Salonorchester Weimar präsentierte ein Neujahrskonzert der ganz besonderen Art.
„Willkommen im Schlagersalon!“
Tolle Stimmung beim Neujahrskonzert in der Mendiger Laacher See-Halle
Mendig. Unter dem Motto „Willkommen im Schlagersalon!“ präsentierte das Salonorchester aus dem thüringischen Weimar am vergangenen Samstag in der Mendiger Laacher See-Halle ein Neujahrskonzert der ganz besonderen Art.
Während in den vergangenen Jahren Johann Strauß mit seinen weltberühmten Walzerklängen im Focus der traditionellen Mendiger Neujahrskonzerte stand, entführten die sieben hochkarätigen Musiker Boris Raderschatt (Gesang), Justyna Niznik (Violine I), Franziska Frolik (Violine II), Klaus Wegener (Klarinette/Saxophon), Stefan Rauschelbach (Klavier), Martin Lentz (Kontrabass) und Henning Luther (Schlagzeug) das restlos begeisterte Publikum in die goldene Ära des Tonfilms.
Seit seiner Gründung im Jahre 1999 hat das Salonorchester Weimar sich den Schlagern der goldenen Tonfilmära verschrieben und sorgt seitdem bei zahlreichen Konzerten sowie Fernsehauftritten für Furore. Sänger Boris Raderschatt und seine Kollegen haben es sich zur Aufgabe gemacht, die frech-frivolen Texte der damaligen Zeit in großer musikalischer Besetzung auf die Bühne zu bringen. In heiteren Arrangements mit musikalischem Witz und einer bestechenden Kunstfertigkeit boten die studierten Musiker in der Laacher See-Halle ein Feuerwerk an Schlagern und Melodien aus einer Zeit, als die „Bilder sprechen bzw. singen lernten“. Dass das Salonorchester 2003 mit dem „Ravensburger Kupferle“ und 2005 als Künstler des Jahres ausgezeichnet wurde, verwundert absolut nicht.
Nach der Begrüßung durch Boris Raderschatt, der sich im Verlauf des stimmungsvollen Abends nicht nur als ein vielseitig begabter Sänger und Interpret erwies, sondern auch als charmanter Conférencier eine hervorragende Figur machte, eröffnete das Ensemble den musikalischen Reigen mit der Franz Grothe-Komposition „Sing mit mir“, das vielen älteren Besuchern noch aus der Peter Frankenfeld-TV-Show „Musik ist Trumpf“ in guter Erinnerung war.
Zu „Haben Sie schon mal im Dunkeln geküsst?“ verließ der Sänger die Bühne und ging gezielt auf eine Besucherin zu, der er zur Unterstreichung des pfiffigen Textes eine Augenbinde anlegte und zu „Deine Liebe die ist zuckersüß“ drückte die Violinistin Justyna Niznik einem Zuschauer ein Schüttelei in die Hand, welches dieser ausgesprochen taktvoll einzusetzen wusste.
Eine wahre Glanzleistung vollbrachte der begnadete Interpret, als er die wohl bekanntesten Stücke von Zarah Leander „Kann denn Liebe Sünde sein“ oder „Der Wind hat mir ein Lied erzählt“ eindrucksvoll „zelebrierte“. Fast unschlagbar war auch seine Heinz Rühmann-Parodie von „Jawoll meine Herren“ aus dem UFA-Klassiker „Der Mann der Sherlock Holmes war“.
Nicht weniger bemerkenswert waren die temperamentvoll und ausgesprochen virtuos dargebotenen Jazz- und Swing-Arrangements des sechsköpfigen Orchesters, wobei die „Herren der Schöpfung“ auch ihre Gesangs-Qualitäten mit einem á capella-Stück beeindruckend unter Beweis stellten. Nicht zuletzt ließ sich das Publikum nicht lange bitten und stimmte lautstark und textsicher in den berühmten Tango „Oh Donna Clara“ mit ein.
Während der Pianist Stefan Rauschelbach sich in Form einer kleinen Kostprobe als Mitglied der Volksmusikgruppe „Bodenseefelchen“ outete, verblüfften die pfiffigen Musiker das Publikum mit der „Eigenkomposition: Bruchstücke aus Mendig“, bei der es sich um die nicht gerade unumstrittene atonale Musik handelte. Der Spuk hielt jedoch nicht lange an, da das Salonorchester die Zuhörer mit einem souveränen Übergang zu der gleichnamigen Filmmusik aus dem Jahre 1929 „Ich küsse ihre Hand, Madame“ wieder versöhnte.
Zum Abschluss des unterhaltsamen und kurzweiligen Programms bedankte Stadtbürgermeister Hans-Peter Ammel sich bei dem Ensemble „von „der Kulturstadt (Mendig) zur Kulturstadt (Weimar)“ mit je einem Geschenk. Augenzwinkernd fügte der Stadtbürgermeister hinzu: „Bei uns gibt es zwar keine Bodenseefelchen, aber dafür die Laacher See-Felchen, die mit gregorianischen Gesängen aufgezogen werden und bevor die bei Florian Silbereisen Unheil anrichten können, landen sei bei den Mönchen als Fastenspeise auf den Tellern.“
Das Salonorchester Weimar bedankte sich für die herzlichen Worte des Bürgermeisters und für den lang anhaltenden Applaus des Publikums mit der Zugabe „Du hast Glück bei den Frau´n, Bel Ami“.
FRE
