Großes Fest in der Kulturhalle Ochtendung zum Abschluss der „Woche der Demokratie“
„Wir geben dem rechtsextremen Mob keine Plattform“
Ochtendung. 400 Teilnehmer hatten sich im April des vergangenen Jahres zu einer Demonstration gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit in der 5500 Einwohner zählenden Gemeinde Ochtendung zusammengefunden. Damit aber nicht genug: Unter der Federführung der ehemaligen Ortsbürgermeisterin Rita Hirsch, die die ganzen Aktionen ins Leben gerufen hatte, stand vom 19. bis 24. Mai eine „Woche der Demokratie“ auf dem Programm, die am vergangenen Samstag mit einem großen Abschlussfest in der Kulturhalle zu Ende ging.
„Ja, Demokratie geht uns alle an. Beginnend in den Familien, den Vereinen und den Bildungseinrichtungen. In unserer Heimatgemeinde ist es richtig und wichtig, dafür einzutreten. Gerade in den jetzigen Zeiten, in denen alles fragiler geworden ist“, erklärte Hirsch. „Demokratie ist kein Selbstläufer. Sie ist ein Geschenk, sie sie anstrengend und verlangt viel Engagement. Sie ist aber die beste Regierungsform. Wir geben dem rechtsextremen Mob keine Plattform. Wir machen weiter.“
Unterstützung erhielt sie vom neuen Ortsbürgermeister. „Wir müssen Demokratie von Anfang an leben. Im Herzen unserer Dorfgemeinschaft übernehmen viele Menschen die Verantwortung. Vor allem die Kinder und Jugendlichen haben in ihren Workshops tolle Ideen entwickelt“, lobte Hans-Georg Hammes. „Eine Demokratie braucht Mut und Haltung und stirbt dann, wenn sie selbstverständlich wird.“
Hirsch hatte als Redner sogar den Landtagspräsidenten gewinnen können. „Das hier ist eine herausragende Veranstaltung. Was die Dorfgemeinschaft auf die Beine gestellt hat, ist außergewöhnlich. Vor allem freut es mich, dass der Nachwuchs mit ins Boot geholt wurde“, erklärte Hendrik Hering. „Die Demokratie war noch nie so bedroht wie heute, aber sie hat einen unschätzbaren Wert. Vor allen Dingen steht sie für Lebensfreude.“ Wenn es überall so wäre wie in Ochtendung, dann müsste sich Rheinland-Pfalz und auch die gesamte Bundesrepublik Deutschland weniger Gedanken machen. Bei dieser Aussage stimmten Landrat Marko Boos, Maximilian Mumm als Bürgermeister der Verbandsgemeinde Maifeld und der in Ochtendung lebende Landtagsabgeordnete Torsten Welling kopfnickend zu.
In der Kulturhalle bekamen die zahlreichen Gäste unter anderem musikalische Beiträge der Chöre der Ars-Musica-Familie und eine große kulinarische Vielfalt von der Flüchtlingshilfe Maifeld geboten. Die Gemeinde stellte die Arbeit des Ortsgemeinderats auf Infotafeln vor und zeigte damit die politische und demokratische Arbeit vor Ort. Der Heimatverein um Günther Gries stellte Fotos der Ortsbürgermeister nach Kriegsende aus, die beiden Freundeskreise präsentierten ihre Begegnungen und damit ihre gelebte Demokratie.
Die Organisatoren hatten für die Demokratiewoche den Schwerpunkt auf Kinder und Jugendliche gelegt. Jugendpfleger Thomas Geisen, die Schulleitung, die Kitas, die Kitasozialarbeit sowie Susanne Mülhausen (Fachstelle Jugend im VB Koblenz/Pastoraler Raum Maifeld/Untermosel) veranstalteten Workshops und Ideenschmieden zur Demokratie. Diakon Bernd Hammes ging es in seinem Beitrag um die Menschenwürde. Als Initiatorin berichtete Hirsch über die Stolpersteine und über das jüdische Leben in Ochtendung.
Bunt ging es zu in der Ochtendunger Kulturhalle.
Viele verschiedene Kulturen kamen zusammen.
Die Streitschlichter mussten nicht eingreifen.
Für die kulinarische Vielfalt war die Flüchtlingshilfe Maifeld verantwortlich.
