenner. „Es gilt die Richtgröße von fünf Prozent der Bevölkerung, die den Kommunen zugewiesen werden können.“ Aktuell ist die Zuweisung von Flüchtlingen etwas zurückgegangen. Kamen im vergangenen Jahr allein in den Monaten September bis Dezember pro Monat 50 bis 70 Menschen, so waren es im Januar „nur“ 18 Flüchtlinge.
„Wir brauchen daher zusätzlich zu den schon bestehenden Übergangswohnheimen in Heimerzheim, Odendorf und Ludendorf dringend weitere Unterbringungsmöglichkeiten“, erläuterte die Bürgermeisterin, „daher wollen wir hier in Buschhoven in der Gewerbezeile ‚Am Fienacker‘ in der Nähe des Netto-Marktes 60 weitere Plätze schaffen.“ Derzeit werde geprüft, ob der Bau in konventioneller Weise oder als Containerunterkunft auf dem 800 Quadratmeter großen gemeindeeigenen Grundstück errichtet werden soll, die Mittel seien im Haushalt enthalten.
„Es muss auf keine vorgesehene Investition wie etwa die Kita-Erweiterung verzichtet werden, aber unser anvisiertes Haushaltsergebnis wird sich naturgemäß verschlechtern“, so Kalkbrenner. Ergänzend zur Unterbringung in den Übergangswohnheimen hat die Gemeinde 40 Wohnungen angemietet. Nicht mehr zur Verfügung steht ab Märzbeginn das alte Sportlerheim am Wiedring, da die Investoren dort mit den Vorbereitungen zur Bebauung des Geländes beginnen wollen. „Es ist unser Ziel, die Dorfhäuser und möglichst auch die Turnhallen nicht mit Flüchtlingen zu belegen“, verspricht die Bürgermeisterin. „Dafür nutzen wir sogar einige für den Abbruch vorgesehene Häuser.“
Bürger äußern ihre Sorgen
Nach den Fakten und Zahlen der Bürgermeisterin ergriffen einige Buschhovener das Wort. Unmut äußerte insbesondere eine Frau, die in der Nähe zu dem geplanten Übergangswohnheim ihr Anwesen hat. „Warum hat es hier keine Bürgerbefragung wie zur Ansiedelung des Netto-Marktes gegeben“, klagte sie. Ein Mitglied des Gemeinderats wies darauf hin, dass es bei der Frage des Nettomarktes keine Einigkeit im Gemeinderat gegeben habe, der Bau des Übergangswohnheims in Buschhoven sei aber einstimmig beschlossen worden. Sicherheitsbedenken wegen der Flüchtlinge wies Ortsvorsteherin Christel Eichmanns zurück. „Mit den 30 bzw. eine Zeit lang sogar 32 Männern im Alter von 18 bis zu 40 Jahren aus fünf Nationen, die am Wiedring untergebracht waren, hat es keinerlei Schwierigkeiten gegeben.“ Sie dankte insbesondere dem Helferkreis, der mit seinem Engagement zu dieser guten Situation entscheidend beigetragen habe.
„Wir nehmen die Ängste und Sorgen unserer Bürgerinnen und Bürger natürlich ernst“, versicherte Peter Nitschke, seit einigen Monaten Flüchtlingskoordinator der Gemeinde. So sei bereits prophylaktisch ein Sicherheitsdienst verpflichtet worden, der die Unterkünfte regelmäßig abfährt.
Die Aufnahme so vieler Menschen aus den unterschiedlichen Kulturkreisen werde kein „Kuschelrock“, äußerte ein Besucher seine Bedenken.
„Unsere Chance liegt im starken Ehrenamt hier, sodass die Flüchtlinge sich nicht selbst überlassen bleiben“ appellierte Bürgermeisterin Kalkbrenner an die Anwesenden. „Wir müssen die Aufgabe der Integration immer wieder neu angehen, miteinander im Gespräch bleiben. Es wird nicht immer alles glatt laufen, aber wir bereiten uns darauf vor.“
Rund 100 interessierte Bürger waren zu der Informationsveranstaltung gekommen.
