Allgemeine Berichte | 06.09.2022

Handwerkskammer zu Köln informierte sich im Flutgebiet

Wiederaufbau ist auf weitere, ortsfremde Handwerksbetriebe angewiesen

Landrat Schuster wünscht bessere Zusammenarbeit in der Region zur Optimierung von Bevölkerungs- und Katastrophenschutz – Gefahrenpunkte bei Starkregen oder Hochwasser identifizieren und Handlungsempfehlungen geben

Bürgermeister Ludger Banken (links) zeigte im Erdgeschoss des Gründer- und Technologiezentrums Rheinbachs wie viel Arbeit der Wiederaufbau nach der Flut noch mit sich bringt. Mit dabei waren (von links) Malermeister Simon Lanzerath, Handwerkskammer-Geschäftsführerin Stephanie Bargfrede, Landrat Sebastian Schuster und Projektmanager Marius Siebenhaar.  Foto: Jost

Rheinbach.Im Juli 2021 zerstörte das Jahrhundert-Hochwasser Teile des linksrheinischen Rhein-Sieg-Kreises und richtete auch in Rheinbach erhebliche Schäden an. Ein gutes Jahr danach haben Landrat Sebastian Schuster (CDU) und Bürgermeister Ludger Banken (parteilos) zusammen mit Stephanie Bargfrede, Geschäftsführerin der Handwerkskammer zu Köln, sowie Marius Siebenhaar, Projektmanager Wiederaufbau der Handwerkskammer zu Köln, mehrere von der Flut betroffene Betriebe in Rheinbach besucht.

Die Delegation informierte sich über die aktuelle Situation in Flerzheim, Oberdrees, Niederdrees, Loch und in der Rheinbacher Innenstadt. Im Anschluss besuchte sie noch die von der Flut betroffene Bauunternehmung Theodor Weber und traf sich zudem zu einem Gespräch mit dem Malermeister Simon Lanzerath, Geschäftsführer des Malerbetriebs Kohlhas.

Landrat Sebastian Schuster erklärte, die Flutkatastrophe habe die Menschen im Rhein-Sieg-Kreis – insbesondere in Rheinbach und Swisttal – „vor unsagbare Herausforderungen gestellt.“ Neben privatem Eigentum und kommunaler Infrastruktur habe es auch eine Vielzahl von Unternehmen getroffen, einige zudem auch privat. „Umso beeindruckender ist es, was die Unternehmen jetzt schon geschafft haben – mit viel Engagement, Kreativität, Mut und unerschütterlicher Zuversicht. Viele waren neben der Regelung ihrer eigenen Angelegenheiten weiter für Andere da. Dafür danke ich allen Beteiligten von ganzem Herzen.“

Lehren aus der Katastrophe ziehen

Wichtig sei es nun, aus der Katastrophe Lehren zu ziehen, so Schuster weiter: „Wir müssen regional besser zusammenarbeiten, den Bevölkerungs- und Katastrophenschutz optimieren, indem wir beispielsweise Gefahrenpunkte bei Starkregen oder Hochwasser identifizieren.“ Darüber hinaus werde der Kreis in Abstimmung mit den kreisangehörigen Kommunen ein Starkregen-Risikomanagement entwickeln. Geplant sei eine kreisweite Gefahrenkarte für verschiedene Starkregenereignisse, die Folgen und Risiken für alle Flächen beinhalte und darüber hinaus Handlungsempfehlungen für alle Akteure enthalte.

Bürgermeister Ludger Banken bestätigte: „Die Unwetterkatastrophe hat auch Rheinbachs Gewerbetreibende und Unternehmen schwer getroffen.“ Davon zeugten unter anderem die 332 Anträge auf Soforthilfe mit einem Gesamtvolumen von 1,6 Millionen Euro. Das herausragende unternehmerische Engagement sei auch in Rheinbach deutlich spür- und sichtbar: „Die Handwerksbetriebe haben sich unmittelbar in der Bewältigung der Katastrophe mit Personal und Gerät eingebracht und von Anfang an mitgeholfen, den Wiederaufbau zügig voranzubringen.“ Auch dank der großen Solidarität und der enormen Kraftanstrengung der Betroffenen sei es zahlreichen Betrieben gelungen, ihre Arbeit inzwischen wieder aufzunehmen. „Dies hat zur Zuversicht in der Stadtgesellschaft beigetragen, die Herausforderungen anzunehmen und sich mit Mut den bevorstehenden Aufgaben zu stellen“, wusste Banken.

