Allgemeine Berichte | 12.03.2020, 17:12 Uhr

Gespräch mit den Sicher-Stark-Experten

Wie ich mein Kind vor dem Coronavirus schützen kann

Kinder benötigen kindgerechte Erklärungen

Region. Am Thema „Coronavirus“ kommt derzeit kaum jemand vorbei – auch die Kinder in der Kita und Grundschule nicht. Sie hören beunruhigende Meldungen und werden mit neuen Hygieneregeln konfrontiert.

Was können Eltern tun, um ihnen die Ängste zu nehmen? Antworten gibt Angelika Stabenow, Pädagogin des Sicher- Stark-Teams.

Wie erleben die Kinder die momentane Situation?

Das Coronavirus ist klar ein Thema in Kita und Grundschule. Wie die Kinder die Situation aufnehmen, hängt vor allem auch davon ab, wie die Eltern selbst damit umgehen. Eltern sind die Coachs und Vorbilder ihrer Kinder.

Zeigt die Mutter ständig Angst, überträgt sie dieses Verhalten auf das Kind.

Kinder beobachten das Verhalten von Erwachsenen, die Reaktionen der Eltern und hören selbstverständlich Gespräche mit.

Hier sollten Eltern ruhig und in Kindersprache ihren Kindern den Virus erklären und was man tun kann.

Auch in den Sicher-Stark-Kursen wurden Fragen zum Coronavirus gestellt.

Ziel ist es den Kindern die Ängste zu nehmen und ihnen zu erklären, was da konkret passiert.

Wie sollte man sich denn als Eltern richtig verhalten?

Eltern sollten sich deshalb selbst fragen: Habe ich unbegründet starke Angst vor dem Coronavirus und übertrage ich es auf mein Kind? Eltern können keinen ruhigen Umgang mit dem Thema vermitteln, wenn sie ängstlicher als das Kind sind oder wenn es zu oft thematisiert wird.

Um ein Vorbild im Umgang mit Ängsten zu sein, sollten Eltern eigene Ängste überwinden. Ziel ist es nicht, den Kindern Angstfreiheit zu ermöglichen, sondern den Umgang mit Ängsten zu üben.

Wie erkläre ich den Kindern denn das Corona- virus und seine Folgen?

Man kann das gut anhand der Grippe erklären, was Kinder alle schon einmal im Leben gehabt haben. Hier können sich die Kinder am besten hineinversetzen, weil sie wissen, was der Körper mit ihnen macht.

Das Coronavirus ist eine sehr ähnliche Erkrankung, die ebenfalls durch Viren hervorgerufen wird.

Viren versuchen immer, sich auszubreiten, ähnlich wie bei einem PC – und genau hier können wir das Virus stoppen.

Wir müssen vermeiden, dass sich das Virus überall einnistet, also auch in den Kindergärten oder in den Grundschulen. Das ist so lange nötig, bis die Ausbreitung unter Kontrolle ist oder im besten Fall gegen dieses neue Virus eine Impfung entwickelt wurde. Viele Ärzte und Kliniken forschen auf Hochtouren, wie ein neuer Impfstoff aussehen könnte.

Soll man das Thema als Eltern selbst ansprechen oder auf Fragen der Kinder warten?

Sie sollten warten, bis Ihr Kind Sie anspricht, denn es wird in der Grundschule und im Kindergarten früh genug damit konfrontiert. Auch Lehrkräfte sollten bereits geschult werden, wenn Kinder Fragen zu diesem Thema stellen.

Wir sollten nicht auf das Kind zugehen und es bedrängen, dass es darüber sprechen muss. Das Kind soll frei entscheiden können, ob es mehr wissen will oder nicht.

Natürlich sollten Eltern dennoch Vorsorge treffen und ein häufigeres Händewaschen zum Ritual machen.

Wenn das Kind sich aber zurückzieht, Kummer hat, es sich gar nicht äußert und immer stiller wird, sollte man den Grund erfahren.

Vielleicht liegt es auch nicht an dem Coronavirus. Deshalb nehmen Sie sich immer mindestens 15 Minuten Zeit am Tag, um Ihrem Kind zuzuhören.

Was macht Dir sorgen?

Was denkst du darüber?

Was machen die anderen Kinder in der Kita / Grundschule?

Besonders wichtig ist das Eingehen auf Fragen von Kindern. Das Kind soll wissen, dass jemand zuhört, es nicht alleine gelassen wird und in der Familie über schwierige Themen sprechen darf. Wenn Kinder nach einem Austausch aufhören zu fragen, sollte man das Thema aber wieder beenden und sich schöneren Dingen widmen.

Soll man den Kindern sagen, wie gefährlich das Virus sein kann?