Wiederaufbau als nie dagewesenen Kraftanstrengung

Im Unterschied zum Flutgebiet an der Ahr, wo die Wucht der Flut zu sofort sichtbaren katastrophalen Verwüstungen geführt habe, seien in den nordrhein-westfälischen Flutgebieten die meisten betroffenen Häuser zwar schwer beschädigt worden, aber stehengeblieben, erklärte Handwerkskammer-Geschäftsführerin Stephanie Bargfrede. „Gut ein Jahr nach der Flut müssen wir aber feststellen, dass auch bei uns die Schäden, die das Wasser verursacht hat, so immens sind, dass wir jetzt unzählige öffentliche Gebäude, Privathäuser und Betriebsstätten abreißen müssen. Der anstehende Wiederaufbau neuer Gebäude und die Wiederherstellung beschädigter Gebäude und der Infrastruktur erfordern auf Jahre hinweg eine nie dagewesene Kraftanstrengung.“

Das örtliche Handwerk habe im vergangenen Jahr Unglaubliches für den Wiederaufbau geleistet, vieles sei schon geschafft, und das Engagement ungebrochen. Viele Betroffene stünden dennoch derzeit vor der Herausforderung, überhaupt Handwerksunternehmen zu finden, die bereit seien, die notwendigen Wiederaufbauarbeiten zu übernehmen. „Die Herausforderung des Wiederaufbaus hier in Rheinbach, aber auch in den anderen Flutgebieten in NRW, ist derart gigantisch, so dass wir für einige Zeit zwingend auf die Hilfe weiterer, ortsfremder Handwerksbetriebe angewiesen sind“, so Bargfrede weiter. Mit tatkräftiger Unterstützung des Heimatministeriums, der jeweiligen Kreise und Kommunen und des Netzwerks der gesamten bundesdeutschen Handwerksorganisation werde nun versucht, noch einmal die Aufmerksamkeit auf die Flutgebiete zu lenken. Die Empathie und die Hilfsbereitschaft seien schon unmittelbar nach der Flut sehr groß gewesen, auch im Handwerk. „Jetzt geht es darum, so viele Handwerksbetriebe wie möglich für einen zeitweisen Einsatz im Flutgebiet zu gewinnen – trotz voller Auftragsbücher zuhause. Wer sich als Unternehmen sozial verantwortlich engagieren möchte, hat hier die Chance dazu.“

Zentraler Marktplatz dafür ist die Homepage www.handwerk-baut-auf.de, die die Handwerkskammer zu Köln zusammen mit der Handwerkskammer Koblenz ständig weiterentwickelt. Jeder Handwerksbetrieb, der in einer Handwerksrolle eingetragen ist, sei herzlich willkommen, hier mitzumachen.

Initiative „HANDWERKimWIEDERAUFBAU“

Die Initiative „HANDWERKimWIEDERAUFBAU“ vom NRW-Heimatministerium und dem Westdeutschen Handwerkskammertag (WHKT) hat das Ziel, insgesamt mehr Handwerksbetriebe für den Wiederaufbau der von Starkregen- und Hochwasserkatastrophe geschädigten Region zu gewinnen. Projektmanager Marius Siebenhaar soll in Absprache mit den Gebietskörperschaften anhand der kommunalen Wiederaufbaupläne zumindest grob die Bedarfe ermitteln und Akteure aus den Handwerksorganisationen mit von der Flut betroffenen Menschen in den Hochwasserregionen vernetzen. Zentraler Baustein ist dabei die Plattform www.handwerk-baut-auf.de, auf der sich bereits zahlreiche Handwerksbetriebe für den Wiederaufbau registriert haben und eine Reihe von Hilfsprojekten zustande gekommen sind. Weitere Betriebe aus nah und fern sind jedoch dringend nötig. Deshalb will Siebenhaar auch Handwerksbetriebe aus den nicht vom Hochwasser betroffenen Bundesländern und dem benachbarten Ausland motivieren, für einige Wochen oder auch länger ihre Dienstleistungen in den Überschwemmungsgebieten kostenpflichtig anzubieten. Unterbringung und Verpflegung müssten durch die jeweiligen Kommunen mit Unterstützung der Handwerkskammer zu Köln organisiert werden. Weitere Infos bei Marius Siebenhaar, E-Mail marius.siebenhaar@hwk-koeln.de, Telefon 0221 2022-238. JOST

Bürgermeister Ludger Banken (links) zeigte im Erdgeschoss des Gründer- und Technologiezentrums Rheinbachs wie viel Arbeit der Wiederaufbau nach der Flut noch mit sich bringt. Mit dabei waren (von links) Malermeister Simon Lanzerath, Handwerkskammer-Geschäftsführerin Stephanie Bargfrede, Landrat Sebastian Schuster und Projektmanager Marius Siebenhaar. Foto: Jost Foto: Volker Jost

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