Es kommt auf das Alter der Kinder an.

Kleinkinder haben noch keine Erfahrung mit dem Tod und seiner Endgültigkeit. Sie hören zwar in Märchen, dass eine Figur gestorben ist, können aber die weitreichenden Folgen noch nicht einschätzen.

Sie hören auch in den Nachrichten, dass man am Coronavirus sterben kann. Der Tod gehört zum Leben, es ist wichtig, ihn nicht zu tabuisieren. Aber man sollte die Kinder auch nicht mit Zahlen beunruhigen oder aktiv darauf hinweisen, dass man an dem Virus sterben kann.

Fakt ist auch, dass bisher nur ältere und kranke Menschen daran gestorben sind und bislang noch keine gesunden Kinder.

Die Kinder sollten wissen, wie man sich schützen kann. Ein gesundes Immunsystem und vermehrtes Händewaschen können helfen. Man wird bald wissen, wie man das Virus bekämpfen kann.

Was darf man den Kindern zumuten?

Es kommt auf die Verfassung und das Alter des Kindes an.

Die Kinder bekommen viel im Kindergarten und in der Grundschule mit, wir können es ihnen auch nicht ersparen. Das größte Risiko ist wohl, dass wir Erwachsenen auch nicht wissen, ob es zu einer sehr großen Infektionswelle kommen wird und wie sie ausgehen wird. Das müssen wir auch eingestehen.

Ob wir dies aber den Kindern schon alles mitteilen, müssen die Eltern entscheiden. Auf jeden Fall keine Panik schüren.

Das Kind sollte wissen, dass es selbst und wir alle nicht machtlos ausgeliefert sind. Wir wissen, was wir dagegen tun können.

Da es sich bei dem Coronavirus um etwas ähnliches wie eine Grippe handelt, sollte man sein eigenes Immunsystem und das seines Kindes stärken; Heilpflanzen können hierbei unterstützen.

Einige Kinder haben Angst, ihre Großeltern könnten daran sterben.

Auch hier gilt wieder, die Angst nicht klein zu reden. Das Kind setzt sich offensichtlich mit dem Tod auseinander. Die Kinder sollen aber wissen, dass die geliebten Großeltern nicht schutzlos ausgeliefert sind, sondern etwas gegen eine Ansteckung tun können. Die Kinder fühlen sich zudem weniger machtlos, wenn sie wissen, dass sie mit jedem Händewaschen und Stärkung des Immunsystems selbst mithelfen können.

Wie damit umgehen, falls das Kind wirklich erkrankt und Angst bekommt?

Es ist wichtig, das Kind ernst zu nehmen und zu fragen: Was könnte dich stark machen gegen deine Angst?

In der Regel geht dies gut mit Geschichten oder Traumreisen, wissen die Sicher-Stark-Experten zu berichten.

Man kann dem Kind auch erklären, dass man aus eigener Kraft gegen die Krankheit ankämpfen kann. Der Körper hat ein eigenes Abwehrsystem (Virenpolizei) entwickelt, das meistens sehr gut mit Viren zurechtkommt. Kinder haben sogar ein besseres Abwehrsystem wie ältere Menschen, deshalb sind auch Kinder noch nicht schwerwiegend an dem Coronavirus erkrankt bzw. weil ihr Immunsystem so robust ist, wirft es sie nicht in der gleichen Weise um, wie einen Erwachsenen. Außerdem erholen sich Kinder leichter als Erwachsene, so die Epidemiologin Krys Johnson vom Temple University College of Public Health in Philadelphia.

Sollte man die Kinder nun von den Medienberichten fernhalten?

Nein, den Konsum zu verbieten, ist eine falsche Entscheidung, dann schauen sie heimlich oder bei einer Freundin. Das kann mehr Ängste schaffen. Reden Sie offen in der Familie über dieses Thema.

Man muss den Kindern aber erklären, dass das, was sie in den Nachrichten sehen, nur ein Teil des Ganzen ist und unter Umständen auch nicht immer der Wahrheit entspricht.

Hier ist es für Sie als Elternteil wichtig, die richtige Sendung für Ihr Kind zu finden.

Es gibt ja auch positive Nachrichten, die wir aber nicht sehen. Was die Kinder sehen, wirkt auf sie so, als ob das direkt bei uns wäre. Darum unbedingt erklären, dass vieles weit weg ist und mit dem Medienkonsum haushalten.

Viel wichtiger ist, dass Sie sich als Coach/Vorbild im Umfeld der Kinder adäquat verhalten und äußern. Denn diese Haltung wirkt sich auf Ihr Kind sowie auf dessen Reaktion und spätere Handlungen aus.

Pressemitteilung der

Bundespressestelle Sicher - Stark

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